Bühler Mini-Schlachthof nur für Wildfleisch

Bühl (jo) – Die Bühler Jagdgenossenschaft nimmt eine eigene Wildkammer in Betrieb. Angestrebt ist eine intensivere Bejagung.

Mini-Schlachthof für Jäger: Fritz Wunsch, OB Hubert Schnurr und Martin Damm (von links) in der nagelneuen Wildkammer. Foto: Joachim Eiermann

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Mini-Schlachthof für Jäger: Fritz Wunsch, OB Hubert Schnurr und Martin Damm (von links) in der nagelneuen Wildkammer. Foto: Joachim Eiermann

Die erste Wildsau baumelte bereits am Haken. Das arme Schwein hatte die zweifelhafte Ehre, als Anschauungsobjekt zur Eröffnung der Bühler Wildkammer zu dienen. Dabei handelt es sich um einen Mini-Schlachthof speziell für die Bühler Jägerschaft – eingerichtet in einem Containergebäude, aufgestellt am alten Römerpfad in Vimbuch in Nachbarschaft zur Kläranlage.

Betreiber ist die Bühler Jagdgenossenschaft, den Anlass dazu gab die Afrikanische Schweinepest, die Gefahr einer Virusverschleppung vom Wald in die Mastbetriebe. Seither müssen die Waidmänner eigene Wege gehen, um ihr geschossenes Wild zu verarbeiten. In der Vergangenheit konnten die Jagdpächter auf die Infrastruktur des Bühler Schlachthofs zurückgreifen, doch seit längerem müssen sie draußen bleiben.

Fast zwei Jahre dauerte es von der ersten Vorstellung der Wildkammer im Klima- und Umweltausschuss des Gemeinderats bis zur Realisierung. „Rohstoffmangel, volle Auftragsbücher und ein Berg an Vorschriften haben unseren Zeitplan durcheinandergebracht“, erklärte Oberbürgermeister Hubert Schnurr der Schar geladener Waidmänner, die zur Eröffnung gekommen war, darunter auch eine Frau.

Platz für bis zu 30 Sauen

„Hier hat jeder die Möglichkeit, sein Wild zu zerlegen“, erklärte Fritz Wunsch, selbst Jagdpächter. Er wird die Station betreuen. Platz sei für 25 bis 30 Sauen und anderes Wild. Das Fleisch lasse sich an Ort und Stelle den Vorschriften entsprechend hygienisch einwandfrei aufbereiten sowie für den Verkauf portionieren und vakuumieren, erläuterte Wunsch.

Über die Fleischverarbeitung hinaus, betonte OB Schnurr einen weiteren Aspekt. Die Jagdgenossenschaft wolle die Wildschäden „so gering wie möglich halten“. Damit ist die Wildkammer auch Mittel zum Zweck für das Ziel einer intensiveren Bejagung. So erfordert insbesondere die Wildschwein-Verwertung Kühlmöglichkeiten mit ausreichenden Kapazitäten, insbesondere bei Drückjagden. Fehlten diese, werde „der ein oder andere Jäger vielleicht lieber nicht schießen, wenn er das Wild nicht ordentlich versorgen kann“, mutmaßte das Stadtoberhaupt.

Die Genossenschaft ermögliche indes eine „Win-win-win“-Situation für die Jäger, inklusive Umwelt und Verbraucher: Da Wildfleisch nicht eigens produziert werde, entfalle die Futtermittelproduktion mit entsprechendem Wasserverbrauch.

Auch bedürfe es keiner großen Produktionsstätten, deren Methan-Abgase die Ozonschicht schädigten. Zudem sei eine funktionierende Jagdbewirtschaftung mit geringem Wildverbiss im Wald ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Schnurr: „Nur schadensfreie, gesunde Bäume binden ein Höchstmaß an Kohlendioxid.“ Das Stadtoberhaupt postulierte: „Wildfleisch ist Klimaschutz!“

Bevor sich die Jäger aus den Bühler Jagdrevieren in der zentralen Kühl- und Zerwirkanlage mit ihrem erlegten Wild an die Arbeit machen können, bedarf es, Nutzungsverträge abzuschließen. „Wir hoffen, dass Sie überaus regen Gebrauch davon machen werden“, sagte Schnurr an die Adresse der rund 40 Gäste, die sich anschließend persönlich ein Bild von der Wildkammer machten. Die Jagdgenossenschaft investierte 56.000 Euro und kann dabei auf eine kräftige staatliche Unterstützung bauen: Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz annoncierte 24.000 Euro aus dem Förderprogramm „Infra-Wild“.

Ansporn, neue Wege zu gehen

Der städtische Forstabteilungsleiter Martin Damm dankte Schnurr für den „Ansporn, neue Wege zu gehen“ und allen Mitstreitern der Stadtverwaltung bei der hürdenreichen Umsetzung.

Das Grundstück an der Zufahrt zum Klärwerk habe dankenswerterweise der Abwasserzweckverband der Jagdgenossenschaft überlassen. Der Wildkammer-Container grenzt direkt an die Fertiggarage der „Wildverwahrstelle“ des Kreisveterinäramts an. Auch diese war vor dem Hintergrund der Schweinepest entstanden. Allen Befürchtungen zum Trotz ist das Virus hierzulande noch nicht aufgetreten. Für Baden-Württemberg gilt: Bislang Schwein gehabt!

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Erstellt:
16. November 2021, 21:30 Uhr
Lesedauer:
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