Bühler Windeck-Gymnasium wird kein Passivhaus

Bühl (sre) – Der Bühler Gemeinderat verabschiedet sich von den Ursprungsplänen: Im Windeck-Gymnasium wird nur der Bauteil mit Klassenzimmern und Aula saniert. Beim Energiestandard wird abgespeckt.

Breitere Flure mit Platz für Gruppenarbeit: Diese Idee wird wohl gestrichen. Visualisierung: Architekturbüro Dasch Zürn + Partner

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Breitere Flure mit Platz für Gruppenarbeit: Diese Idee wird wohl gestrichen. Visualisierung: Architekturbüro Dasch Zürn + Partner

Die Entwürfe waren schön – und unbezahlbar: In seiner Sitzung am Mittwochabend hat sich der Bühler Gemeinderat von den Ursprungsplänen für eine komplette Sanierung des Windeck-Gymnasiums verabschiedet. Nur der Gebäudetrakt, in dem sich die Klassenzimmer befinden, soll umgestaltet werden. Und auch da dürfte das Geld nicht für jede Idee der Architekten reichen. Einstimmig sprach sich der Gemeinderat für den Vorschlag der Verwaltung aus, das im Wettbewerb siegreiche Architekturbüro zu beauftragen, eine abgespeckte Variante des ursprünglichen Entwurfs zu erarbeiten. Dabei soll der Kostenrahmen von 17,9 Millionen Euro nicht überschritten werden.

Wie berichtet, hatte das Gremium im Mai dieses Jahres für den architektonischen Vorentwurf für das Projekt gestimmt. Damals wurde auch beschlossen, darauf aufbauend eine genauere Kostenberechnung für alle Gewerke erarbeiten zu lassen. Man war bereits davon ausgegangen, dass die grob veranschlagten knapp 18 Millionen Euro, von denen in der 2018 im Gemeinderat vorgestellten Machbarkeitsstudie die Rede gewesen war, nicht ausreichen dürften. Doch die Summe, die bei der Berechnung herauskam, war dann noch sehr viel höher als erwartet: 39,6 Millionen Euro hätte es demnach gekostet, das gesamte Schulhaus zu sanieren und zudem wie gewünscht den Passivhaus-Standard zu erreichen. Den Pflicht-Energiestandard hätte es für 31,7 Millionen Euro gegeben, die etwas bessere Norm KfW 55 für 33,6 Millionen Euro. Alles im Angesicht der Haushaltslage der Stadt nicht machbar, war man sich in der Verwaltung ebenso wie im Gemeinderat einig.

Der Kompromiss: Nur das sanierungsbedürftigste Bauteil soll auf Basis des Wettbewerbsentwurfs umgestaltet werden. Dabei handelt es sich um den Ostflügel, in dem sich die Klassenzimmer befinden, sowie der Eingangsbereich, der zur Aula werden soll. Auch Letztere, das Herzstück des architektonischen Entwurfs, solle auf jeden Fall entstehen, betonte Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf Nachfrage von Barbara Becker (SPD). In anderen Bereichen muss die Stadt Abstriche machen: So hat man sich von der Idee verabschiedet, die Klima-Schule zum Passivhaus zu machen. Man will nun nur noch den Standard KfW 55 erreichen. Das sei auf jeden Fall eine Verbesserung gegenüber dem Ist-Zustand mit Nachtspeicheröfen und undichten Fenstern, betonte Karl Ehinger (Freie Wähler).

Nur ein Teil der Fassade wird umgestaltet

Auch die eigentlich geplante Aufweitung der Flure, um dort Platz zum Lernen oder für Gruppenarbeiten zu schaffen, dürfte wohl dem Rotstift zum Opfer fallen, sagte OB Schnurr dieser Tage auf BT-Nachfrage. Doch endgültig entschieden ist das noch nicht: Nun sind die Architekten am Zuge, detaillierte Pläne zu erarbeiten, was mit dem vorhandenen Budget machbar ist und was nicht. Fest steht bereits: An den Gebäudetrakten für Fachräume und Verwaltung wird sich nichts ändern. Auch die dortige Fassade wird zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wie ursprünglich vorgesehen, an die geplante Optik des Ostflügels mit vorgelagerten Balkonen angepasst. Wie eine nur zur Hälfte sanierte und umgestaltete Fassade optisch ansprechend an den Bestand angepasst werden kann – immer mit der Option einer späteren Vervollständigung des Ursprungsplans, müssen nun ebenfalls die Planer überlegen.

Trotz weitgehender Einigkeit über das Vorgehen wurden in der Gemeinderatssitzung auch zweifelnde Stimmen laut. Georg Feuerer (CDU) und Lutz Jäckel (FDP) betonten beide, sie hätten sich angesichts der Kostenexplosion noch einmal eine Gegenüberstellung von Neubau und Sanierung gewünscht. Dem widersprach Walter Seifermann (GAL): Erneut über einen Neubau nachzudenken, sei ein „Irrweg“, betonte er. Dafür gebe es auch keinen Zuschuss. Dem pflichtete auch Peter Hirn (SPD) bei.

Ebenfalls uneinig war man sich in Bezug auf ein weiteres Großprojekt, den Mensa-Neubau an der Aloys-Schreiber-Schule. CDU-Fraktionschef Feuerer schlug vor, zu besprechen, ob man diesen nicht erst einmal zurückstellen könnte im Angesicht hoher Kosten und der Haushaltslage. Vielleicht gebe es zu einem späteren Zeitpunkt auch Förderprogramme. FDP-Chef Jäckel dagegen sagte, man dürfe auf keinen Fall ein Projekt gegen das andere ausspielen. Auch die Mensa sei dringend erforderlich: „Dabei sollten wir bleiben.“ Das sei auch vonseiten der Verwaltung vorgesehen, betonte OB Schnurr: Dieses Projekt sei durchfinanziert.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
30. September 2021, 17:00 Uhr
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