Bühler OB: „Ich bin in tiefer Sorge“

Bühl (baw) – In der Zwetschgenstadt protestieren die Einzelhändler weiter. OB Hubert Schnurr sagt Unterstützung zu. Er findet die coronabedingten Schließungen „unverhältnismäßig“.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr sucht das direkte Gespräch mit den Bühler Einzelhändlern und verspricht, sich für eine verhältnismäßige Öffnung starkzumachen.  Foto: Barbara Wersich

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Oberbürgermeister Hubert Schnurr sucht das direkte Gespräch mit den Bühler Einzelhändlern und verspricht, sich für eine verhältnismäßige Öffnung starkzumachen. Foto: Barbara Wersich

„Eine Ungerechtigkeit, die bis zum Himmel schreit.“ Bessey & Flammer Geschäftsführerin Sybille Engelhardt ließ ihrer Verzweiflung über die erneute Geschäftsschließung freien Lauf. „Wir haben das Gefühl, wir werden gar nicht wahrgenommen und sterben so langsam vor uns hin“, sagte sie am Montag vor Geschäftsöffnung in einem Gespräch mit Oberbürgermeister Hubert Schnurr.

Bereits vergangenen Samstag hatten sich zahlreiche Einzelhändler der Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (BinA) spontan dazu entschlossen, gegen die ab Dienstag in Kraft tretenden verschärften Einschränkungen durch die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg zu protestieren. Der anhaltend hohe Inzidenzwert im Landkreis Rastatt zwingt aktuell auch die Bühler Einzelhandelsbranche wieder dazu, den Einkauf für ihre Kunden in den Geschäften nur per „Click & Collect“, also nur als Abhol- und Lieferdienst, anzubieten.

Auch Kunden sind fassungslos

Doch die Tatsache, dass große Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte weiterhin dieselben Artikel verkaufen dürfen, die auch die zur Schließung gezwungenen Läden im Sortiment haben, macht nicht nur die Geschäftstreibenden, sondern auch deren Kunden fassungslos. Und auch Oberbürgermeister Schnurr zeigte sich besorgt: „Ich teile die Ansicht, dass das monatelange Schließen des Einzelhandels nicht verhältnismäßig ist. Die Lage ist mehr als angespannt, und ich bin in tiefer Sorge um unsere Bühler Fachgeschäfte, die in den vergangenen Monaten kreativ und hart gearbeitet haben, um das Beste aus der Situation zu machen.“ Existenzen seien nun „mehr denn je bedroht“. Außerdem treffe die erneute Einschränkung die Bühler besonders hart, vor allem, wenn man bedenke, dass in direkter Nachbarschaft, sprich im Stadtkreis Baden-Baden, andere Regeln gelten.

„Es geht um Existenzen und Arbeitsplätze!“ und „Wie sieht Bühl im März 2022 aus?!“ lauteten auch die Sätze auf den Plakaten in den Händen der Betroffenen. Sie machten damit ihrer großen Angst um den Verlust der eigenen Geschäfte und der Sorge um den lebensnotwendigen Arbeitsplatz Luft. Umso wichtiger scheint daher die gegenseitige Unterstützung. So zeigte sich beispielsweise Peters gute Backstube mit dem Slogan „Gemeinsam backen wir das!“ mit den direkten Nachbarn solidarisch.

Auch bei Peters gute Backstube setzt man auf Zusammenhalt und Solidarität: „Gemeinsam backen wir das“, heißt es unter anderem. Foto: Barbara Wersich

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Auch bei Peters gute Backstube setzt man auf Zusammenhalt und Solidarität: „Gemeinsam backen wir das“, heißt es unter anderem. Foto: Barbara Wersich

„Eigentlich habe ich heute Urlaub“, sagte der OB am Montag, während er unter anderem den Weg in die Schwanenstraße antrat. An Urlaub sei für ihn in so einer Situation aber nicht zu denken. Immer wieder versicherte er den betroffenen Unternehmern und ihren Angestellten, dass er ihre Ansichten teile. Er werde sich für eine verhältnismäßige Öffnung starkmachen, versprach er. Zwar stehe man „noch nicht an dem Punkt, dass wir dem zunehmenden gesellschaftlichen und vor allem aber wirtschaftlichen Druck mit gutem Gewissen nachgeben können. Wir könnten aber, und dafür setze ich mich ein, dem Einzelhandel mehr Spielraum geben“, sagte er. Schnurr hob im Besonderen die starken Hygienekonzepte der einzelnen Läden hervor. Selbst das Robert-Koch-Institut stufe die Infektionsgefahr im Einzelhandel als niedrig ein.

Gleichzeitig appellierte Hubert Schnurr, mit Blick darauf, dass ein Ende der die Pandemie „leider noch nicht in Sicht“ ist und trotz einer einsetzenden „Corona-Müdigkeit“: „Halten Sie durch! Und halten Sie zusammen!“

Wo man denn einen Schnelltest machen könne, um das Risiko noch stärker zu verringern – das sei eine gute Frage, die auf jeden Fall geklärt werden müsse, drängte Gecco-Inhaber Lutz Raeck, der mehr Tempo bei möglichen Lösungen in dieser bedrohlichen Situation forderte. Auch dafür wolle er sich einsetzen, betonte Oberbürgermeister Schnurr.

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Erstellt:
16. März 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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