Bühl prüft offiziellen Zusatznamen

Bühl (fvo) – Imagesteigernd oder unzeitgemäß? Die Stadt Bühl prüft den offiziellen Zusatznamen „Zwetschgenstadt“. OB Schnurr rechnet mit einem „hohen finanziellen Aufwand“.“

So könnte es mal aussehen: Das Ortsschild der Zwetschgenstadt Bühl, hier in einer Fotomontage. Foto: Bernhard Margull/Infografik

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So könnte es mal aussehen: Das Ortsschild der Zwetschgenstadt Bühl, hier in einer Fotomontage. Foto: Bernhard Margull/Infografik

Inoffiziell hat sie den Titel ohnehin schon längst für sich gepachtet, dank einer Neuregelung des Landes könnte die Stadt Bühl aber nun in Bälde auch offiziell den Beinamen „Zwetschgenstadt“ tragen. Das war zumindest der Vorschlag der CDU-Fraktion in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres 2021 vor Weihnachten. Eine Option, mit der sich die Stadtverwaltung zeitnah befassen will.

„Wir werden das ergebnisoffen angehen und auch in Bälde innerhalb des Gemeinderats diskutieren“, kündigt Oberbürgermeister Hubert Schnurr an. Wobei zu ergebnisoffen auch die Frage zählt, ob der Zusatztitel auf die Zwetschge fixiert sein muss. Laut Reglement bräuchte es für eine Änderung die qualifizierte Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen aller Gemeinderatsmitglieder, dies soll den entsprechenden Rückhalt in der Bevölkerung signalisieren.

Bis dato sind es 23 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg, die dank der flexibilisierten Regelung seit 1. Januar eine Zusatzbezeichnung in Anspruch nehmen. Die Liste reicht von der Grimmelshausenstadt Renchen bis zu den Donauquellstädten Furtwangen und Donaueschingen. Als Bezugskriterien gelten die geschichtliche Vergangenheit sowie die Eigenart oder heutige Bedeutung sprich der Status der Gemeinde, auch im Selbstverständnis. Bislang waren lediglich die Zusatzbezeichnungen „Bad“ und „Universitätsstadt“ verliehen worden.

„Kulturhistorische Reise durch das Land“

Die aktuelle Initiative selbst geht auf Innenminister Thomas Strobl zurück. „Mit der Genehmigung stärken wir unsere Kommunen im besten Sinne, wir stärken ihre Identität und das Zusammengehörigkeitsgefühl vor Ort“, lässt sich Strobl, zugleich Kommunalminister des Landes, vernehmen. Das Ganze sei gewissermaßen auch eine „kulturhistorische Reise durch das Land“. Das Argument der Bühler CDU-Fraktion geht indes eher in die merkantile Richtung, sie verspricht sich mit dem Zusatztitel einfach bessere Vermarktungsmöglichkeiten für die Stadt.

Allerdings wäre der wie auch immer zu beziffernde Image-Gewinn eben auch mit einigen Kosten verbunden. Die Palette des Erneuerungsbedarfs reicht ganz banal vom Ortsschild bis zur Homepage oder dem Briefkopf der Stadt. „Wir haben das noch nicht konkret durchkalkuliert, aber da dürfte einiges zusammenkommen“, schwant Schnurr ein „hoher finanzieller Aufwand“. Was man sich gerade jetzt, wo sich der Haushalt ganz mühsam erholt, doppelt wird überlegen müssen. Hinzukommt die Frage, ob das spezifische Zwetschenimage denn „noch zeitgemäß ist“ – umso mehr in einer Phase, wo der Anbau, gerade im Privatbereich, stark zurückgeht, was auch die Schließung der Obstannahmestelle unterstreicht.

„Keine Entscheidung auf die Schnelle“

„Auch das Image der Stadt ist ständig im Wandel“, so Schnurr. Wenn man dann in 50 Jahren mit einem eher unpassenden Beinamen werbe, sei das auch nicht sehr förderlich, so Schnurr und erinnert an die Schnelllebigkeit gerade im landwirtschaftlichen Gewerbe. So war mal vor nicht allzu langer Zeit nebst Obst und Reben auch noch Erdbeeranbau im großen Stil en vogue. Selbst das Zwetschgen-Image rekurriere ja eigentlich nur auf die Bühler Sorte. Und die Zeiten, als die Motivation für einen Flugplatzbau noch darin bestand, die edle blaue Frucht deutschlandweit zu vermarkten, seien jedenfalls Schnee von vorgestern.

Zwar habe Bühl als Stadt auch weitere Pluspunkte in die Waagschale zu werfen, etwa als Industriestadt, Mittelzentrum oder Schulstadt, die allerdings allesamt keine Alleinstellungsmerkmale darstellen, wie der OB zurecht bemerkt. Das Identifikationsmerkmal als Zwetschgenstadt selbst dürfte rund 100 Jahre alt sein, sprich auf Ende der 1920-er Jahre datieren, als auch das Zwetschgenfest aus der Taufe gehoben wurde. „Wir bleiben an dem Thema dran“, versprach Schnurr, ohne aber allzu hohe Erwartungen wecken zu wollen. Es werde jedenfalls „keine Entscheidung auf die Schnelle“ geben. Ideal sei in diesem Falle eine Bürgerbefragung, die aber während Pandemiezeiten nur schwer durchzuführen sei, so der OB.

Von Schreinerdorf bis Römerstadt

Folgende Städte und Gemeinden dürfen formal seit dem 1. Januar 2022 solgende Zusatzbezeichnungen führen: Albstadt (im Zollernalbkreis): Hochschulstadt, Biberach an der Riß (Landkreis Biberach): Hochschulstadt, Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis): Zähringerstadt (für den Ortsteil Bräunlingen), Calw (Landkreis Calw): Hermann-Hesse-Stadt, Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis): Donauquellstadt, Eschelbronn (Rhein-Neckar-Kreis): Schreinerdorf, Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis): Donauquellstadt, Geislingen an der Steige (Landkreis Göppingen): Hochschulstadt, Heidenheim an der Brenz (Landkreis Heidenheim): Hochschulstadt, Lauffen am Neckar (Landkreis Heilbronn): Hölderlinstadt, Marbach am Neckar (Landkreis Ludwigsburg): Schillerstadt, Markgröningen (Landkreis Ludwigsburg): Schäferlaufstadt, Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis): Hochschulstadt, Osterburken (Neckar-Odenwald-Kreis): Römerstadt, Renchen: Grimmelshausenstadt, Riedlingen (Landkreis Biberach): Hochschulstadt, Rutesheim (Landkreis Böblingen): Waldenserort (für Ortsteil Perouse). St. Peter (Breisgau-Hochschwarzwald): Zähringergemeinde, Sigmaringen: Hochschulstadt, Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis): Wallfahrtsstadt, Weil der Stadt (Landkreis Böblingen): Keplerstadt, Weingarten (Landkreis Ravensburg): Hochschulstadt, Weinsberg (Landkreis Heilbronn): Weibertreustadt (für den Ortsteil Weinsberg).

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
8. Januar 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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JG 08.01.202214:09 Uhr

Der Trend ist: Marketing überall. Nun auch noch auf Orts-Schildern. Dabei gibt es im eigentlichen Bühl kaum noch Zwetschgenbäume. Lächerlich.


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