Bühler leugnet Vorwürfe des schweren Missbrauchs

Bühl/Baden-Baden (up) – Beim Prozess gegen einen Vater aus Bühl, der seine Tochter sexuell missbraucht haben soll, wurden am Dienstag Aufnahmen mit belastendem Material im Gerichtssaal gezeigt.

Am Donnerstag soll das Urteil fallen.  Foto: Uli Deck/dpa

© dpa

Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Foto: Uli Deck/dpa

Im Prozess gegen einen 40 Jahre alten Mann aus Bühl, hat der Verteidiger des Angeklagten gestern eine Erklärung abgegeben. Vor dem Landgericht Baden-Baden bestreitet der Angeklagte darin die Vorwürfe des schweren sexuellen Missbrauchs seiner heute elf Jahre alten Tochter.

Niemals sei er in das Mädchen eingedrungen und habe dieses auch niemals zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Zudem habe er Fotos von ihr lediglich in einem Chat mit einem bis zwei Teilnehmern weitergegeben. Die Einlassung des Angeklagten führt möglicherweise zur Aufnahme eines sogenannten Verständigungsgesprächs zwischen den Verfahrensbeteiligten. Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung einigen sich darin in der Regel auf einen für den Beschuldigten geringeren Strafrahmen, sofern er umfassende Angaben macht und ein Geständnis ablegt.

Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages stand aber die Inaugenscheinnahme der sichergestellten kinder- und jugendpornografischen Fotos und Videos, die bei dem Angeklagten gefunden worden waren. Dabei handelte es sich jedoch nur um einen vergleichsweise kleinen Teil der etwa 3.300 Videos und mehr als 10.000 Bilddateien des Angeklagten. Die ebenso langwierige wie für die Beteiligten belastende, stundenlange Prozedur ist notwendig, „damit sich das Gericht selbst davon überzeugen kann, ob nicht etwa doch auch legale pornografische Darstellungen unter den beschlagnahmten Dateien sind“, erklärte Staatsanwalt Sebastian Wohlrab im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt.

Geständnis für Opfer wichtig

Zahlreiche der im Gerichtssaal gezeigten Aufnahmen zeigen vornehmlich Männer, aber auch Frauen, die beim Sex mit männlichen und weiblichen Kindern und Jugendlichen ihre körperliche und psychische Überlegenheit rücksichtslos ausnutzen, teilweise auch mit körperlicher Gewalt. Bei einigen, wenigen Aufnahmen sind auch Hunde im Spiel. Der Fall scheint den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu bestätigen, nachdem die Täter nicht „böse, fremde Männer sind, sondern Vertrauenspersonen aus der Familie oder dem familiären Umfeld der Kinder. Nach psychologischen Studien kommt ein großer Teil der Täter aus der Ursprungsfamilie des Opfers. Nur in etwa sechs Prozent der Fälle kennen sich Opfer und Täter vor dem Missbrauch nicht.

Die Geschädigten verlieren Studien zufolge durch den Missbrauch oftmals den Halt. Demnach gilt als zentrales, schädigendes Element bei sexuellem Missbrauch eine langfristige Verwirrung des Kindes. Falls der Täter den Missbrauch leugnet, nimmt er dem Kind die Möglichkeit, die verwirrenden Geschehnisse zu begreifen und einzuordnen. Vor allem deshalb ist ein Geständnis des Täters fürs Opfer wichtig. Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden.

Zum Artikel

Erstellt:
30. November 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.