Bühler OB rechnet für 2023 mit Baubeginn an Gymnasium

Bühl (BNN) – Der Bühler OB Hubert Schnurr kündigt an, dass noch im Januar neue Pläne fürs Windeck-Gymnasium präsentiert werden. Das Baufeld für Mensa im Kifaz-Garten wird im Winter freigemacht.

„Das war schon ein Schock“: Hubert Schnurr zu den gestiegenen Baukosten beim Windeck-Gymnasium.  Foto: Wilfried Lienhard

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„Das war schon ein Schock“: Hubert Schnurr zu den gestiegenen Baukosten beim Windeck-Gymnasium. Foto: Wilfried Lienhard

Bühl ist Schulstadt. Für Grundschulen sowie die weiterführenden Schulen von der Werkrealschule und der Gemeinschaftsschule über die Realschule bis zum Gymnasium ist die Stadt der Träger. Das bedeutet auch immense Kosten. Aktuell stehen eine gemeinsame Mensa für die Carl-Netter-Realschule und die Aloys-Schreiber-Gemeinschaftsschule sowie die Sanierung des Windeck-Gymnasiums im Blickpunkt. Im Interview spricht Oberbürgermeister Hubert Schnurr mit unserem Mitarbeiter Wilfried Lienhard über Kosten und Zeitpläne.

BT: Um das umstrittene Mensa-Projekt im Kifaz-Garten ist es ruhig geworden. Für 2022 steht nun ein größerer Betrag im Haushaltsplanentwurf. Wie geht es weiter?

Schnurr: Wenn es ruhig ist, heißt das nicht, dass nichts geht. Der Bauantrag läuft. Wir wollen versuchen, zumindest das Baufeld in diesem Winter noch freizumachen, um nach der für die im Sommer geplante Ausschreibung der Arbeiten mit dem Bau beginnen zu können. Als Bauzeit sind eineinhalb Jahre veranschlagt.

BT: Zuletzt waren im Gemeinderat wieder Zweifel laut geworden, ob die Stadt sich neben dem Windeck-Gymnasium ein zweites Großprojekt leisten können werde. Muss diese Diskussion noch einmal geführt werden?

Schnurr: Nein, das haben wir in der letzten nichtöffentlichen Sitzung des vergangenen Jahres ausgeräumt. Die Finanzierung hatten wir bereits im Sommer geklärt. Jetzt haben wir die Finanzierungspläne noch einmal erläutert und besprochen und auch die fachliche Notwendigkeit noch einmal begründet. Das ist jetzt geklärt.

BT: Wie teuer wird die Mensa, die der Aloys-Schreiber-Gemeinschaftsschule und der Carl-Netter-Realschule dienen soll?

Schnurr: Wir rechnen mit Kosten in Höhe von 7,6 Millionen Euro.

BT: Zusammen mit den 18,5 Millionen Euro, die als Obergrenze für die Sanierung des Windeck-Gymnasiums eingezogen wurden, ist das fast der Betrag, den die Stadt im kommenden Jahr für Investitionen ausgeben kann.

Schnurr: Das ist richtig, aber die Sanierung des Gymnasiums ist auf eine Bauzeit von drei Jahren angesetzt. Das verteilt sich zum einen also, zum anderen soll dieses Vorhaben teilweise über Kredite finanziert werden.

BT: Wie sieht der Zeitplan beim Windeck-Gymnasium aus?

Schnurr: Die Architekten sind gefordert, noch in diesem Monat eine veränderte Planung vorzulegen. Wir konzentrieren uns jetzt auf den Ostflügel, den Klassenzimmertrakt. In der Gesamtsumme war auch die energetische Sanierung der Fachräume und des Verwaltungsbereichs beinhaltet. Die haben wir jetzt rausgenommen und auf die Zeitschiene gesetzt.

•Blick in die Zukunft: So soll künftig die Aula des Windeck-Gymnasiums aussehen. Daran soll bei der wegen zu hoher Kosten notwendig gewordenen Neuplanung nicht gerüttelt werden. Foto: Architekturbüro Dasch Zürn+Partner

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•Blick in die Zukunft: So soll künftig die Aula des Windeck-Gymnasiums aussehen. Daran soll bei der wegen zu hoher Kosten notwendig gewordenen Neuplanung nicht gerüttelt werden. Foto: Architekturbüro Dasch Zürn+Partner

BT: Dabei wäre die energetische Sanierung mit Blick auf die Klimabilanz des Gebäudes nicht verkehrt, und das ist sehr zurückhaltend formuliert. Zudem ist das Gymnasium Klimaschule und auch die Stadt hat sich den Klimaschutz offensiv auf die Fahnen geschrieben.

