Bühlertäler Fußballer trainieren wieder

Von Christian Rapp

Bühlertal (rap) – Das Klackern der Stollenschuhe ist zurück: Einige Fußballvereine in der Region haben das Training wieder aufgenommen – unter strengen Auflagen. Beim SV Bühlertal ist die Freude über die Wiederaufnahme groß.

Bühlertäler Fußballer  trainieren wieder

Endlich wieder den Ball am Fuß: Routinier Nico Westermann spaziert beschwingt durch den Stangenwald. Foto: Seiter

Idyllisch liegt er da, der Sportplatz auf dem Mittelberg. Die Abendsonne wirft ihr Licht auf den satten, grünen Rasen. Die Vögel zwitschern. Plötzlich ertönt ein Geräusch, das über zwei Monate im Bühlertäler Sportzentrum nicht mehr zu hören war: Das Klackern von Stollenschuhen. Es ist kurz vor 19 Uhr, ein Fußballer nach dem anderen marschiert Richtung Rasen. Freudigen Schrittes, mit einem Lächeln im Gesicht – aber natürlich mit dem gebotenen Abstand. Nach zehn Wochen Abstinenz hat der SV Bühlertal wieder das Training aufgenommen. Ein Stück Normalität in Corona-Zeiten.

Eine Stunde zuvor, um 18 Uhr, an diesem herrlichen Dienstagabend im Frühsommer, baut Trainer Johannes Hurle direkt vor dem Platz einen Tisch auf. Jedoch ohne Elektrolyt-Getränke für das schweißtreibende Training oder gar eine Kiste kühler Gerstensaft für danach. Vielmehr gleicht der Tisch einem Versuchslabor im Chemieunterricht: Desinfektionsmittel, Schutzmasken, Einmal-Handschuhe. „Die Jungs werden sich wie in der Schule vorkommen“, sagt der SVB-Coach und lacht. Hurle muss es wissen, ist er doch selbst Lehrer an der Bühler Realschule. „Wir müssen natürlich einige Maßnahmen einhalten und Spielregeln befolgen, aber das nehmen wir gerne in Kauf, wenn wir endlich wieder trainieren können“, sagt Hurle und werkelt weiter am Chemie-Baukasten für Fußballer. Man sieht auch ihm die Vorfreude an, endlich wieder auf dem Rasen zu stehen, Stationen für die Spieler aufzubauen, sich Passübungen auszudenken. So wie die SVB-Spieler um Routinier Sebastian Keller, Flügelflitzer Jonas Knobelspies und Stürmer Isuf Avdimetaj, haben Fußballer in ganz Mittelbaden mittlerweile wieder den Weg zurück auf den Rasen geschafft. Ligakonkurrent SV 08 Kuppenheim hat ebenfalls am Dienstag erstmals wieder trainiert, der B-Ligist SG Stollhofen/Söllingen gar bereits in der vergangenen Woche. Die Sehnsucht nach dem runden Leder war groß. In Leiberstung, Plittersdorf und sonst wo in der Region, die Freude frelich umso größer – auch wenn ein normaler Trainingsbetrieb noch weit entfernt ist.

„Natürlich kann man das nicht mit einem normalen Training vergleichen“, sagt Hurle, „Spielformen sind nicht möglich, Zweikämpfe tabu, der Abstand von 1,5 Meter muss eingehalten werden. Aber es ist eine Belohnung für die Jungs, dass sie sich in den vergangenen Wochen fit gehalten haben und jetzt wieder das Gras unter den Füßen spüren können. Außerdem können sie sich so wieder sehen.“

Doch bevor die insgesamt 18 Spieler den Rasen – nach schier endlos erscheinenden zehn Wochen – betreten dürfen, muss der 30-Jährige noch die Anwesenheit protokollieren und die Kicker in Kleingruppen – maximal zu fünft – einteilen. Diese werden auch in den kommenden Wochen immer zusammen trainieren, um das Risiko einer Ansteckung weiter zu minimieren. Bis auf absehbare Zeit ist das Training in Bühlertal auf freiwilliger Basis. „Wenn einer ein mulmiges Gefühl hat, muss er natürlich nicht kommen, das ist selbstverständlich“, sagt der SVB-Coach und wirft nochmal einen abschließenden Blick auf seine Notizen.

Klopapierrolle ist Geschichte

Dann versammeln sich die Mittelberg-Kicker – natürlich im angemessenen Abstand – um ihren Trainer. „Schön euch alle wieder zu sehen. Genießt es einfach, auf dem Platz zu stehen, befolgt aber gewissenhaft die Maßnahmen“, sagt Hurle. Dann geht’s los. Währen eine Gruppe Koordinationsübungen macht, lassen zwei weitere die Torhüter Christian Gudera und Daniel Zeitvogel fliegen: Genaues Zuspiel für Isuf Avdimetaj, eine Millisekunde später versenkt der Stürmer den Ball mit einem satten Schuss im Knick – Gudera hechtet vergebens. Gelernt ist gelernt, da kann auch Corona nichts dran ändern!

Eine vierte Gruppe ist derweil an der Passstation zugegen, etwas Rost haben die Fußballer aber dann doch angesetzt: Ab und zu springt der Ball ein Stück zu weit vom Fuß weg. Kein Wunder, schließlich mussten sie ja im heimischen Wohnzimmer ganz schön lange mit Klopapierrollen üben. Plötzlich ertönt Hurles Stimme: „Genauer werden“, lautet der Auftrag des SVB-Trainers. Auch wenn das Corona-Training eher als Belohnung gedacht ist, Zug ist sofort drin in den Übungen.

Kurze Verschnaufpause. Stationswechsel. Jonas Knobelspiel atmet kurz durch, geht an seine Trinkflasche. Und wie fühlt es sich an, den Ball wieder am Fuß zu spüren? „Einfach herrlich. Es fühlt sich so gut an“, sagt der technisch versierte Mittelfeldspieler. Seine Augen leuchten – dann geht’s zum Torschuss.

Um 20.30 Uhr ertönt der Schlusspfiff von Johannes Hurle. Jetzt rückt die Putz-Kolonne an, jede Gruppe desinfiziert ihre Trainingssachen: Die Koordinationsleiter wird gewissenhaft mit Desinfektionsspray gewienert, die Pylonen erstrahlen in neuem Glanz, jeder Ball wird einer längeren Reinigungskur unterzogen. „Puh, es war ganz schön anstrengend. Die Beine fühlen sich ein bissel platt an“, hört Philip Keller in seinen Körper hinein.

„Räumt die Hütchen noch weg. Da muss am Samstag schließlich gezettelt werden“, sagt Co-Trainer Daniel Zeitvogel und lacht laut. Freilich ein frommer Wunsch: An Fußballspiele ist noch lange nicht zu denken. Doch eins hat der Trainingsauftakt definitiv gebracht: ein Stück Normalität.