Bühler Volleyballer kämpfen grandios

Bühl (win) – Die Bisons stemmten sich mit aller Kraft gegen den Meisterschaftsfavoriten VfB Friedrichshafen – doch das Bühler Wunder blieb letztlich aus.

Wie eine Gummiwand: Immer wieder scheitern die hochgelobten Friedrichshafener wie hier Linus Weber (rechts) am Block oder den Abwehraktionen der Bühler Volleyballer. Foto: Frank Seiter

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Wie eine Gummiwand: Immer wieder scheitern die hochgelobten Friedrichshafener wie hier Linus Weber (rechts) am Block oder den Abwehraktionen der Bühler Volleyballer. Foto: Frank Seiter

Nach knapp zwei Stunden war der letzte Saisonauftritt der Volleyball Bisons Bühl dann doch beendet. Nochmals hatte die Mannschaft von Trainer Alejandro Kolevich eine grandiose Leistung abgeliefert, eine der imposantesten Abwehrschlachten der ganzen Saison abgeliefert und den großen Favoriten Friedrichshafen tatsächlich an den Rand einer Niederlage geschubst. Das Volleyball-Wunder blieb jedoch aus.

Deutschlands großer Volleyball-Hoffnung Linus Weber war es vorbehalten, mit einem fulminanten Schmetterschlag die Saison der Bühler Bundesliga-Volleyballer endgültig zu beenden. Was aus Sicht der Bisons mehr als schade ist, denn in dieser Zusammensetzung dürfte die Bühler Mannschaft sehr wahrscheinlich nicht mehr aufs Spielfeld zurückkehren. Sie hätte einen Abschied vor (eigenem) Publikum mehr als verdient gehabt. Der hochgelobte VfB zitterte sich hingegen ins Halbfinale gegen Lüneburg und feierte den Sieg gegen den vermeintlich krassen Außenseiter fast schon hymnisch.

Ein bisschen wie Bayern gegen Bielefeld

Friedrichshafen gegen Bühl – das war schon in den vergangenen zehn Jahren stets ein extrem ungleiches Duell, denn mit den professionellen Strukturen am Bodensee konnte man an Bühlot und Sandbach noch nie mithalten. So krass wie in diesem Jahr war der Unterschied allerdings noch nie. Während in Bühl mehr denn je gespart werden musste und Trainer Kolevich nur einen mit Nachwuchskräften ergänzten Kader mit neun gestandenen Profis zur Verfügung gestellt werden konnte, herrschen am Bodensee noch immer vergleichsweise goldene Zeiten.

Trainer Michael Warm steht nicht nur ein mit Nationalspielern gespickter 15-Mann-Kader zur Verfügung, auch zwei Co-Trainer arbeiten ihm zu, von der Expertise im Hintergrund ganz zu schweigen. Mit dem in Achern geborenen und in Kappelrodeck groß gewordenen Thilo Späth-Westerholt steht beispielsweise ein mehrfacher Meister und Pokalsieger an der Vereinsspitze, mehrere Ex-Nationalspieler arbeiten im Umfeld und in der Nachwuchsarbeit. Bei den Bisons hingegen musste Kolevich in dieser Saison weitgehend ohne Co-Trainer auskommen, lediglich Manager Oliver Stolle saß bisweilen unterstützend mit auf der Bank. Ansonsten war es vor allem Statistiker Jannis Oser, der dem Trainer mit allerlei Daten über das gegnerische Angriffs- und Abwehrverhalten zuarbeitete. Das hat schon was von FC Bayern gegen Bielefeld.

Starensemble zu Fehlern gezwungen

Was Kolevich und seine Spieler aus diesen Daten machten, war in zwei von drei Spielen gegen Friedrichshafen dann aber ganz großes Kino. Wie gegen eine Gummiwand rollte der Friedrichshafener Angriff phasenweise an und musste um die Punkte immer wieder hart kämpfen. Florian Ringseis und seine Kollegen lieferten einen großartigen Kampf ab, brachten den Favoriten schier zur Verzweiflung und forcierten auf diese Weise ungewohnt viele Fehler im Starensemble. Dass Friedrichshafen im entscheidenden Spiel letztlich die Nase knapp vorn hatte, lag nicht unwesentlich an der großen Routine seiner Mittelblocker. Nehemiah „Nemo“ Mote, der zwei Spielzeiten lang in Bühl für Furore sorgte und seit 2013 australischer Nationalspieler ist, sowie der unverwüstliche Globetrotter Marcus Böhme punkteten unnachgiebig, banden so den Bühler Block immer wieder in der Mitte und schafften so Raum für die Angriffe auf die Außenpositionen, wo insbesondere Weber zu glänzen wusste.

Mit seinen 21 Punkten war Weber der erfolgreichste Angreifer auf dem Feld, leistete sich aber andererseits auch wieder neun Fehler am Netz, die zu direkten Punkten für die Bisons führten. Am Ende kamen die Bühler auf insgesamt elf Blockpunkte, Friedrichshafen nur auf deren sechs. Auch das zeigt, wie diszipliniert die Bühler Spieler die Anweisungen von der Bank umsetzten – und genau das macht das Ausscheiden im Viertelfinale so bitter. Seit dem Sieg Mitte Februar in Giesen zeigte die Formkurve der Bisons wieder nach oben. Von dieser Mannschaft wäre noch einiges zu erwarten gewesen.


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