Bühler Online-Talk ruft BAP-Fans auf den Plan

Bühl (jo) – Das Bürgerhaus Neuer Markt auf dem Weg der Digitalisierung: Die dritte Ausgabe von „Schoog im Dialog“ mit dem Rocksänger Wolfgang Niedecken wird online zu sehen sein.

Streaming statt Publikum: Wolfgang Niedecken talkt am Wochenende in Bühl. Foto: Tina Niedecken

© jo

Streaming statt Publikum: Wolfgang Niedecken talkt am Wochenende in Bühl. Foto: Tina Niedecken

„Alles fließt“ ist das aktuelle Album der Kölschrock-Band BAP – vom Rhein inspiriert – betitelt. Wolfgang Niedecken, ihr Frontman, macht sich am Wochenende flussaufwärts auf den Weg nach Bühl. Nicht zum Musizieren, sondern zum Talk mit der Moderatorin Bernadette Schoog. Die dritte Ausgabe von „Schoog im Dialog“ im Bürgerhaus Neuer Markt ist gewissermaßen eine Premiere, sitzt das Publikum doch nicht im großen Saal, sondern zu Hause auf dem Sofa.

Viele Kulturhäuser – vor allem die großen – sind dazu übergegangen, Veranstaltungen zu streamen. Jetzt schließt sich auch die Zwetschgenstadt diesem Trend an, um der Kultur zu ihrer Daseinsberechtigung zu verhelfen.

Hintergrund

Der Aufwand, um die städtischen Abo-Angebote der Theaterbühne oder im klassische Konzertbereich übertragen zu wollen, sei jedoch schlichtweg zu groß und zu kostspielig, bedauert Corinna Doba, Leiterin des Hauses. „Wir befinden uns hier in Konkurrenz mit allen möglichen Anbietern.“ Das exklusivere Format „Schoog im Dialog“ sei aber einen Versuch wert. Die Übertragung lasse sich auch ohne großes technisches Equipment professionell realisieren. Zum Einsatz komme das Kamerateam des Sinzheimer TV-Journalisten Anton Jany, der im vergangenen Monat den Neujahrs-Talk mit Oberbürgermeister Hubert Schnurr und Bürgermeister Wolfgang Jokerst führte.

Online-Stream am 28. Februar

Der Zeitpunkt des Online-Streams ist der gleiche wie bei der ursprünglich angesetzten Präsenzveranstaltung: kommender Sonntag, 28. Februar, 17 Uhr. Mehr als eine Stunde lang wird Schoog, bekannt durch ARD und SWR, den Kölner Sänger, Komponisten, Autor und Maler für eine Aufzeichnung am Vortag interviewen. Nach den Schauspielern Richy Müller und Joe Bausch ist Wolfgang Niedecken ihr bisher prominentester Gesprächspartner in Bühl. Entsprechend gut war der Kartenverkauf im Vorfeld gelaufen. Mit etwas mehr als 200 Gästen wäre das Bürgerhaus unter jenen Corona-Beschränkungen, wie sie noch im Herbst galten, ausgebucht gewesen, berichtet Doba. Die vorab erworbenen Karten behalten ihre Gültigkeit, deren Wert werde mit dem Onlineticket-Preis verrechnet (nähere Infos unter www.buergerhaus-buehl.de).

Talks als Tradition

Unterdessen mehren sich Anfragen auch von weit außerhalb Bühls. „Zuletzt rief jemand aus Sachsen an“, schildert Doba. Sie hofft darauf, noch einige Tickets bei der darbenden BAP-Fangemeinde absetzen zu können. Wer die Homepage der Kölschrock-Band anklickt, findet dort lediglich zwei aktuelle Termine. Der eine ist „Schoog im Dialog“, verlinkt mit dem Bürgerhaus. Der andere führt zur WDR4-Radiosendung „Songpoeten“, die Niedecken einmal im Monat moderiert.

Nicht auf der Bühne, sondern inmitten der Zuschauerreihen wird die Moderatorin die Unterhaltung mit ihrem Gast aus der Domstadt führen. Talks haben in Bühl Tradition. Fanden diese früher als „Bühler Begegnungen“ im Schlosshotel Bühlerhöhe statt, brachte sie der einstige SWR-Intendant Peter Voß herunter in die Stadt und befragte vornehmlich Promi-Autoren zu Vita und Werk im Friedrichsbau. Nach längerer Zeit der Vakanz trat Bernadette Schoog auf den Plan, die mit ihrer Reihe auch in Tübingen und Reutlingen reüssiert; dort zuletzt ebenfalls digital. Niedeckens Bühler Auftritt ist sein erster Dialog mit Schoog.

Bürgerhaus rüstet digital auf

Die Veranstaltung soll Corinna Doba zufolge außerdem das Signal aussenden, dass das Bürgerhaus Neuer Markt in puncto Online-Technik und Schulungen aufrüstet. Sie ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung auch nach der Pandemie weiter an Bedeutung gewinnt. Insbesondere im Tagungsbetrieb von Firmen und Verbänden rechnet sie damit, dass die Konferenzteilnahme von Gästen per Videostream zunehmen werde: „Darauf stellen wir uns ein.“

Aktuell hält sich die Nachfrage nach Räumlichkeiten in engen Grenzen, doch bleibt das Bürgerhaus nicht gänzlich unausgelastet. So hat beispielsweise die Industrie- und Handelskammer gleich mehrere Tage gebucht, um hier ihre Lehrgangsprüfungen durchführen zu können – im corona-gerechneten Tischabstand von mindestens 1,20 Meter.

Dass ab März auch wieder Saalveranstaltungen mit Publikum gestattet werden, damit rechnet Doba eher nicht. Obwohl sie davon überzeugt ist, dass das Bürgerhaus einen optimalen Infektionsschutz bei Einhaltung aller hygienischen Anforderungen gewährleisten könnte. Auch gegen die Verbreitung gefährlicher Aerosolen sei man technisch gewappnet: „Unsere Klimaanlage tauscht die Luft in 20 Minuten komplett aus.“ Angesichts stagnierender Inzidenzen auf erhöhtem Niveau sieht es jedoch eher danach aus: Bis im Bürgerhaus die Türen wieder aufgehen, dürfte – um mit BAP zu sprechen – noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Februar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.