Bühlertal ist überzeugt von Wander-Konzeption

Bühlertal/Ottersweier/Bühl (fvo) – Eine neue Wander- und Mountainbike-Konzeption für die Ferienregion Bühl-Bühlertal-Ottersweier soll her. Erste Vorbereitungen sind bereits gelaufen.

Der neue Bühlotsteig, eine Vier-Etappen-Wanderung, ist eine der Hauptattraktionen des neuen Wander- und Mountainbike-Konzepts. Grafik: Jasmin Vogt

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Der neue Bühlotsteig, eine Vier-Etappen-Wanderung, ist eine der Hauptattraktionen des neuen Wander- und Mountainbike-Konzepts. Grafik: Jasmin Vogt

In die Natur eintauchen, Stress abbauen. Das sind nur zwei Nebeneffekte beim Wandern und Biken in freier Wildbahn. Diese künftig noch gezielter zu nutzen, ist die Intention der neuen Wander- und Mountainbike-Konzeption für die Ferienregion Bühl-Bühlertal-Ottersweier. Die Vielfalt an Optionen ist jedenfalls da, es fehlt eigentlich nur die ordnende Hand. Der Gemeinderat Bühlertal hat den ersten Teil mit Bestandsaufnahme, Konzeption und Planung am Dienstag einstimmig abgesegnet.

Die Vielzahl an bereits umgesetzten, begonnenen oder angedachten Einzelmaßnahmen am Wegenetz zu einem Gesamtkonzept zusammenzufassen und sinnvoll zu ergänzen – das ist laut Vorlage Ziel des Ganzen. Der Status quo bietet dazu allen Anlass. „Die Beschilderung ist oft ziemlich fehlerhaft, manche Wege sind gar nicht auffindbar, viele wurden nicht ins bisherige Wegenetz aufgenommen“, fasst Altan Cicek von der Agentur Tour Konzept in Schonach die umfangreiche Vor-Ort-Analyse zusammen. „Wir sind alles abgegangen und abgefahren.“ Auch die Infrastruktur wurde gecheckt. Fazit: Das Wegenetz brauchte eine bessere Vernetzung und klare Beschilderung. Gerade Anbindungen fehlen oft oder sind nicht explizit ausgezeichnet. „Der Wanderer will aber Rundwege aufgezeigt bekommen“, weiß Tino Rettig, Leiter der Touristinfo Bühlertal.

Bürger mit einbezogen

Großes Augenmerk liegt daher auf einheitlichen, schwarzwaldüblichen Schildern. „Der Bürger soll sich sofort zurechtfinden“, so Cicek mit Verweis auf sechs Wanderportale, die auf der Agenda stehen. Nicht nur digital herrscht Orientierungsbedarf, auch Handfestes wie Broschüren seien gefragt. Überhaupt war „von Anfang an die Bevölkerung mit eingebunden“, so Cicek. Via Bürgerbeteiligung, runden Tischen oder Arbeitskreisen wurden Ideen zusammentragen, von denen viel eingeflossen sei.

Die Gesamtschau enthält auch diverse Optimierungsvorschläge wie etwa beim Gertelbachsteig. Diese könnten laut Cicek eine Zertifizierung nach sich ziehen – ein erwünschter Nebeneffekt. Allen gemeinsam: schöne Aussichtspunkte, landschaftliche Vielfalt und Einkehrmöglichkeiten.

Neben der Erfassung, Einbindung und Optimierung der Klassiker (Obstlehrpfad, Engelssteig) oder Alternativrouten zur Entlastung („Sickenwalder Horn-Rundweg“) wurden auch neue Wege erkundet. So etwa eine Felsenwanderung in der Höhe im Bereich Plättig und Schwanenwasen, „der so noch nicht präsentiert wurde“ (Cicek). Fakt ist jedenfalls, dass das Konzept betont offen angelegt ist, also „nicht statisch, sondern erweiterbar“, so Rettig.

