Bühler Musikschule geht digital in die Offensive

Bühl (fvo) – Die Bühler Schule für Musik und Darstellende Kunst will einen digitalen Arbeitsplatz einrichten. Durch die Pandemie gehen die Schülerzahlen zurück.

„Schub nach vorne“: Für die Musikschule gibt es auch viele positive Effekte aus dem Online-Unterricht. Foto: Musikschule

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„Schub nach vorne“: Für die Musikschule gibt es auch viele positive Effekte aus dem Online-Unterricht. Foto: Musikschule

Die Schülerzahlen sind gesunken, von 1.308 auf 1.127 (Stichtag März 2021), doch der Rückgang ist begründbar, sagt Bernhard Löffler, Leiter der Schule für Musik und Darstellende Kunst Bühl. In Zeiten der Pandemie sieht er ganz viele Herausforderungen, aber auch Chancen – neue digitale Formate, aber auch alte Ängste.

„Es gibt immer noch große Verunsicherung in der Bevölkerung“, so Löffler beim Jahresbericht vor dem Kultur- und Sozialausschuss. Die Zahl der Abmeldungen sei konstant. „Was fehlt, sind Neuanmeldungen.“ Nicht selten bleibe es bei verbalen Ankündigungen. Weiterer Grund ist die Kooperation mit den Grundschulen, „das fiel komplett aus“, soll aber jetzt wieder anlaufen. Andererseits sei der Rückgang noch überschaubar, andere Institute hätten Einschnitte um die 30 Prozent. Immerhin ist beim Präsenzunterricht „alles wieder am Laufen“. Allerdings unternimmt man auch reichlich, um dem Trend entgegenzuwirken. „Wir machen wahnsinnig viel. Mehr geht nicht“, so Löffler mit Blick auf ungewöhnliche Aufführungsformate (Orgel/Rad-Tour) oder den hohen Input in der Öffentlichkeitsarbeit (Werbetrailer).

„Wir haben da einen Schub nach vorne erlebt“

Neue Pfade zeichnen sich vor allem im digitalen Bereich ab. Nachdem es im Vorjahr quasi über Nacht online Fuß zu fassen galt („Es gab ja keine Didaktik“), sind inzwischen neue Techniken da. „Wir haben da einen Schub nach vorne erlebt“, so Löffler mit Blick auf Apps oder Streamingdienste. Zwar stoße die Qualität des Netzes etwa auf dem Land an Grenzen, gerade bei leisen Instrumenten. Doch gibt es inzwischen Lösungen, die gut funktionieren. Musizieren werde ortsunabhängig – ob beim Ensemblespiel oder im Unterricht. „Das ist nicht schlecht“, findet Löffler, auch wenn die Haptik fehle und die Arbeit am Klang oder Ton begrenzt sei. Für manche Eltern sei das auch kein gleichwertiges Angebot.

Weitere Neuerung, aus der Krise geboren, ist die Einrichtung eines digitalen Arbeitsplatzes, digitales Musizieren wird eigenes Unterrichtsfach – „was es vorher so nicht gab“. Das reicht vom App-Einsatz bei Gehörbildung über Lehrerfortbildung (intern und extern) bis zur Online-Performance (Streaming-Konzerte). Da heißt es, die 44 Lehrkräfte (inklusive Teilzeit) zu sensibilisieren. „Da tut sich immens viel“, so Löffler. Geplant ist zudem eine neue Software für die Verwaltung, um die Kommunikation zwischen Schüler-Eltern-Lehrer, aber auch Abläufe zu professionalisieren. Wieder zu mobilisierendes Standbein ist auch die Kooperation mit Musikvereinen oder Grundschulen. Hier sei man mit dem Basisprojekt „Primacanta – Jedem Kind seine Stimme“ präsent. „Da erreichen wir praktisch alle Erstklässler“, so Löffler. Auch das Thema Kita läuft wieder an. Hier war doch lange „Durchlavieren“ angesagt, alles immer unter der Prämisse der Ansteckungsvermeidung.

„Die neuen Formate brauchen aber Zeit“

Nicht zuletzt erlebe man auch didaktisch gerade einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel. Stichwort intrinsische Motivation. Musste man früher strikt seine Czerny-Etüden herunterrattern, bevor es zur Bach-Toccata ging, will der Schüler von heute direkt zum Wunschstück – ohne Umweg. „Dem müssen wir uns stellen“, so Löffler, der am Horizont auch musiktherapeutische Potenziale sieht, etwa in Ferm von Atemübungen. „Die neuen Formate brauchen aber Zeit.“

Das sieht auch der Gemeinderat so. Walter Seifermann (GAL) freut sich, dass man die Schüler bei der Stange hielt und hält. Auch Yvonne Zick (Freie Wähler) findet toll, dass alles so reibungslos laufe, immerhin gebe der Musikunterricht gerade Jüngeren Halt in der Pandemie. Sorgen bereitet indes Georg Schultheiß (FW) der Einnahmenrückgang, nebst den Digitalisierungskosten. Umso mehr, als die Schule nur 80.000 Euro als Landeszuschuss erhält, für Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Kultur/Bildung/Generationen, „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Landesförderung oder Hilfsprogramme gebe es nicht. Die Digitalisierung muss die Stadt selbst schultern.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
23. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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