Bühl investiert in E-Rikschas

Bühl (sga) – Jeder hat das Recht auf Wind in den Haaren: Im Rahmen von „Radeln ohne Alter“ möchte die Stadt Bühl mehr auf Senioren eingehen, die nicht so mobil sind.

Volle Fahrt voraus: Die Bühlerin Michaela Lang und Gemeinderatsmitglied Lutz Jäckel freuen sich mit Bürgermeister Wolfgang Jokerst (von links) auf die Spritztouren. Foto: Sarah Gallenberger

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Volle Fahrt voraus: Die Bühlerin Michaela Lang und Gemeinderatsmitglied Lutz Jäckel freuen sich mit Bürgermeister Wolfgang Jokerst (von links) auf die Spritztouren. Foto: Sarah Gallenberger

Die Zwetschgenstadt bewegt sich fort: Künftig dürfen sich ältere Damen und Herren aus Bühl auf eine neue Freizeitaktivität freuen. Im Zweierpack und mit zuverlässigem Steuermann wird auf dem Fahrrad schon bald die Gegend erkundet. Und das auch dann, wenn nicht mehr selbst in die Pedale getreten werden kann.

Ganz nach dem Motto „Jeder hat das Recht auf Wind in den Haaren“ werden laut Klimaschutzmanager Martin Thiele voraussichtlich ab diesem Herbst zwei E-Rikschas zur Verfügung stehen, mit denen die ältere Generation auf Entdeckungstour gehen kann. Dann soll ein „Pilot“ pro Rad kostenlos die Senioren zu Orten fahren, die sie sonst aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität nicht mehr besuchen könnten.

Alleinstellungsmerkmal für Bühl

Bürgermeister Wolfgang Jokerst findet den „neuen Farbklecks“ in der Stadt super – vor allem, weil dabei die „gesellschaftliche Teilhabe“ im Vordergrund steht. Soziale Isolation und Einsamkeit gebe es während der Pandemie zu genüge, „da wird das Projekt sicher für etwas Wärme sorgen“. Das sehen auch Gemeinderatsmitglied Lutz Jäckel (FDP) und Bürgerin Michaela Lang so, die sich gemeinsam für das Projekt stark gemacht haben. Letztere sei durch einen Bericht über Rikschas auf die Initiative „Radeln ohne Alter“ gekommen, die bereits vor rund acht Jahren in Kopenhagen entstanden sei. In der Bühler Region gebe es bislang noch kein Projekt dieser Art, „man kann also von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen“, verkündet Bürgermeister Jokerst stolz.

Künftig sollen also auch jene Bürger die Bühler Straßen unsicher machen können, die normalerweise nicht so mobil sind – und das sogar in netter Gesellschaft. Auf dem Rad ist nämlich genug Platz für Zwei, und dann gibt es ja auch noch einen netten „Piloten“, der kräftig in die Pedale tritt. Der sitzt allerdings nicht (wie auf dem Bild) vorne – bei den geplanten E-Rikschas handelt es sich um Modelle aus Dänemark, bei denen der Fahrer hinten Platz nehmen wird. „Pilot“ kann übrigens jeder werden: Von der Stadt gibt es dafür eine Schulung, denn „so ein Teil ist nicht mit einem normalen Fahrrad zu vergleichen“, wie Jäckel weiß.

Freiwillige „Piloten“ gesucht

Damit das Rad ins Rollen kommt, muss natürlich eine gute Organisation her. Verantwortlich dafür ist das Seniorenbüro, das die verfügbaren Rikscha-Fahrten koordinieren soll. Kooperationspartner sind aktuell das Veronikaheim, Erich-Burger-Heim und das Schwarzwald-Wohnstift. „Privatpersonen können natürlich auch gerne mitfahren“, erklärt Jäckel. Aktuell werde an Routen gearbeitet, aber auch Wünsche der Bürger sollen miteinbezogen werden.

Was nach viel Spaß klingt, hat auch seinen Preis. Denn auch wenn die Fahrten kostenlos sein werden, muss erstmal in die zwei Gefährte investiert werden. Zusammen mit einer geplanten Fahrradgarage macht das laut Thiele 25.000 Euro – diese können allerdings durch Förderungen finanziert werden. Die ersten 5.000 Euro gibts vom Land, während der Rest durch den Nachhaltigkeitsfond ermöglicht werden kann.

Wer Interesse daran hat, sich als „Pilot“ an dem Projekt zu beteiligen, kann sich per E-Mail an seniorenbuero@buehl.de wenden. Oder er besucht einfach am Donnerstag, 8. Juli, um 19.30 Uhr die Infoveranstaltung im Bürgerhaus Neuer Markt. Dort wird es laut Jokerst nähere Details geben, denn: „Unser Wunsch ist es, dass die Menschen mit einem Lächeln in die Rikscha steigen und sich gleich erkundigen, wann sie das nächste Mal mitfahren können.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
2. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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