Bühl: Orgel mit Batteriebetrieb

Bühl (fvo) – Orgelmusik unter freiem Himmel kann Bernhard Löffler anbieten. Sein Instrument wird energetisch von einer Autobatterie versorgt.

Bernhard Löffler lässt seine batteriebetriebene Truhenorgel erklingen. Foto: Franz Vollmer

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Bernhard Löffler lässt seine batteriebetriebene Truhenorgel erklingen. Foto: Franz Vollmer

Wieviel PS seine portable kleine hölzerne Wunderkiste hat, ist so leicht nicht zu beziffern. Fakt ist jedenfalls: Einen Führerschein braucht Bernhard Löffler nicht zur Bedienung der handlichen Truhenorgel. Unter Strom steht sie dennoch – und das ist bei einem Open-Air-Konzert in Gottes freier Natur wie am nächsten Sonntag an der La-Salette-Gedenkstätte (18 Uhr) am Altschweierer Sternenberg hilfreich. Mangels Steckdosen weit und breit erhält das einmanualige Teil die nötige Power von einer profanen irdischen Autobatterie. Durchaus kein ungenialer Einfall im „Jahr der Orgel“.

„Die Batterie hält ungefähr drei Stunden. Wir haben das schon ausprobiert“, berichtet Löffler mit leichtem Schmunzeln im Blick. Wir, das sind der Leiter der Bühler Schule für Musik und darstellende Kunst und Sopranistin Ingrid Fraunholz, ihrerseits Gesangsdozentin an der Universität Augsburg. Dank eines einfachen Spannungsumwandlers und der freundlichen Mithilfe eines Elektrikers („Wir mussten da schon ein bissschen tricksen“) kann das Konzert für Sopran, Orgel und obligate Varta-Batterie Realität werden.

Die Idee selbst stammt noch aus Löfflers Kölner Wirkungszeit vor drei Jahren, als er innerhalb eines Kirchengemeinden-Projektes mit einem Gang durch ein Mais-Labyrinth plötzlich vor der Frage stand, wie für eine finale musikalische Meditation Strom zu beschaffen wäre. Doch woher nehmen mitten in freier Wildbahn? Es mag vielleicht ein Bett im Kornfeld, aber noch lange keinen Strom im Maisfeld geben. Alternative wäre ein Notstrom-Aggregat gewesen, der ist halt dummerweise jedoch „lauter als die ganze Orgel“. So kam die Idee, das Instrument mit einer Batterie zu speisen, das im Übrigen immerhin zwölf Register und einen Umfang von viereinhalb Oktaven hat, auch wenn es kaum mehr als 30 Kilo wiegt und in jeden Kleinwagenkofferraum passt.

Die Autobatterie kann die Orgel drei Stunden mit Strom versorgen. Foto: Franz Vollmer

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Die Autobatterie kann die Orgel drei Stunden mit Strom versorgen. Foto: Franz Vollmer

Löffler, der konzertant immer wieder gerne solche musikalischen Grenzgänge unternimmt, hat die Kleinorgel schon etliche Dienste erwiesen. „Das Spannende ist sicherlich der neue Kontext“, erklärt der gebürtige Günzburger mit Blick auf die jüngste Klappstuhl-Reihe in der Zwetschgenstadt und dem dortigen Auftritt der Musikschule. Die Schüler hatten – Corona macht nun mal erfinderisch – bekanntlich den Bauhof musikalisch aufgemischt und das mit großem Erfolg.

Erfolgreicher Test in Bayern

Den Einsatz mit der Autobatterie hat Löffler bereits in einer Mariengrotte im Bayrischen ausprobiert, hier ist das Konzept allerdings Neuland. „Das war eine richtig tolle Atmosphäre“, schwärmt er heute noch über die Kunst, Orte aufzutun, die man jetzt eher nicht mit Kultur in Verbindung bringen würde. Was dem Ganzen ohne Frage einen Hauch von Straßenmusik verleiht. Hocker, kleine Verstärkerbox, damit der Gesang nicht untergeht – fertig. Kein Vergleich zwar zur echten Kirchenorgel, aber für Freiluftzwecke genügt das Modell Wieland absolut.

Ave-Maria-Vertonungen vom Vorbarock bis zur Spätromantik stehen im Übrigen am Sonntag auf dem Programm, garniert mit geistlich-meditativen Texteinlagen, vorgetragen von Diakon Georg Beier. „Es gibt eine unheimlich reichliche Literatur an Marienliedern, die auch musikalisch sehr spannend ist“, betont Löffler, der als Lehrkraft Orgel, Klavier sowie Theoriefächer und Chorleitung im Repertoire hat und somit ohnehin stets daran interessiert ist, das Image der Orgel zu entstauben und das enorme emotionale Potenzial und die klangliche Bandbreite des Instruments herauszuarbeiten. Fehlt somit eigentlich nur noch, dass der Wettergott an Mariä Himmelfahrt allen App-Prognosen gehorcht und der musikalische Freiluftfunke überspringt. Löffler geht jedenfalls mal von stabilem Wetter aus. Und mit etwas Glück kommt am Ende der rund einstündigen musikalischen Marienandacht sogar noch eine Eigenkreation aus seiner Feder zu Gehör – sofern halt die Batterie noch Saft hat.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
12. August 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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