Bühler Gemeinderat beschließt PFC-Pilotprojekt

Bühl (sre) – Auf von PFC verseuchten Äckern in Bühl soll ein Gewerbegebiet entstehen. Das Pilotprojekt war am Mittwoch Thema im Gemeinderat.

Durch die PFC-verseuchte Fläche verläuft auch ein beliebter Fuß- und Radweg (rechts im Bild). Foto: Sarah Reith

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Durch die PFC-verseuchte Fläche verläuft auch ein beliebter Fuß- und Radweg (rechts im Bild). Foto: Sarah Reith

Einstimmig hat der Bühler Gemeinderat in dieser Woche den Weg frei gemacht für ein Pilotprojekt, mit dem man das Problem von mit perfluorierten Chemikalien (PFC) verseuchten Ackerböden angehen will. Ein besonders stark betroffenes Areal nördlich des bestehenden Gewerbegebiets Bußmatten soll komplett versiegelt werden. Das PFC sei eine „tickende Zeitbombe“, machte Oberbürgermeister Hubert Schnurr in der Sitzung die Brisanz des Themas klar. Die Verunreinigung erreiche über kurz oder lang das Grundwasser und bedrohe damit die Trinkwasserversorgung. Er sei stolz, dass es der Stadt gelungen sei, für eine der am stärksten betroffenen Bereiche in Bühl und im Landkreis nun eine Lösung zu finden. Diese sei zudem wirtschaftlich und verhältnismäßig, betonte der OB.

Wie berichtet, soll die Versiegelung der Fläche verhindern, dass durch das Versickern von Niederschlagswasser auch die Schadstoffe ins Grundwasser transportiert werden. Um die Sanierung zu finanzieren, soll auf dem Areal danach ein Gewerbegebiet geschaffen werden. Bevor der „Deckel“ auf die Fläche kommt, könnte dort zudem weitere verseuchte Erde mit verbaut werden, beispielsweise vom Gelände der Verbandskläranlage Vimbuch, wo man im Zuge der Bauarbeiten für die geplante vierte Reinigungsstufe ebenfalls PFC gefunden hat.

Dass im Bereich der Kläranlage PFC entdeckt wurde, habe ihn „besonders erschreckt“, sagte Karl Ehinger (FW) in der Sitzung. Dort wurde nämlich nicht, wie auf den verseuchten Äckern, direkt PFC-haltiger Dünger beziehungsweise Kompost ausgebracht: Die Erde unter dem Wäldchen ist offenbar belastet, weil bereits ins Grundwasser vorgedrungenes PFC bei Überschwemmungen nach oben gedrungen ist.

Radweg soll verlegt werden

Ehinger ebenso wie Georg Feuerer (CDU) begrüßten die von der Verwaltung vorgeschlagene Lösung, wobei Feuerer darum bat, den durch das Gebiet verlaufenden Radweg zu verlegen, damit die Radfahrer künftig nicht mit dem Schwerlastverkehr des Gewerbegebiets konfrontiert würden. OB Schnurr sicherte zu, dies im Bebauungsplan zu berücksichtigen. Noch gebe es kein endgültiges Konzept für die Erschließung, machte der zuständige städtische Abteilungsleiter Markus Benkeser klar: Daran werde nach dem getroffenen Grundsatzbeschluss gearbeitet.

Von „einem der größten Umweltskandale in Deutschland“ sprach Walter Seifermann (GAL) in Bezug auf das PFC. Zudem sei dieser von Menschen gemacht, erinnerte Peter Hirn (SPD).

„Gewisses Risiko ist da“

Zwar sei der „Deckel drauf“ die einzig bezahlbare Lösung, eine echte Sanierung sei das jedoch nicht, sagte Seifermann. Man könne nicht sicher sein, dass das belastete Material nicht doch noch eines Tages ausgegraben werden müsste. Diese Zweifel wollte auch der OB nicht komplett nehmen: „Ein gewisses Risiko ist da.“ Dennoch sei dies im Moment die einzige Lösung. Dem schloss sich auch Lutz Jäckel (FDP) an. Vielleicht werde es in zehn oder 20 Jahren eine Technik geben, PFC herauszufiltern, „aber darauf können wir nicht warten“. Wichtigstes Argument sei die Sicherung der Trinkwasserversorgung, die man gewährleisten müsse.

Daniel Fritz (CDU) betonte, als Ortsvorsteher von Weitenung ein „ungutes Gefühl“ bei der Maßnahme zu haben. Aber auch er meinte „wenn wir nichts tun, wäre es wahrscheinlich das schlechteste“. „Allergrößte Bauchschmerzen“ hatte auch Timo Gretz (SPD).

Infoveranstaltungen im Herbst geplant

Eisentals Ortsvorsteher Jürgen Lauten (CDU) berichtete ebenfalls, der dortige Ortschaftsrat habe nur „mit großen Bauchschmerzen“ zugestimmt. Er bat um Bürgerinformationsveranstaltungen, um die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und mitzunehmen. Das werde man nach der Sommerpause angehen, versprach Schnurr.

Georg Schultheiß (FW) erinnerte in diesem Zusammenhang an die Bürger von Balzhofen und Vimbuch: Wenn die belastete Erde von der Kläranlage durch diese Orte transportiert würde, müsse man die Menschen über die anstehende Verkehrsbelastung informieren.

Daniel Fritz wollte zudem wissen, wie das Problem im benachbarten Baden-Baden angegangen werde: Auch die belasteten Flächen in Steinbach seien doch eine Gefahr für Grundwasser und die Trinkwasserversorgung. Dort gebe es noch keine konkreten Vorstellungen, wie das Problem bewältigt werden könne, hieß es vonseiten der Verwaltung.

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Erstellt:
10. Juli 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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