Bühl hat hilfsbedürftige Bürger im Blick

Bühl (hol) – Die Zwetschgenstadt schaltet zur Bewältigung der Corona-Krise ein Infotelefon frei und kooperiert mit dem DRK. In erster Linie habe man dabei Bürger im Blick, die Unterstützung brauchen.

Ob die Geschäfte geschlossen bleiben, kontrolliert ein erweiterter Streifendienst.  Foto: Holzmann

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Ob die Geschäfte geschlossen bleiben, kontrolliert ein erweiterter Streifendienst. Foto: Holzmann

Bürgerhilfe, Infotelefon und ein verstärkter Streifendienst: Die Stadt Bühl reagiert auf die Corona-Krise und versucht dabei, in erster Linie Bürgern, die Unterstützung brauchen, beizustehen, wie Bürgermeister Wolfgang Jokerst bei einem Pressegespräch im Friedrichsbau erläutert. OB Hubert Schnurr fehlt, weil er diese Woche von daheim aus arbeitet.

„Wir wechseln uns zur Sicherheit wochenweise ab“, sagt Jokerst – eine der Maßnahmen für mehr Sicherheit in der Coronakrise. Doch die Zwetschgenstadt tut noch viel mehr. Seit 3. März gibt es einen Krisenstab, der täglich unter der Leitung von Martin Bürkle, Fachbereichsleiter Bürgerservice, Recht, Zentrale Dienste, zusammenkommt und die Lage bespricht. Feuerwehrchef Günter Dußmann, Fachmann beim Thema Katastrophenschutz, lobt die Arbeit, die im Rathaus zur Bewältigung der Krise geleistet wird. „Die Verwaltungsvorgänge werden sehr schnell abgearbeitet. Es läuft gut“, sagt er.

Anfragen und Angebote zusammenbringen

Eine Idee, die im Krisenstab ausgebrütet wurde, wird nun in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Bühl-Achern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) realisiert: ein Hilfsservice für die Bühler. „Wir wollen Hilfsanfragen und Hilfsangebote der Bürger zusammenbringen“, schildert DRK-Vorstand Felix Brenneisen das Ziel der Aktion. Dabei geht es in erster Linie auch um einen kostenlosen Einkaufsservice für Menschen, die einer Risiko-Gruppe angehören oder wegen Quarantäne daheim bleiben müssen und niemanden haben, der sie versorgt.

Sie können sich montags bis freitags in der Zeit zwischen 8.30 und 12.30 Uhr beim DRK unter (07223)9877518 oder per Mail an info@drk-buehl-achern.de melden und um Hilfe bitten. Gesucht sind für diesen Service auch noch ehrenamtliche Einkaufshelfer, die sich unter der gleichen Nummer beim DRK melden können. „Diese Helfer sind während ihrer Tätigkeit natürlich bei uns versichert“, betont Brenneisen.

Schutzmasken dringend gesucht

Die Zahl der Hilfsbereiten sei groß, ist er sicher. Zudem gehe es darum, die eigenen Leute zu entlasten, wenn sie bei einer Verschlimmerung der Corona-Lage anderweitig gebraucht würden, sagt Kreisbereitschaftsleiter Martin Stiebitz. Brenneisen betont bei dieser Gelegenheit, dass das DRK massive Probleme bei der Beschaffung von Schutzmasken hat. Er ruft deshalb Handwerker dazu auf, eventuell vorhandene sogenannte FFP2- und FFP3-Masken beim DRK abzugeben. Außerdem sei ein Nähservice für einfache waschbare Stoffmasken gestartet worden, die beispielsweise Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes bei ihrer Arbeit tragen.

„Wir sind froh, dass wir das DRK an Bord haben“, sagt der Bühler Ordnungsamtschef Martin Bohnert. In seiner Behörde ist die zentrale städtische Anlaufstelle für private Hilfsangebote und Hilfsanfragen eingerichtet. Dazu ist gestern ein Bürger-Telefon eingerichtet worden. Es ist montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr sowie samstags von 8 bis 13 Uhr unter (07223)935333 zu erreichen. Dort landen nun auch die Anrufe an die „Corona Nachbarschaftshilfe Bühl“, über deren Engagement das BT gestern berichtet hat. Man habe sich darauf verständigt, gemeinsame Sache zu machen, hieß es gestern aus dem Bühler Rathaus. „Selbstverständlich unterstützen wir das bestehende Engagement“, sagt Bohnert. Es gebe aber viele ältere Menschen ohne funktionierendes soziales Umfeld, für die das Bürgertelefon wichtig sei. Zudem funktioniere es auch als Sorgen- und Infotelefon, ermutigt Bohnert die Menschen, sich zu melden. Nur Gesundheitsauskünfte könne man natürlich keine erteilen, sagt er.

Eingesetzt am Bürgertelefon sind übrigens nicht nur die normalen Mitarbeiter des Ordnungsamtes, sondern auch fachfremde städtische Bedienstete, die sonst in anderen Einrichtungen arbeiten, die derzeit coronabedingt geschlossen sind. Und ein Teil dieser Mitarbeiter ist in den kommenden Wochen auch beim Streifendienst im Einsatz. Dadurch stehe ein „erheblich erweiterter Personalpool“ von insgesamt zehn bis 15 Leuten zur Verfügung, sagt Bohnert.

Sie kontrollieren in Zweier-Teams, ob die Geschäftsleute, wie vorgeschrieben, ihre Läden geschlossen halten, dass Spielplätze nicht genutzt werden und dass die Menschen nicht in größeren Gruppen in der Stadt unterwegs sind. Ziel sei es, so Jokerst, dass alle drei bis vier Stunden eine Streife vorbeikomme – abgestimmt werde das alles mit der Polizei, die natürlich auch unterwegs sei.

Die Bühler hätten sich am Wochenende sehr vernünftig verhalten, so der Bürgermeister. Es habe keinerlei Probleme gegeben. „Wir haben kein Chaos hier. Wir beherrschen die Situation. Die Bürger können sich auf uns verlassen“, fasst Jokerst die Situation in der Zwetschgenstadt zusammen.

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Erstellt:
24. März 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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