Bühler Elternbeirätin fordert Corona-Pooltests

Bühl (fvo) – Ab dem 10. Januar gilt eine Testpflicht für Kita-Kinder. Anlass für Altenpflegerin Arzu Bader, sich für PCR-Pooltests einzusetzen. Was halten die Träger davon?

Bühler Elternbeirätin fordert Corona-Pooltests

Testen ja, aber wie? Diese Frage taucht auch in den Bühler Bildungseinrichtungen immer wieder mal auf. Symbolfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Neue Verordnungen, alter Unmut: Das ist die Ausgangsbasis von Arzu Bader, Elternbeirätin am Kindergarten St. Matthäus in Eisental. Sie nimmt die neue Testpflicht für Kita-Kinder ab einem Jahr (ab 10. Januar) zum Anlass, einmal mehr für PCR-Pooltests an Bildungseinrichtungen zu werben. Der Elternbeirat der Kita hatte sich schon im Spätjahr um Pooltestungen auf PCR-Basis bemüht, auch eine Unterschriftenaktion wurde gestartet, laut Bader mit 30-prozentiger Beteiligung – das Echo vom kirchlichen Träger fiel allerdings negativ aus.

„Die Pooltests sind nunmal wesentlich sicherer. Die Zuverlässigkeit beim Antigentest ist einfach zu gering“, so die Position der 35-jährigen Altenpflegerin – und das selbst bei der aktuellen Frequenz dreimal wöchentlich. Derzeit wird an Bühler Bildungseinrichtungen einheitlich der Antigen-Schnelltest praktiziert, der in der Regel zu Hause in Eigenregie durchgeführt wird (im Kita-Bereich per Lollitest, ansonsten per nasalen Abstrich), gefolgt von einer schriftlichen Erklärung der Eltern, die, soweit symptomfrei, die Lizenz für den Schul- beziehungsweise Kita-Besuch bedeutet.

Stadt: Verfahren hat sich bewährt

„Das Verfahren hat sich für Bühl eingespielt und bewährt“, betont Klaus Dürk, Leiter des städtischen Fachbereichs Bildung/Kultur/Generationen und sieht keinen Grund, vom Kurs abzuweichen. „Wir haben die letzten vier Monate trotz schwieriger Umstände das Infektionsgeschehen sehr gut überstanden“, so seine Argumentation. Trotz diverser Personalengpässe und einzelner Quarantänemaßnahmen habe man nahezu durchweg alle Institute ohne Schließung am Laufen gehalten. Nicht zuletzt auch ein Verdienst konsequenter Hygienemaßnahmen.

Das Vorgehen sei zudem mit den Leitern aller 30 Bildungseinrichtungen inklusive den jeweiligen Trägern „detailliert abgestimmt“. Seine Wahrnehmung sei eine „sehr hohe Akzeptanz bei Eltern“ und auch Mitarbeitern. Im Übrigen sei die Stadt selbst im Kita-Bereich bereits im Mai 2021 aktiv geworden und mit freiwilliger Testung in Eigenregie eingestiegen und das inklusive Krippenkinder. „De facto wird sich für uns also wenig ändern“, so Dürk.

Dekanat: Strategie bis Ende Februar festgezurrt

Auch Harald Gütle, stellvertretender Leiter der Kindergartengeschäftsführung bei der Verrechnungsstelle für das Dekanat Baden-Baden, sieht keinen Grund für eine Modusänderung. „Das ist derzeit kein Thema. Der Umstellungsaufwand wäre zu groß“, so Gütle und verweist auf eine Vorlaufzeit von vier bis sechs Wochen. Hinzu kämen, zumindest zu Jahresende, fehlende Laborkapazitäten. Bei der Unwägbarkeit des Geschehens und Kurzlebigkeit der Landesvorgaben („Die Entscheidungen kommen meist recht kurzfristig“) mache der Wechsel eines „etablierten Systems“ wenig Sinn. Selbst für die Neuerungen kommende Woche gebe es noch offene Fragen. Die Teststrategie sei vorerst bis Ende Februar festgezurrt.

Für Arzu Bader, beruflich in einer geriatrischen Einrichtung in Bühl tätig, dennoch eine mehr als unbefriedigende Situation. Als Mutter einer vierjährigen Tochter in der Kita und einer weiteren Tochter (7) in der Grundschule könne sie natürlich nur für sich und Teile der Elternschaft sprechen, doch fehle mit Blick auf fehlende Kontrollmöglichkeit und eine zu vermutende Dunkelziffer („Das ist ja letztlich nur ein Stück Papier“) das „Gefühl von Sicherheit“, sprich eine höhere Gewissheit. „Der Pooltest ist eine viel bessere Option – warum nicht für alle?“, fragt sie mit Verweis auf gängige Praxis etwa in Baden-Baden. Dort wird in allen Kitas nach dem PCR-Lolli-Pool-Verfahren getestet, Grundschüler immerhin dreimal die Woche vor Ort getestet.

Sorge um Betreuungskräfte

Ihre Tochter hatte sie (natürlich keine Dauerlösung) auch längere Zeit nicht in den Kindergarten gebracht. Zumal es ja oft den Fall gebe, dass bei einem negativem Antigentest im Nachklapp doch ein positiver Befund herauskommt. Wobei Bader nicht zuletzt auch die Betreuungskräfte, Erzieherinnen oder Lehrer im Blick hat, die mit der täglichen Ungewissheit leben müssten. Diese würden aus ihrer Sicht im Stich gelassen. Und das, wo man doch wie etwa die tolle Kita-Mannschaft in Eisental „mit sehr viel Herzblut zu Werke“ gehe, das „tue einem in der Seele weh“.

Die Sorge um diese Personengruppe reklamiert indes auch die Stadt für sich, der hohe Organisationsaufwand beim PCR-Test wäre eine weitere Zusatzbelastung für das ohnehin schon am Limit agierende Personal, so Dürk, und verweist ebenso auf die umfangreiche Logistik, die sich „nicht von heute auf morgen umstellen lasse“. So seien allein 12.000 Tests pro Woche für Schulen und Kitas zu organisieren, dazu kommen rund 1.500 bis 2.000 Tests für das Personal nebst Verteilung, Abwicklung und Elternbriefen. Eine kleine Herkulesarbeit, für die sich Mitarbeiterin Lea Braun ein Sonderlob verdient habe. Auch Gütle ist froh um die Entlastung der Träger durch die Stadt: „Die nehmen uns viel Arbeit ab.“ Der Entscheid pro Antigentest sei, so beide unisono, jedenfalls nicht finanzieller Natur, im Gegenteil, die Stadt sei laut Dürk bis dato (bei insgesamt 315.000 Tests 2021) bereits mit 220.000 Euro in Vorleistung getreten, wobei man ein Drittel der Mittel vom Land zurückbekommt.

Natürlich beinhalte das Testen in Eigenregie einen Vertrauensvorschuss, andererseits sieht Dürk den Kampf gegen die Pandemie als „Gemeinschaftsaufgabe“ an, da müssten die Eltern mit in die Verantwortung. Alles in allem seien von der Landesregierung ausdrücklich beide Testoptionen als gleichwertig vorgesehen. „Beides sind gute Möglichkeiten und beide haben Vor- und Nachteile“, so Dürk mit Blick etwa auf die Auswertungsdauer. Die Stadt nehme ihre Fürsorgepflicht jedenfalls sehr ernst. Davon sei auch in den Umlandgemeinden (ob Sinzheim, Bühlertal, Ottersweier oder Achern) auszugehen, die ebenso nach dem Modus wie in Bühl verfahren.