Bühler Metzinger freut sich über fünfte Auflage

Bühl (jo) – Für das Aufwachsen von Kindern gibt es feste Anhaltswerte, was Jungen und Mädchen mit zunehmendem Alter beherrschen sollten. Adalbert Metzinger hat darüber ein Lehrbuch verfasst.

Adalbert Metzinger mit seinem erfolgreichen Fachbuch. Im Hintergrund seine alte Wirkungsstätte als Dozent an der Elly-Heuss-Knapp-Schule.  Foto: Joachim Eiermann

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Adalbert Metzinger mit seinem erfolgreichen Fachbuch. Im Hintergrund seine alte Wirkungsstätte als Dozent an der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Foto: Joachim Eiermann

Der Erziehungswissenschaftler aus Bühl ist ein Kritiker der geltenden Ausbildungs- und Prüfungsordnung für angehende Erzieherinnen und Erzieher: „Die Entwicklungspsychologie ist deutlich unterrepräsentiert.“

Mehr als drei Jahrzehnte Unterrichts- und Praxiserfahrung sind eingeflossen in sein Buch „Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe“, das im Westermann-Verlag erscheint. Von 1975 bis 2011 hatte Metzinger als Dozent an der Fachschule für Sozialpädagogik der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Bühl die Fächer Pädagogik, Psychologie und Soziologie unterrichtet. Aus dieser Erfahrung heraus und basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen will das Buch praxisorientierte Unterstützung für die Ausbildung geben.

„Kontraproduktiver Schavanismus“

Zwölf Jahre liegen zwischen der Erstausgabe und der im März erschienenen erweiterten Neuveröffentlichung. Seit 2009 hofft der Autor einer Reihe von Fachbüchern (1979 erschien sein erstes über verhaltensgestörte Kinder) auf die Renaissance eines umfassenden Unterrichts in Entwicklungspsychologie. Bislang vergebens. „Über das, was im Kultusministerium passiert, kann ich nur den Kopf schütteln“, sagt er enttäuscht. Im Jahr 2004, noch unter Kultusministerin Annette Schavan (CDU), seien die Lehrinhalte zur Entwicklungspsychologie gekürzt worden. Wichtige Teile des komplexen Fachbereichs wurden gestrichen oder in anderen Bereichen eingegliedert. „Das Thema ist zum reinsten Patchwork zerfleddert“, kritisiert er die dadurch erwirkten Defizite als Auswirkungen eines „kontraproduktiven Schavanismus‘“.

30.000 Exemplare verkauft

Die Bedeutung der entwicklungspsychologischen Komponente scheint bei den angehenden Sozialpädagoginnen und -pädagogen gleichwohl angekommen. Mit bislang 30.000 abgesetzten Exemplaren ist Metzingers Fachbuch eine Art „Klassiker“ geworden, ergänzt durch ein Arbeitsheft mit zusätzlichen Aufgaben und Materialien. Die Neuauflage erfolgt zudem in einer Version für das digitale Unterrichtssystem BiBox.

Ausgehend von allgemeinen Grundlagen thematisiert Metzinger die körperliche und motorische Kindesentwicklung in Wahrnehmung, Sprache, Denken, Sozialverhalten, Sexualität und Bedürfnissen. Leistungsmotivation, Neugierde und das Erleben von Emotionen müssen sich ebenfalls ausbilden. Auch beim Spielen, Malen und Zeichnen lasse sich der Stand eines Kindes ablesen. Ein wesentlicher Gesichtspunkt sei zudem die moralische Entwicklung, die Gewissensbildung, so der Autor. Die Neuauflage thematisiert zudem die emotionale Kompetenz und die Entwicklung des Temperaments. Wenngleich Adalbert Metzinger vor zehn Jahren den Schuldienst altershalber quittierte, ist für den Praxisbezug seiner wissenschaftlichen Ansätze dennoch gesorgt. Er ist Großvater geworden, füllt diese Rolle gerne aus und erlebt auf diese Weise die kindliche Entwicklung am Beispiel zweier Enkelinnen gerade neu.

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Erstellt:
22. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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