Schnurr: Die energetische Sanierung wird kommen. Aber nicht in einem Zug, sondern in Abschnitten. Mit der Sanierung des Klassenzimmertrakts machen wir auch in dieser Hinsicht einen großen Schritt. Die größte Energieschleuder ist eben der Klassenzimmertrakt. Denken Sie an die Nachtspeicheröfen oder an die 50 Jahre alten Fenster, deren Schwächen Sie wahrscheinlich in Ihrer eigenen Schulzeit kennengelernt haben.

BT: Stimmt. So richtig dicht waren die in den 1970er Jahren schon nicht. Der Umbau des Foyers von damals war in den vorgelegten Plänen ein besonderes Glanzstück. Steht das jetzt auch wieder auf der Kippe?

Schnurr: Nein. Das Foyer soll so kommen, das ist wirklich ein Highlight. Auch das Schülercafé im ersten Obergeschoss wird umgesetzt.

BT: Der erste Entwurf ist von allen Seiten in höchsten Tönen gelobt worden. Nun muss er im Kostenvolumen aber um die Hälfte reduziert werden. Werden da nicht auch unnötige Enttäuschungen produziert?

Schnurr: Doch. Aber die Schule war immer mit in die Planungen einbezogen, gerade bei der Ausstattung. Sie hat die schlechte Nachricht sehr gut aufgenommen.

BT: Wie groß war Ihr eigener Schrecken, als Sie die neuen Zahlen gesehen haben?

Schnurr: Das war schon ein Schock. Ein Plus von zehn oder 20 Prozent wäre noch begründbar gewesen. Aber gleich eine Verdoppelung? Dazu muss aber auch gesagt werden, dass diese Verdoppelung nur dann erreicht worden wäre, wenn wir den Null-Energie-Standard angestrebt hätten.

BT: Der gewünscht war….

Schnurr: Ja, war er. Man muss aber schon fragen, ob das bei einem Schulgebäude sinnvoll ist, wo immer irgendeine Tür oder ein Fenster offensteht.

BT: Wie geht es jetzt zeitlich weiter?

Schnurr: Wenn die neuen Pläne vorliegen, muss der Gemeinderat entscheiden. Danach kann der Bauantrag eingereicht werden. Mit einem Baubeginn ist in realistischer Weise Anfang 2023 zu rechnen.

BT: Wie viel Zeit ist verloren gegangen?

Schnurr: Der Einzug war einmal für 2023 oder 2024 geplant. Wir sind jetzt ein Jahr hinten dran.

BT: Müsste man nicht alles daransetzen, solche Verzögerungen zu vermeiden? Schließlich steigen damit erfahrungsgemäß auch die Kosten.

Schnurr: Eigentlich schon. Nur klappt es oft nicht, weil äußere Einflüsse es verhindern.

BT: Sind das immer nur äußere Einflüsse?

Schnurr: Nein, es können auch interne Dinge sein. Es gibt Personalwechsel, finanzielle Probleme – das muss man alles kompensieren.

BT: Steht zu erwarten, dass die Preise wieder nachgeben?

Schnurr: Das ist schwer zu sagen. Im Tiefbaubereich hatten wir zuletzt tatsächlich die eine oder andere Submission, deren Ergebnis erheblich unter der Berechnung lag. Es muss in die Planung der Firmen passen, in ihre Auftragsbücher, dann kann man Glück haben. Wir sind deshalb immer bestrebt, die Arbeiten im Herbst und in Richtung Winter auszuschreiben.

BT: Ist man beim Gymnasium nicht in eine selbst gestellte Falle gestolpert, indem ein Wettbewerb ohne Kostenlimit ausgeschrieben wurde?

Schnurr: Der Verzicht auf Kostenvorgaben bei Wettbewerben ist der Normalfall. Die Wirtschaftlichkeit ist aber immer ein Kriterium. Das hat nichts mit absoluten Zahlen zu tun, aber man kann erkennen, ob ein Entwurf wirtschaftlich ist oder nicht.

BT: Im vorliegenden Fall gab es ein böses Erwachen. Werden daraus Konsequenzen gezogen?

Schnurr: Wir haben darüber auch mit unserem Wettbewerbsbetreuer diskutiert. Wenn der nächste Wettbewerb ansteht, müssen wir schauen, ob wir deckeln oder nicht. Aber in dieser Phase des Wettbewerbs ist das nicht unbedingt belastbar zu beurteilen. Wir reden schließlich von einem Ideenwettbewerb. Die Sparkasse Bühl, bei der ich Vorsitzender des Verwaltungsrats bin, hat beim Wettbewerb zur Sanierung ihres Hauptgebäudes auch Beiträge vorgelegt bekommen, bei denen man auf den ersten Blick gesehen hat, dass man sich das nicht leisten kann. Wenn jemand abreißen und einen großen Neubau hinstellen möchte, muss man darüber nicht reden.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

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Erstellt:
4. Januar 2022, 17:30 Uhr
Lesedauer:
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