Bühlertal nimmt Naturkindergarten ins Visier

Bühlertal (fvo) – Der Naturkindergarten soll nach Wünschen der Gemeinde Bühlertal im Bereich Mocken II angesiedelt werden. Für viele der ideale Standort – es gibt aber kleine Wermutströpfchen.

An dieser Stelle könnte der Naturkindergarten Position beziehen. Rechter Hand wäre Option für den Außenspielbereich. Foto: Ulla Meier/Gemeinde Bühlertal

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An dieser Stelle könnte der Naturkindergarten Position beziehen. Rechter Hand wäre Option für den Außenspielbereich. Foto: Ulla Meier/Gemeinde Bühlertal

Ebene Lage, gut zu erreichen und obendrein ein wunderschöner Ausblick: Der Platz, den die Gemeinde Bühlertal für den künftigen Wald-/Naturkindergarten im Visier hat, scheint ziemlich perfekt. Lediglich die späte Zeitschiene der Realisierung – geplant ist das Angebot für 2023 – sorgt bei einigen Räten noch für etwas Bauchweh. Dennoch hat der Gemeinderat der Verwaltungsvorlage in der Sitzung am Dienstag einhellig zugestimmt. Ein Baugenehmigungsverfahren soll in die Wege geleitet werden.

„Der Platz sieht richtig gut aus“, fasste Stefan Ursprung (FBV) die allgemeine Euphorie zusammen, der sich selbst Ulla Meier, stellvertretende Hauptamtsleiterin, nicht entziehen kann. „Ich bin selbst begeistert. Der Platz ist eigentlich ideal“, so ihr Urteil über Mocken II, jenes Grundstück am Ende des Feldwegs bei der Bushaltestelle (Am oberen Klotzberg) an der Gemarkungsgrenze. Mit zwei Grundstückseigentümern sei man im Gespräch, sie hätten Bereitschaft signalisiert, Gelände im Kreuzungsbereich zur Verfügung zu stellen. In der Tat bietet die von Wiesen umgebene mittlere Höhenlage genug Tobe- und Spielmöglichkeit im Freien, auch die Nähe zum Wald ist gegeben, unterwegs gibt es on top eine Ziegenhaltung. Nicht zuletzt sei von dort der Rückzugsraum in der Franziska-Höll-Schule gut erreichbar, wo via Neubau zwei Gruppenräume im Ex-Lehrschwimmbecken entstehen zur Behebung der Platznot.

Katholische Kirche als Träger

Als Standort-Alternative kam noch der Bereich Schwarzenbach/Matthäuserstraße in die engere Wahl, ein allerdings kühler Talkessel. Auch ist das Terrain aufgrund von Biotopen im hinteren Teil nicht unproblematisch. „Hier oben zieht es nicht so durch, man hat noch den Berg im Rücken“, findet Meier. Dem kann Bürgermeister Hans-Peter Braun nur zustimmen „Nicht zu steil, von der Straße weg, für Kinder ideal“, so sein Urteil, wogegen im Kontrast dazu das Feuchtgebiet doch nass und kühl daherkommt. Zudem ist bei Mocken II mit einer Genehmigung zu rechnen, so das Signal der unteren Naturschutzbehörde.

Erfreulicherweise ist auch die Trägerschaft geklärt, sie übernimmt die katholische Kirche, wie Pfarrer Sebastian Marcolini in der Kigaausschusssitzung Anfang Juli angekündigt hatte. Es sei gut, dass die Trägerschaft in einer Hand bleibe und sich die gute Zusammenarbeit auf diesem Gebiet fortsetze, so sein Ansatz.

Als Aufenthaltsgrundlage vor Ort dient, um flexibel zu sein, ein ausgebauter Anhänger mit Komposttoilette. Wasser (nur für den Notfall) und Stromanschluss sind nicht vorgesehen, so Meier, die Heizung erfolgt per Holzofen, die Beleuchtung per Fotovoltaik. Der Kostenpunkt für den Bauwagen liegt laut Meier bei rund 90.000 Euro. Entsprechende Mittel sollen im nächsten Haushalt bereitgestellt werden. Selbst ein geeignetes Modell hat man bereits im Visier, Vertreter der Fraktionen hätten sich vor Kurzem bei der Firma Ruku in Freistett eine Variante angesehen. Auch hier einhellige Begeisterung.

