Bühl will die Flagge für fairen Handel hissen

Bühl (BNN) – Als Fairtrade-Stadt setzt Bühl weiter mit Aktionen auf Hilfe für Kleinbauern im globalen Süden. Auch regionale Produkte werden unterstützt.

Fairer Handel: Die Mitglieder der Steuerungsgruppe präsentieren die Fahne, die demnächst am südlichen Stadteingang gehisst werden soll. Foto: Ulrich Coenen

Fairer Handel: Die Mitglieder der Steuerungsgruppe präsentieren die Fahne, die demnächst am südlichen Stadteingang gehisst werden soll. Foto: Ulrich Coenen

Die kleine Tafel an den Stadteingängen in der Hauptstraße ist neu. Demnächst wird am Jägerkreisel die Kampagne-Fahne gehisst. Beides weist Besucher ganz offiziell darauf hin, dass Bühl bereits seit 2019 Fairtrade-Stadt ist. „Fairtrade“ ist das Siegel eines internationalen Netzwerks und steht für Produkte, die fair gehandelt werden. Mit „gerechtem Handel“ lässt sich dieser Anglizismus übersetzen.

„Das Logo steht bei uns nicht nur auf dem Papier“, meint Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Grüne), als er Schilder und Fahne am Mittwochmorgen bei einem Pressegespräch vorstellt. „Selbstverständlich haben wir auch ein Programm, um die Menschen für den fairen Handel mit dem globalen Süden und regionale Produkten zu sensibilisieren.“

Mehrere Stellen ziehen gemeinsam an einem Strang

Die Fairtrade-Stadt Bühl geht auf eine Initiative des Weltladens zurück. Inzwischen gibt es im Rathaus eine Steuerungsgruppe, die beim Referat Klima und Umwelt angesiedelt ist. Auch die Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (Bina) mit ihren Einzelhändlern und Gastronomen ist involviert. Bina-Vorstand Sebastian Böckeler berichtet von inzwischen 18 Einzelhändlern und Gastronomen, die sich beteiligen. Für Kunden ist das am Logo am Eingang erkennbar. „Das Bewusstsein der Menschen wächst und es gibt eine Nachfrage nach fair gehandelten Produkten“, sagt Böckeler. Er verweist auf den Bauernmarkt am 17. September., der die „Faire Woche“ bis zum 30. September eröffnet. Die Einzelhändler planen eine Schaufensteraktion. Unter anderem soll faire Mode gezeigt werden. In der Gastronomie gibt es fairen Kaffee. Daneben sind weitere Aktionen und Veranstaltungen geplant, so ein Vortrag über „Fairtrade-Kleidung“ und eine Mitmach-Aktion mit Verlosung von Fairtrade-Gutscheinen unter dem Motto „#Fair Challenge“. Auf dem Programm steht außerdem ein Arbeitskreis, der „Zero Waste-Workshop“ (also Null Müll).

Konditor Böckeler setzt inzwischen einen Schwerpunkt auf fairen Kaffee und fairen Kakao. Das wird aber wegen der Probleme auf dem Weltmarkt, der durch Corona und Putins Überfall auf die Ukraine durcheinandergewirbelt wird, schwieriger.

Das Problem kennt auch Monika Krippl vom Weltladen. „Die Kosten für Zoll und Transport sind um 50 Prozent gestiegen“, klagt sie. Ihre Kollegin Claudia Jäckel berichtet überdies von Ernteausfällen im globalen Süden. Dennoch hat sich der Weltladen am neuen Standort in der Eisenbahnstraße gut entwickelt. „Früher kannten uns nur Insider“, sagt Krippl. „Wir werden jetzt viel stärker wahrgenommen.“ Der Umsatz sei gestiegen. Jäckel ergänzt, dass dies auch notwendig sei. Schließlich müsse der Weltladen die Miete für den neuen Laden aufbringen.

Neues Jahresprogramm für guten Zweck

Das neue Jahresprogramm der Fairtrade-Stadt beginnt am 7. Mai. Am Samstag vor dem Muttertag werden die Mitglieder der Steuerungsgruppe, deren Vorsitzender Jokerst ist, auf dem Wochenmarkt auf dem Markt- und Kirchplatz von 9 bis 13 Uhr Stadtkaffee und fair gehandelte Schokolade verkaufen. „Damit sollen gerade während der aktuellen Krisen die Produzenten im globalen Süden unterstützt werden“, erklärt Jokerst.

Christina Alf, Bildungsreferentin bei der Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, unternimmt am Samstag, 14. Mai, einen zweistündigen Stadtrundgang über sechs Stationen. Er startet um 14.30 Uhr im Stadtgarten (bei Regen im katholischen Gemeindehaus). Die Teilnahme ist kostenlos. Die Referentin wird sich mit dem Thema Kaffee beschäftigen, vom Anbau in verschiedenen Regionen bis zu den Folgen für das Klima. Stationen sind Peters Gute Backstube, der CAP-Markt, Café Böckeler und der Weltladen. Der Abschluss ist im Friedrichsbau. Beim Rundgang werden den Teilnehmern Quizfragen gestellt. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Anmeldung im Weltladen unter (07223) 9798021.

Der städtische Klimaschutzmanager Martin Andreas betont, dass nachhaltige Produkte in der Bevölkerung stärker wahrgenommen werden. „Das Konsumbewusstsein wächst immer mehr“, meint er. „Die Menschen fragen nach, was woher kommt. Wir wollen alle Alters- und Zielgruppen einbinden.“

Andreas konstatiert aber, dass es im Hinblick auf den Klimaschutz nicht ausschließlich um Produkte aus dem globalen Süden geht. „Regionalität und regional produzierte Produkte spielen eine wichtige Rolle“, erklärt er.

Bühl ist nach Auskunft von Marius Merkel von der Pressestelle der Stadt eine von inzwischen 700 Fairtrade-Gemeinden in der Bundesrepublik. Neben Einzelhändlern und Gastronomen arbeiten Vereine, Kirchengemeinden und Schulen mit.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
7. April 2022, 13:30 Uhr
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