Bühler Volleyballer mit starker Feldabwehr

Von Winfried Heck

Bühl (win) – Das 3:2 der Bisons gegen Friedrichshafen war eine kleine Sensation. Der Schlüssel zum Sieg war eine stark verbesserte Feldabwehr der Bühler.

Bühler Volleyballer mit starker Feldabwehr

Bärenstarke Feldabwehr: Bühls Libero Florian Ringseis und seine Nebenmänner stehen nicht nur richtig, sondern antizipieren, wo der Ball landen wird. Foto: Frank Seiter

„So wird das nichts mit einem dritten Spiel.“ Bühls Edel-Fan Ranno Timmermann, der als Helfer eingeteilt war und deshalb das Playoff-Spiel mitverfolgen durfte, hatte nach dem ersten Satz zwischen den Volleyball Bisons Bühl und Rekordmeister VfB Friedrichshafen die Partie fast schon abgehakt. Zu deutlich dominierte das Star-Ensemble vom Bodensee das Geschehen auf dem Feld. So sehr sich die Bühler Spieler auch mühten und nach Bällen streckten, Friedrichshafen fand stets eine unbewachte Lücke.

Mit spielerischer Leichtigkeit punktete der französische Nationalspieler Nicolas Maréchal auf der Außenposition. Immer wieder am Block vorbei, longline neben der Auslinie, schlugen die Bälle in der Bühler Hälfte ein – oder sprangen vom Block ins Aus. Auf der anderen Angriffsseite punktete Deutschlands Volleyball-Hoffnung Linus Weber vornehmlich mit Wucht und enormer Höhe, gegen die Schnellangriff des Ex-Bühlers Nemo Mote über die Mittelposition schien ohnehin kein Kraut gewachsen. Immerhin: Bühl kämpfte. Kein Ball wurde verloren gegeben, zeitweise ähnelte das Spiel dem, wie man es ansonsten aus dem Frauen-Volleyball kennt. Lange Ballwechsel mit spektakulären Abwehraktionen und viel Leidenschaft. Allerdings fast immer mit dem besseren Ende für die Gäste, die agierten, statt immer nur reagieren zu können.

Friedrichshafen holt die Brechstange raus

Irgendwann im zweiten Satz verschob sich das Bild. Bühls Scout Jannis Oser hatte seinem Cheftrainer Alejandro Kolevich offensichtlich die entscheidenden Infos zukommen lassen, Kolevich stellte sein Team anders ein, und plötzlich stand dort, wo zuvor die Bälle noch ungehindert auf dem Boden aufschlugen, einer der Bühler Spieler. Doch Libero Florian Ringseis und seine Nebenleute standen nicht nur richtig, sie rechneten auch damit, dass der Ball in ihrer Nähe runterkommen würde. Ein entscheidender Unterschied. Wenn das knapp 300 Gramm schwere Spielgerät mit 20 oder gar 30 Metern pro Sekunde angeschossen kommt, bleibt keine Zeit für Überlegungen. Die Flugbahn muss antizipiert sein, man muss wissen, wie man den Aufprall verarbeiten will.

Liberos sind zwar die Spezialisten in dieser Disziplin, um aber die 81 Quadratmeter Spielfläche abzudecken, reicht ein einzelner Spieler nicht aus. Selbst zu dritt oder viert in der Defensive – hinter dem Block – bleiben große, auffällige und manchmal auch peinliche Lücken. „Die gesamte Spielfeldhälfte abzudecken, ist unmöglich“, hatte Meisterrainer Stelian Moculescu einst doziert. Die ein, zwei „peinlichen“ Bälle müsse man abhaken, wichtiger sei, jene Bereiche abzudecken, wo die Bälle hauptsächlich runterkommen. Das machte Bühl eindeutig besser als der Gegner. Weil jeder Punkt unerwartet hart erarbeitet werden musste, versuchte es Friedrichshafen nun zunehmend mit der Brechstange – und erhöhte damit auch seine Fehlerquote. Neun Friedrichshafener Aufschlagfehler allein im dritten Satz sagen viel über die geänderten Vorzeichen.

Verschmitztes Grinsen bei Simon Gallas

„Die sind es nicht gewohnt, so kämpfen zu müssen“, analysierte Bühls Matchwinner Simon Gallas nach Spielende hoch zufrieden den Spielverlauf. „Wer weiß, was noch passiert“, schob er dann noch nach und grinste verschmitzt. Eine ganz besondere Wegmarke haben die Bisons schon jetzt gesetzt. Dass eine Mannschaft, die nach der Hauptrunde Tabellenführer war, gegen den Tabellenachten in den Playoffs ein Spiel verliert, das gab es bisher noch nie.