Bühlerin schreibt einen Schwabenkrimi

Bühl (urs) – Die Bühler Autorin Christine Bütterlin verrät im Interview zum Welttag des Buches BT-Mitarbeiterin Ursula Klöpfer Interessantes nicht nur rund um ihren jüngst erschienenen Schwabenkrimi.

Christine Bütterlin lässt die Handlung ihres Buches in Stuttgart spielen.  Foto: Klöpfer

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Christine Bütterlin lässt die Handlung ihres Buches in Stuttgart spielen. Foto: Klöpfer

Das Verbrechen lauert überall. Schrecklich, oder? Aber nein! Die Deutschen lieben es. Jedenfalls auf dem Papier, denn Regionalkrimis boomen. Für jede Region gibt es mittlerweile einen Polizisten oder Privatermittler. So zieht sich die Spur der Gewalt durch alle Bundesländer bis in die kleinsten Regionen. So auch nach Bühl.

Interview

Historikerin Dr. Christine Bütterlin ist dem Reiz der lokalen Kriminalgeschichten verfallen, die von Liebe, Leidenschaft, Hass und existenziellen Dramen geprägt sind. Bereits vor vier Jahren hat die Historikerin eine bebilderte Romanbiografie über den Ulmer Münsterpfarrer Jakob Rieber und seine Frau mit ihren 16 Kindern veröffentlicht. Erst kürzlich ist ihr Kriminalroman „Tatort Schule in S-Kaltental“ im Verlag Oertel + Spörer erschienen. Konträr zu ihrem Wohnort in Bühl, wird in ihrem Krimi im schwäbischen Stuttgart gemordet. Doch warum? BT-Mitarbeiterin Ursula Klöpfer sprach mit der Schriftstellerin über ihr neues Buch.

BT: Worin liegt der Reiz der Regionalkrimis? Ist es die löchrige Idylle, hinter der das personifizierte Böse lauert?

Dr. Christine Bütterlin: Nicht gleich „das personifizierte Böse“, eher schlimmes oder auch tragisches Fehlverhalten, wie überall, wo Menschen sind. Das kommt auch im Nahbereich vor. Natürlich reizt es jemanden, der schreibt, hinter manche Fassade eines „idyllischen“ Umfelds zu leuchten und das, was man da vielleicht sieht, zu schildern und zum Nachdenken anzuregen. Wie kam es zu der Tat? Wie war das überhaupt möglich hier bei uns? Und wie können die Beteiligten nach einer so schlimmen Tat weiterleben? Sind dann ortstypische Eigenheiten vielleicht auch mit einem Augenzwinkern so geschildert, dass Lesern das bekannt vorkommt, unterhält sie das unter Umständen mehr als mancher kompliziert konstruierte und extrem grausame Mord weit weg von ihrer Alltagswelt.

BT: Ihr Roman spielt nicht an ihrem Wohnort Bühl, sondern Sie haben sich Stuttgart als Schauplatz ausgesucht. Die Handlung führt den Leser in eine Privatschule. Was verbinden Sie damit?

Bütterlin: Ich habe an sehr verschiedenen Schulen unterrichtet. Das machte es mir leichter, Erfahrungen und Beobachtungen, wie ich sie auch an anderen Schulen gemacht habe, etwas pointierter herauszuarbeiten.

BT: „Tatort Schule in S-Kaltental“ spielt an realen Schauplätzen und bietet somit einen hohen Wiedererkennungswert für alle Einheimischen. Außerdem haben Sie historische Ereignisse wie kleine Perlen eingestreut. Spricht hier die Historikerin aus Ihnen?

Bütterlin: Ja, das stimmt. Mir Erstaunen habe ich gesehen, wie Eva Klingler in ihren badischen Regionalkrimis solches schon vor vielen Jahren mit Erfolg praktiziert hat. Sie hat sogar ihr Buch „Beinahe Toskana oder Baden auch für Nichtschwimmer“ ganz so gestaltet und Geschichte, Land und Leute anderen auf liebenswerte Weise nahe gebracht.

Mobilität ist zur Normalität geworden

BT: Früher war der Begriff „Heimat“ lange mit rückständiger Volkstümelei verbunden. Offensichtlich hat er aber an Schrecken verloren. Was glauben Sie, ist der Grund dafür?

Bütterlin: Das Berufsleben – für junge Leute bereits Reisen und Studienaufenthalte weit weg vom Heimatort – bringt Mobilität mit sich. Zugezogene, vielfach von weit her, sind keine Seltenheit mehr. Das ist Normalität geworden. Wer darüber hinaus den ortsüblichen Dialekt spricht, der tut sich mit Integration auch leichter.

BT: Regionalkrimis bringen gerne kauzige Typen hervor. Ihre „Heldin“ ist eine Kriminalkommissarin – eine zierliche rothaarige Frau, die den nicht einfachen Spagat zwischen Kind und Karriere schafft. Warum haben Sie den Charakter der aufstrebenden bildhübschen Kommissarin gewählt?

Bütterlin: Der Berufswelt tut es gut, wenn Frauen mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Junge Frauen noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind nicht immer und überall von der Männerwelt ernst genommen worden. Da hat sich inzwischen schon einiges geändert. Es ist gut, wenn dieser Veränderungsprozess noch weiterläuft. Fernseh-Krimis und politische Diskussionsrunden zeigen das ja auch mittlerweile.

BT: Natürlich hoffen jetzt alle Bühler Mitbürger, dass Ihr nächster Krimi vielleicht in unserem Zwetschgenstädtchen spielen wird.

Bütterlin: Da gibt es doch schon einige interessante Regionalkrimis, nicht nur zur Bühlerhöhe. Ein Buch zu schreiben geht nicht gerade von jetzt auf gleich! Auch tut es so einem Projekt gut, wenn man dabei auf vielfältige eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Die mache ich jetzt ja gerne mit meinen Enkelkindern und vorwiegend im Umkreis meiner inzwischen älter gewordenen Freunde, Verwandten und Bekannten. Aber man soll ja nie „nie“ sagen. Schriftstellerin Donna Leon mit ihren sehr zahlreichen Venedig-Krimis zeigt das.

Christine Bütterlin: „Tatort Schule in S-Kaltental“; Oertel & Spörer-Verlag.

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Erstellt:
23. April 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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