Bühler „Kultur im Klappstuhl“ ein Erfolg

Bühl (fvo) – Aus der Notgeburt wird ein Wonneproppen: So kann man den Werdegang von „Kultur im Klappstuhl“ in Bühl bezeichnen. Die Reihe wurde eine Erfolgsstory und soll auch 2022 stattfinden.

Stabile Grundlage: Kultur, Kulinarik und coole Location lautet das Erfolgsgeheimnis der „Klappstuhl“-Reihe, hier der Auftakt auf Burg Windeck mit Jörg Kräuter. Foto: Franz Vollmer

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Stabile Grundlage: Kultur, Kulinarik und coole Location lautet das Erfolgsgeheimnis der „Klappstuhl“-Reihe, hier der Auftakt auf Burg Windeck mit Jörg Kräuter. Foto: Franz Vollmer

Elf von 14 kamen durch. Lediglich drei Ausfälle lautet die vorläufige Erfolgsquote der Reihe „Kultur im Klappstuhl“. Was mit Blick auf den verregneten Sommer und all die Wetterkapriolen schon eine stolze Bilanz darstellt, die nur noch getoppt wird vom positiven Echo und vielversprechenden Feedback. Beides schreit jedenfalls nach Fortsetzung.
„Wir haben eigentlich durch die Bank positive Rückmeldungen bekommen“, berichtet Julia Huber, Leiterin des Bereichs Bildung-Kultur-Generationen. Selbst nach dem jüngsten Solo-Auftritt von Sandie Wollasch am Freitag kamen noch Zuschauer auf sie zu mit der ausdrücklichen Bitte, dass das neukreierte Format hoffentlich beibehalten wird. Fazit: Wird es. Es sei zwar noch nicht klar, wie man mit dem Kultursommer (in der Regel drei Wochen im August auf dem Europaplatz) verfährt, sofern er denn stattfinden kann, „aber wir werden das Klappstuhl-Format auf jeden Fall fortsetzen“, so Huber und sprach von einem „Riesenerfolg“. Vielleicht kommen auch noch neue Locations hinzu.

Was bedeutet: Aus der einstigen Notgeburt ist definitiv ein echter Wonneproppen geworden, zumindest eine „schöne Sommerreihe“, die vom Wetterglück begünstigt war – bis auf Peter & Klaus am Wochenende, wo 90 Prozent Regenwahrscheinlichkeit keine Wahl ließen. „Der Wettergott war aber meist auf unserer Seite“, freut sich Huber. Das Publikum ohnehin. Bei teilweise über 100 Gästen pro Veranstaltung im Schnitt geht sie am Ende von einem Zuspruch zwischen 1.200 und 1.500 Zuschauern insgesamt aus.

Originelle Bandbreite

Eine Zahl, mit der nicht unbedingt zu rechnen war, als sich Kulturbüro und Bürgerhaus im Frühjahr zusammensetzten und die Köpfe rauchen ließen, was denn als Notprogramm machbar sein könnte – jenseits von Bluegrass und Co. Das Resultat: Kleine Formate, die gewissermaßen die Kultur in die Ortsteile bringen und besondere Plätze bespielen. „Und Bühl hat viele schöne Plätze“, versichert Huber, wobei sie auch einräumt, dass der Wiedereinstieg ins kulturelle Leben auch von einem kulturell ausgehungerten Publikum profitierte, das offenbar heilfroh war, dass nach so langer Zwangspause wieder was stattfindet. Die Wahl, an ungewöhnliche bis exquisite Stätten zu gehen, hat sich jedenfalls bewährt. Vor allem das „Diner en blanc“ (Kloster Maria Hilf) wertet Huber als vollen Erfolg. „Das kam super an.“

Hinzu kam der Faktor der Improvisation, nicht zuletzt durch die „Selbst-Bestuhlung“. Was nicht nur für ein tolles Ambiente und entspannte, chillige Atmosphäre sorgte, sondern unfreiwilligerweise auch für einige Lacher, wenn denn mal ein reaktiviertes Exemplar unversehens zu Bruch ging. „Da sind wohl einige direkt aus dem tiefsten Keller geholt worden“, sagt Huber schmunzelnd. Die Bandbreite an Kreationen war – vom Liegestuhl bis zum bemalten Modell – jedenfalls so originell, dass man fast schon einen Wettbewerb daraus machen könnte.

Erfreulich auch aus städtischer Sicht, dass vor allem mit dem Poetry Slam auch jüngere Semester angelockt wurden. „Da waren schon viele junge Leute da. Das war richtig schön.“ Überhaupt sei für alle Altersgruppen und Geschmäcker etwas dabei gewesen. Wobei so mancher Kulturbeflissene gleich mehrere Veranstaltungen besuchte.

Noch zwei Termine im September

Natürlich wäre hie und da sogar ein größerer Rahmen möglich gewesen, „aber das ist halt immer mit viel Risiko verbunden“, so Huber. Zum ursprünglichen Plan kamen zwar noch zwei, drei Events dazu, allerdings sei auch irgendwann jene natürliche Grenze erreicht, bei der man sich selbst Konkurrenz macht.

Die genaue Abrechnung an Kosten für die Stadt steht zwar noch aus, doch durch das Budget des abgesagten Kultursommers sei das Ganze bestens kalkulierbar. Zumal auch dank der Regelung im Vorfeld, dass das ohnehin moderat gehaltene Eintrittsgeld (fünf Euro) dank Vorabregistrierung bei Ausfall durch höhere Wettergewalt einem wohltätigen Zweck gespendet wird. Hinzu kam der Service einer Wetter-Hotline, die dank IT-Abteilung auch für die Verantwortlichen praktisch zu handeln war – nämlich bequem von zu Hause aus.

Die Blumen über das gelungene Format gibt Huber jedenfalls gerne an die „kreativen Geister“ im Kulturbüro und im Bürgerhaus Neuer Markt weiter. Sie sprach von einer „guten Zusammenarbeit“ bei der Vorplanung. Nach fünf Wochen wohlverdienter Pause geht die Reihe mit der Kinderveranstaltung „Der singende und klingende Bauernhof“ am 10. September (15 Uhr) und dem erneuten Auftritt von Sandie Wollasch mit der Musikschul-Bigband „Brass & Fun“ (12. September/19 Uhr) zu Ende. Beides findet jeweils im Hof der Alois-Schreiber-Schule statt. Und wie immer der Wettergott dann gesinnt ist, die starke Klappstuhl-Bilanz wird er kaum noch verhageln können.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
10. August 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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