Herzstück der Konzeption ist die neue Vier-Etappen-Wanderung „Bühlotsteig“, die vom Marktplatz Bühl bis zur Schwarzwaldhochstraße führt. Attraktiv daran vor allem der dichte Anschluss an den ÖPNV, er erlaubt eine Wanderung von Gastgeber zu Gastgeber, er erlaubt aber auch, Etappen als Tageswanderung zu unternehmen oder Teile zu kombinieren. „Dank der zentralen Lage gibt es viele Verbindungsmöglichkeiten“, so Cicek. Denkbar ist laut Rettig auch Gepäcktransport sowie Shuttleservice.

Zwei Mountainbike-Touren in Bühlertal

Konkret führt die Strecke auf Teil eins nach Kappelwindeck, zum Klotzberg, zur Burg Windeck, nach Neusatzeck und Bühlertal. Dort geht es weiter via Gertelbach, Sickenwalder Horn, Immenstein, Unterstmatt und Hundseck (20 Kilometer, 1.045 Höhenmeter). Etappe 3 führt über Plättig, Herthahütte, Kohlbergwiese, Schwanenwasen, Engelsberg nach Bühlertal, bevor es (4. Etappe) über Engelsberg, Schartenberg, Sternenberg und Eisental wieder nach Bühl geht. Laut Cicek wurden hier Passagen neu aufgenommen, die noch der Zustimmung privater Waldbesitzer bedürfen.

Ziel beim Mountainbike-Netz war nicht zuletzt das Aufzeigen von Problembereichen (Kollision mit Wanderwegen), aber auch zeitgemäße Beschilderung mit Höhenmetern. Die Strecken seien „an sich gut“: schöne Aussichtspunkte, gute Einkehrmöglichkeiten. Es gehe auch nicht um Konkurrenz etwa zu Sasbachwalden, lediglich um Genussbiken. Insgesamt gibt es sechs Touren – zwei davon in Bühlertal.

Im Bühlertäler Gemeinderat stieß die Konzeption auf breite Zustimmung. Mehrtägige Angebote und Rundkurse seien immer interessant, findet Stefan Ursprung (FBV). Er regte zudem an, im Nachgang kleine Highlights unterwegs einzubauen, etwa zur Motivation von Kindern, ob nun Landschaftsfotorahmen oder Handwerksdemonstration. Laut Cicek ist die Option vorgesehen, durch entsprechende Möblierung Lauf-Anreize zu schaffen. Auch gastronomisch gebe es genug Anlaufstellen – auch in der Höhe. Laut Cicek sind alle potenziellen Gastronomen mit eingebunden, „man läuft da vorbei“.

Kommunen teilen sich die Kosten

Peter Ganter (SPD) nannte das Konzept erfolgversprechend, trendbewusst und zielgruppenorientiert. Gerade die Vier-Etappen-Wanderung sei ein „Aushängeschild für den Ort“. Wichtig sei „eine klare Wegführung“. Auch für Volker Blum (CDU) geht der Weg „in die richtige Richtung“. Franz Tilgner (CDU) lobte die tolle Bustaktung, riet bei aller Freude indes, auch Querungsprobleme wie am Wiedenfelsen im Blick zu haben. Blum ergänzte, auch Parkengpässe unter der Woche (Einstieg am Platz Faverges) oder etwaige Parkbelastungen von Anwohnern (etwa beim Engelssteig) im Blick zu haben.

Das Projekt wird vom Naturpark Schwarzwald mit 60 Prozent bezuschusst. Die verbleibenden Kosten für den ersten Schritt (25.000 Euro) teilen sich die Kommunen je Weganteil. Für Bühlertal sind dies zunächst 6.300 Euro. Die Bewilligung des Förderantrags für die weiteren drei Stufen (Beschilderungsanalyse, Herstellung der Schilder/Tafeln, Umsetzung) steht noch aus. Es sei jedenfalls eine Herausforderung, das Datenmaterial zusammenzutragen und in das System des Schwarzwaldvereins einzupflegen, so Rettig: „Die bestehenden Daten sind dort hinterlegt. Der Schwarzwaldverein hat die Hoheit beim Wegenetz.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
13. Oktober 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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