„Bündnis KSC“ offenbart sich

Karlsruhe (moe) – Lange agierte das „Bündnis KSC“, das den Fußball-Zweitligisten mit sechs Millionen Euro unterstützen will und dafür den Rücktritt von Ingo Wellenreuther fordert, weitgehend anonym. Jetzt hat es sich offenbart.

Das „Bündnis KSC“ will den gebeutelten Zweitligisten mit sechs Millionen Euro vor der Insolvenz retten. Foto: Deck/dpa

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Das „Bündnis KSC“ will den gebeutelten Zweitligisten mit sechs Millionen Euro vor der Insolvenz retten. Foto: Deck/dpa

Bis dato agierte das „Bündnis KSC“ weitgehend anonym, kommunizierte ausschließlich über seinen Rechtsbeistand – bis gestern Abend. Da wagten sich nämlich die Initiatoren des Zusammenschlusses regionaler Unternehmen, die den Karlsruher SC mit einem Aktienkauf im Wert von sechs Millionen Euro vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit bewahren wollen und als Gegenleistung den Rücktritt von KSC-Präsident Ingo Wellenreuther fordern, erstmals vollends aus der Deckung. Neben den bereits bekannten Mitgliedern – die Ötigheimer Bohrgesellschaft Hettmannsperger, die Privatperson Roland Weiss, die Artus Gruppe Baden-Baden, der Nudelhersteller Pasta Nuova aus Graben-Neudorf, die Wirtschafts- & Fondsanlagenberatung WIFO aus Rheinstetten sowie GEM Ingenieursgesellschaft mbH – sind die Spedition Hartmann aus Muggensturm sowie die CRIFI Verwalgungs GmbH von Dr. Christian Fischer und Toni Iemboli als Privatperson Teil des Bündnisses. Die beiden Letzteren fungieren als dessen Sprecher und sind nach eigenem Bekunden Vereinsmitglieder und pflegen seit „Jahren, sogar Jahrzehnten“ eine leidenschaftliche Beziehung zum KSC. Fischer ist obendrein seit Oktober 2019 Mitglied im Verwaltungsrat des Vereins sowie im Aufsichtsrat der ausgegliederten Profiabteilung.

Rücktrittsforderung erneuert

Neben emotionalen Worten, Angaben zu den Zahlungsmodalitäten und der Beteuerung, nicht ins operative Geschäft einsteigen zu wollen, erneuerte das Bündnis seine Rücktrittsforderungen gegenüber Wellenreuther. Man wolle, dass vernünftig und nachhaltig gewirtschaftet werde, zudem brauche der KSC eine „zeitgemäße und moderne Führungskultur. Mit Herrn Wellenreuther ist dies aus unserer Sicht nicht möglich“. Auch zur Fristsetzung für den Rücktritt Wellenreuthers – nicht wenige Anhänger fühlten sich an Wild-West-Methoden erinnert – äußern sich Fischer und Iemboli: „Dies war aus unserer Sicht notwendig, um unser Angebot rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung umsetzen zu können. Ohne eine Fristsetzung hätte die Öffentlichkeit von unserem Angebot ggf. erst im Rahmen der Versammlung erfahren.“

Mentrup schlägt sich auf Bündnis-Seite

Unterdessen schwindet die ohnehin schon lückenhafte Rückendeckung für Wellenreuther weiter, wobei dies im Fall von Frank Mentrup kaum überraschen kann: Der Karlsruher Oberbürgermeister – spätestens seit dem Wahlkampf 2013 bekanntermaßen kein glühender Wellenreuther-Fan – schlug sich gestern auf die Seite des Bündnisses: Es handele sich um KSC-begeisterte Mittelständler, die es nicht zulassen wollen, dass der Verein vor die Hunde geht, sagte Mentrup dem SWR. Für die Stadt sei dieses Engagement im Zusammenhang mit dem Stadionneubau von enormer Bedeutung, so der OB, der von „einem positiven Signal“ sprach. Auch der Fan-Dachverband „Supporters“ forderte am Dienstagabend ausdrücklich einen Neuanfang – samt Wellenreuthers Rücktritt.

Nun liegt der Ball wieder in der Spielhälfte des KSC, beziehungsweise des Präsidenten. Das Bündnis habe gestern alle von Wellenreuther „geforderten Informationen“ bezüglich des geplanten Aktienkaufs sowohl dessen Anwalt als der GmbH übermittelt. Damit seien alle geforderten Voraussetzungen für einen Einstieg des Bündnisses erfüllt. „Nun muss der KSC entscheiden, ob unser Angebot angenommen werden soll oder nicht“, sagt das Initiatoren-Duo – um im selben Atemzug den Druck auf Wellenreuther weiter zu erhöhen: Da es bis zur Mitgliederversammlung am Freitag noch Formalitäten zu erledigen gebe, „drängt schon etwas die Zeit“.


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