Bühl kämpft für eine bessere Stromtrassenführung

Von Sarah Gallenberger

Bühl (sga) – Die von Transnet BW vorgeschlagene Variante für die Trassenführung in Weitenung führt bei der Stadt zu Unmut. Bevorzugt wird stattdessen eine Idee von einer Bürgerinitiative.

Bühl kämpft für eine bessere Stromtrassenführung

Hart in der Kritik: In der Stellungnahme der Stadt fällt einzig die Bewertung der Trassenplanung für Vimbuch positiv aus. Foto: Judith Feuerer

Seit Jahren führt die geplante Aufrüstung der Stromtrassen mit 380 Kilovolt zu Diskussionen zwischen der Stadt Bühl und Transnet Baden-Württemberg (BW). Zwar fällt die Bewertung der Netzverstärkung für Vimbuch positiv aus. Doch was die Planungen der Trassenführung in den Bereichen Weitenung und Waldhägenich betrifft, zeigten sich die Mitglieder des Gemeinderats am vergangenen Mittwoch nicht glücklich über die von Transnet BW vorgelegten Varianten.

Bereits seit fünf Jahren sucht der Übertragungsnetzbetreiber nach einer geeigneten Trassenführung für Bühl. Bisher konnte man sich noch nicht einigen. Erst in der vergangenen Woche führte die Planung der Transnet BW wieder zu großem Unmut im Ortschaftsrat Weitenung (wir berichteten). Und dieser Unmut floss auch in die Stellungnahme ein, die die Stadt zu der Planung abgeben muss. Nicht ganz einverstanden ist Bühl demnach auch mit den Plänen der Transnet im Bereich des Naturschutzgebiets Waldhägenich. Der Gemeinderat segnete das kritische Schreiben der Stadt einstimmig ab.

Bereich Vimbuch/Balzhofen

Vimbuch hat laut Stadtrat Thomas Wäldele (GAL) „die besten Karten gezogen“. Auch die Stadt gibt in ihrer Stellungnahme die Zustimmung zu der von Transnet vorgeschlagenen Variante. Somit werden die neuen Stromtrassen künftig, anders als bisher, außerhalb des Ortses verlaufen.

Bereich Oberweier/Waldhägenich

Aus Sicht des Naturschutzes handelt es sich hierbei um das „Sorgenkind“. Deshalb, so Barbara Thévenot, kommt die Idee von Transnet BW für die Stadt nur dann infrage, wenn einige Voraussetzungen erfüllt werden. Wie die Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung sagte, betreffe das beispielsweise die alten Birnbäume, den kleinen Wald sowie den Feldweg südlich des Große Hägenichsees: „Nichts davon darf durch die Stromtrassen beschädigt werden“, so Thévenot. Zudem, so heißt es auch im Schreiben der Verwaltung, lägen zwei der geplanten Masten in der Kernzone des Naturschutzgebietes. Die dort zusammenhängenden Wiesenflächen bilden Biotope, die ebenfalls nicht durch die Masten beschädigt werden dürften. „Im Großen und Ganzen stimmen wir der Variante von Transnet BW zu, sofern die Nutzung empfindlicher Naturräume auf das Mindestmaß beschränkt wird und die Naturschutzbehörde Gehör findet“, erklärte Thévenot.

Bereich Weitenung

Für die größte Diskussion sorgt die von Transnet BW geplante Trassenführung in Weitenung. Seit Oktober 2015 wehren sich die Bürger gegen die Planungen des Betreibers, der die Stromtrassen in unmittelbarer Nähe zu dem Bühler Ortsteil platzieren will. Und obwohl die durch Transnet BW vorgeschlagene Planung laut eigener Aussage am kostengünstigsten ist, zeigt die Stadtverwaltung großes Verständnis für die Kritiker.

Eine Lösung könnte eine Idee der Bürgerinitiative sein, die sich gegen die Planungen des Betreibers wehrt. Unter Berücksichtigung des Landschaftsbilds wurde eine eigene Trassenführung (Variante 1) entwickelt. Diese verläuft größtenteils parallel zur A5 und „schneidet nicht so sehr in das Landschaftsbild ein“, ist sich unter anderem Karl Ehinger (Freie Wähler) sicher. Der Stadtrat pflichtete der Bürgerinitiative bei und bemängelte, wie alle anderen Gremiumsmitglieder auch, den Streckenverlauf der Antragsvariante von Transnet BW. Auch für Daniel Fritz (CDU) kommt nur die Variante 1 infrage. Für ihn seien die Planungen des Betreibers „schlechter als die Idee einer Bürgerinitiative, die sich erst mal in die Thematik einfinden musste“. Dass die durch Transnet BW vorgeschlagene Trasse um einiges günstiger sein könnte, spiele für ihn keine Rolle, sagte Fritz.

Ebenfalls denkbar ist eine in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung entstandene Trassenführung (Variante gerade), die komplett parallel zur Autobahn verläuft. Laut der Stadt werden ab Anfang Oktober als Vorbereitung für die Bauarbeiten Probebohrungen gemacht. Aktuell ist der Bau der Netzverstärkung für den Zeitraum zwischen 2022 und 2028 geplant.