Bühler OB erleichtert: Schaeffler will doch bauen

Bühl (BNN) – Das neue Entwicklungszentrum für E-Mobilität kommt nun doch wie ursprünglich geplant nach Bühl.Allerdings wird wohl eine reduzierte Variante realisiert.

Neue Perspektiven: Das Schaeffler-Entwicklungszentrum im Bühler Gewerbegebiet Bußmatten soll in reduzierter Form gebaut werden. Dort befindet sich bereits ein Werk des Unternehmens.  Foto: Ulrich Coenen

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Neue Perspektiven: Das Schaeffler-Entwicklungszentrum im Bühler Gewerbegebiet Bußmatten soll in reduzierter Form gebaut werden. Dort befindet sich bereits ein Werk des Unternehmens. Foto: Ulrich Coenen

Es ist ein positives Signal in der Krise. Das neue Schaeffler-Entwicklungszentrum in Bühl soll gebaut werden. Dies bestätigt Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf Anfrage. Nach einem symbolischen ersten Spatenstich im September 2018 in Anwesenheit des Aufsichtsratsvorsitzenden Georg F. W. Schaeffler waren die ebenso ehrgeizigen wie teuren Pläne zunächst wieder in der Schublade verschwunden.

Im Mai 2019 informierte das Unternehmen seine Mitarbeiter dann darüber, dass das Gebäude im Gewerbegebiet Bußmatten vorerst nicht gebaut wird. „Die Entscheidung beruht im Wesentlichen darauf, dass wir nach wie vor mit Herausforderungen konfrontiert sind, die im vergangenen Geschäftsjahr 2018 zu einer deutlichen Abschwächung der EBIT-Marge unserer Automotive OEM-Sparte geführt haben“, erklärte Pressesprecherin Petra Wolf damals. EBIT ist eine englische Abkürzung und bedeutet operatives Ergebnis. „Wie andere Unternehmen in unserer Branche spüren wir zum Beispiel die andauernden negativen Auswirkungen der Fahrzeugzulassungsprobleme durch den neuen WLTP-Zyklus in Europa, die Unsicherheiten bezüglich Handelszöllen und ein rückläufiges Marktwachstum in China“, sagt die Unternehmenssprecherin. WLTP ist ein neues Abgastestverfahren.

Das vom Bühler Büro Wurm + Wurm geplante Entwicklungszentrum signalisierte mit seiner Architektursprache Aufbruchstimmung. Der Bühler Oberbürgermeister war in jeder Hinsicht überzeugt von diesem Projekt. Als das „Architekturschaufenster“ in Karlsruhe der Stadt in der Reihe „Regionale Baukultur“ im Juli 2019 eine Ausstellung widmete, stellte er die Pläne für das Entwicklungszentrum vor. Als gelernter Architekt und Stadtplaner war Schnurr sichtlich stolz, als er das Projekt im Rahmen seines Vortrags zur Eröffnung der Schau in Karlsruhe in Wort und Bild präsentierte.

„Der hier entstehende Neubau ist ein Meilenstein für die Schaeffler Unternehmensgeschichte“, erklärte auch Schaeffler beim ersten Spatenstich im September 2018. „Die Entscheidung für Bühl als Automotive-Headquarter ist ein Zeichen unserer hohen Wertschätzung für die herausragenden Leistungen der vergangenen Jahrzehnte.“ 60 Millionen Euro wollte das Unternehmen in Bühl investieren. Eine Baugenehmigung der Stadt lag übrigens damals noch gar nicht vor. Die wurde erst im Frühjahr 2019 erteilt, zu einem Zeitpunkt, als sich die Situation in der Branche bereits dramatisch verschlechtert hatte.

Unternehmen selbsthält sich noch bedeckt

Nun soll das Entwicklungszentrum offensichtlich trotzdem gebaut werden. Schnurr berichtet auf Anfrage, dass die Stadt als zuständige Baurechtsbehörde einen neuen Bauantrag mit einem reduzierten Konzept erwartet. „Dieser soll baldmöglichst eingereicht werden“, so der OB.

Das Unternehmen selbst hält sich bedeckt. „Schaeffler hält weiter an dem Plan fest, ein Entwicklungszentrum für E-Mobilität am Standort Bühl zu errichten“, teilt Nadine Czapka von der Schaeffler Unternehmenskommunikation per E-Mail mit. „Konkrete Entscheidungen bezüglich des Zeitrahmens der baulichen Maßnahme sind allerdings noch nicht getroffen.“

Im Rathaus ist man sicher, dass es vorangeht. „Das ist ein klares Zeichen, dass Schaeffler nicht nur am Standort Bühl festhält, sondern ihn auch weiter entwickeln will“, freut sich Schnurr. „Wir sind sehr erleichtert.“ Nach Auskunft des Oberbürgermeisters will Schaeffler an den Plänen festhalten, wenn auch in reduzierter Form. „Der Grundgedanke des Entwurfs bleibt bestehen“, sagt Schnurr.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
8. Dezember 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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