Früherer Start gewünscht

Ein weiterer Vorteil für Mocken II: Das Terrain ist Bauerwartungsland. Was allerdings zugleich der Wermutstropfen im allgemeinen Euphoriekelch ist – zumindest aus Sicht von Stefan Ursprung, der hier ein klassisches Eigentor wittert. Immerhin sei man in ein paar Jahren eventuell „wieder auf der Suche“. Nicht zuletzt hätte er sich – und mit diesem Wunsch stand er nicht allein – einen Start bereits für 2022 gewünscht. Der geringe Bedarf, der per Umfrage ermittelt wurde (lediglich acht Plätze ab April 2023) lag für ihn mit an der unspezifischen Fragestellung sprich an den noch unkonkreten Eckpunkten. Braun verwies auf die Empfehlung der Kindergartenleitung, zudem würde eine Baugebietsrealisierung auch bis zu zwei Jahre dauern, was genug Spielraum zur Suche biete. Ulla Meier erwiderte, dass man im Falle eines Umzugs immerhin erste Erfahrungswerte hätte, um dann gezielter Ausschau nach Alternativen halten zu können.

Stephan Seiler (FBV), ebenfalls begeistert, wies darauf hin, dass der Platz komplett in der Sonne liege, weshalb man rechtzeitig an geeignete Beschattungsmaßnahmen denken müsste. Er verspricht sich eine allgemeine Entlastung der Kiga-Platznot. Peter Ganter (SPD) sprach ebenfalls von einer guten Wahl. Er denkt, dass man damit „für ein paar Jahre eine gute Lösung gefunden hat“. Er mahnte allerdings an, die Belastung für die Kindergarten-Crew ernstzunehmen, das Personal sei schon mit der Erweiterung U3 beansprucht, solche Angebote seien auch mit Blick auf Fachkräftemangel „nicht mit einem Federstrich zu bewältigen, sondern brauchen eine gewisse Vorlaufzeit“. In einem dreiviertel Jahr sei das Projekt nicht zu stemmen, und im Spätjahr zu beginnen mache keinen Sinn. Auch Bürgermeister Braun führte ins Feld, dass man im Kiga an Kapazitätsgrenzen angelangt sei, was man ernstnehmen sollte, und sprach von einer „Freiwilligkeitsleistung“. Meier betonte zudem, dass das Argument baldiger Entspannung nicht ziehe. „Wir brauchen Entspannung im U3-Bereich, da hilft uns der Naturkindergarten nicht weiter“, so Maier undsprach ebenso von einem „Zusatzangebot“.

Anwohner einbeziehen

Einigkeit herrschte immerhin ob der möglichen Verkehrsbelastung für die Klotzbergstraße, die es zu vermeiden gelte. Optional soll weiter unten ein Sammelplatz eingerichtet werden. Jedenfalls riet nicht nur Mathias Eckerle (CDU), hier unbedingt die Anwohner miteinzubeziehen, um etwaigen Unmut zu vermeiden. Der Platz habe „sehr viele Vorteile“, aber ein ständiger Durchgangsverkehr würde sicher zu Problemen führen. Volker Blum (CDU) indes begrüßte das Engagement der Kirche und das Gesamtkonzept. Mit wenig Aufwand könne man hier viel bewegen. Auch er warnte vor etwaiger Verkehrsbelastung und forderte eine adäquate Lösung, regte aber auch an, den Alternativplatz nicht ganz außer acht zu lassen, immerhin gebe es dort einen Parkplatz. Braun versprach letztlich, dass man die Option Mocken II bei den konzeptionellen Gesprächen zwar präferiere – sollte man aber mit dem Träger zum Ergebnis kommen, dass Platzsituation und Verkehrsbelastung suboptimal seien, auch Alternativen nochmal erwäge. Mit Blick auf die Lieferzeit will man die Ausschreibung des Hängers sowie auch die Herrichtung des Platzes schon mal vorbereiten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
23. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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