Bühler Mini-Schlachthof wird zur Hängepartie

Von Joachim Eiermann

Bühl (jo) – Der erste Anlauf zur Anschaffung einer mobilen Wildkammer in Bühl ist gescheitert. Während es nicht am Geld mangelte, fehlte das notwendige Sicherheitsgutachten.

Bühler Mini-Schlachthof wird zur Hängepartie

Neben der „Wildverwahrstelle“ in einer Garage bei der L85 soll die Wildkammer aufgestellt werden. Foto: Joachim Eiermann/Archiv

Allerorten fürchten Jäger und Schweinebauern das Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest. Das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz erachtet die Gefahr für unverändert hoch. Sicherheitsvorkehrungen gegen die für Menschen ungefährliche Tierseuche sind getroffen worden wie etwa die Einrichtung einer „Wildverwahrstelle“.

Auch gestattet das Kreisveterinäramt den Jägern nicht mehr, ihr geschossenes Wild in einem Nebenraum des Bühler Schlachthofs zu zerlegen. Die strikte Trennung soll die Gefahr einer Übertragung vom Wald in den Stall vermeiden. Die Bühler Jagdgenossenschaft plant deshalb, eine mobile Wildkammer aufzustellen: ein Mini-Schlachthof für Jäger in einem Container. Die Umsetzung des Projekts lässt jedoch seit Monaten auf sich warten. Am Geld scheiterte die Sache jedenfalls nicht. Denn die Genossenschaft steht finanziell gut da, wie sich in der Sitzung des Bühler Klima- und Umweltausschusses am Mittwochabend zeigte. Im aktuellen Wirtschaftsjahr stehen insgesamt 54.322 Euro zur Unterstützung von Maßnahmen bereit, wie etwa zur Bühler Schwarzwildkonzeption, zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Imagesteigerung der Jagd. Der mit Abstand größte Batzen ist für die Wildkammer reserviert, ein Betrag bis maximal 32.000 Euro. Das Ministerium hat einen Zuschuss bereits in Aussicht gestellt.

Sicherheitsgutachten ein Muss

Forstabteilungsleiter Martin Damm berichtet auf BT-Nachfrage, dass im vergangenen Jahr zwar eine Ausschreibung erfolgte, der wirtschaftlich günstigste Anbieter jedoch ein statisches Gutachten zur Standsicherheit der Wildkammer schuldig geblieben sei. Die Prüfung sei ein Muss, gehe es doch um eine Bestätigung der Erdbebensicherheit. Ergo: Aus der im Oktober geplanten Aufstellung wurde nichts. Inzwischen habe der zweitgünstigste Bieter den Auftrag erhalten.

Derweil verarbeiten die meisten Jäger ihr Wild zuhause, berichtet Damm. „Aus Kostengründen beziehungsweise Platzgründen ist es aber nicht jedem Jäger möglich, eine eigene Wildkammer anzuschaffen.“ Bei begrenzten Lagerkapazitäten bestehe zudem das Problem, das nicht alles, was vor die Flinte kommt, als Lebensmittel Verwendung finden könne und so Überkapazitäten entsorgt werden müssten. In der vorgesehenen Gemeinschaftseinrichtung ließen sich indes auch größere Mengen Fleisch professionell verarbeiten und hygienisch einwandfrei aufbereiten. Ausschussmitglied Johannes Moosheimer (Freie Wähler, selbst Jäger) bedauerte, dass der Kauf der Wildkammer im ersten Anlauf gescheitert sei. Seit zwei Jahren stehe der Schlachthof aus verständlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Er bekräftigte: „Wir brauchen eine hygienisch einwandfreie Alternative.“

Einstimmig beschloss der Ausschuss die Verwendung des Reinertrags, wie von der Verwaltung vorgeschlagen. Dazu gehört auch, in den Bühler Jagdrevieren mit wetterfesten Plakaten auf die Notwendigkeit von „Wildruhezonen“ aufmerksam zu machen. Immer öfter, wurde beklagt, bewegten sich Wanderer, Freizeitsportler und Spaziergänger, teilweise mit frei laufenden Hunden, außerhalb von Feld- und Waldwegen und scheuchten das Wild auf. Im Winter, so Barbara Becker (SPD), seien die betroffene Tiere „zum Tode verurteilt“.

Patenschafts-Abonnement für Grundschulen

Grünes Licht gab der Ausschuss auch für Patenschafts-Abonnements zum Thema Landwirtschaft. Interessierte Grundschulen können eine viermal im Jahr erscheinende Zeitschrift anfordern, die Themen aus der modernen Land- und Forstwirtschaft sowie Natur und Umwelt für Fünf- bis Zwölfjährige kindgerecht präsentiert. Das „agarKIDS“-Abo wird zunächst drei Bühler Schulen, die Interesse anmelden, probeweise für ein Jahr zur Verfügung gestellt.