Bürger mitnehmen und nicht gängeln

Ötigheim (as) – Seit acht Jahren lenkt Frank Kiefer (CDU) die Geschicke der Gemeinde Ötigheim, am 18. April bewirbt der 43-Jährige sich um die Wiederwahl. Im BT-Interview spricht er über seine Ideen.

Die Neugestaltung der Ortsmitte rund um den Dorfplatz sieht Frank Kiefer als zentrale Zukunftsaufgabe. Foto: Anja Groß

© as

Die Neugestaltung der Ortsmitte rund um den Dorfplatz sieht Frank Kiefer als zentrale Zukunftsaufgabe. Foto: Anja Groß

Wahlkampf in der Pandemie fühlt sich für ihn „traurig“ an, sagt Frank Kiefer: Keine Präsenzveranstaltungen, kein Bürgertreff, das habe er sich anders vorgestellt. Der 43-Jährige bewirbt sich bei der Wahl am 18. April um eine zweite Amtszeit als Bürgermeister von Ötigheim. BT-Redakteurin Anja Groß hat mit ihm über seine Zukunftsvorstellungen für die Gemeinde gesprochen.

BT: Herr Kiefer, wenn Sie die vergangenen acht Jahre mit einigen Schlagworten umschreiben müssten, wie würden die lauten?

Frank Kiefer: Sehr intensiv, hat viel Freude bereitet, und ich bin dankbar, dass wir in einem Miteinander im Ort einiges auf die Beine gestellt haben. Dabei sind wir von der Finanz- in die Flüchtlings- und dann die Corona-Krise geschlittert. Das war herausfordernd, aber wir haben dabei auch viel gelernt.

BT: Zentrales Wahlkampfthema ist die Ortskernsanierung II mit dem Ziel, viele Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wie stellen Sie sich das vor?

Kiefer: Die Hauptaufgabe wird sein, ein Gesamtensemble zu kreieren, mit dem sich die Ötigheimer identifizieren können. Der zentrale Dorfplatz als Treffpunkt und grüne Lunge ist ebenso betroffen wie Schule, Antoni-Haus, Rathaus oder die Sanierung der Mehrzweckhalle samt einem Raumprogramm, das für die Vereine passt und verhältnismäßig ist. Aber es spielen auch Straßensanierungen, energetische Sanierungen oder die Verkehrsproblematik vor der Schule rein – und es soll einen Brückenschlag geben zur bereits sanierten Ortsmitte I um die Kirche. Das geht nur über einen breiten Beteiligungsprozess aller Betroffenen in einer Bürgerwerkstatt. Der Gemeinderat muss dann über ein Konzept entscheiden, bevor wir einen Realisierungswettbewerb ausschreiben. Dann können wir das in den nächsten Jahren schrittweise nach Prioritäten umsetzen.

Gewerbe- und Handwerkerpark geplant

BT: Digitales Rathaus und öffentliches W-LAN stehen in Ihrem Wahlprogramm – Themen, die nicht ganz neu sind. Wo wollen Sie hin?

Kiefer: Öffentliches W-LAN haben wir weitgehend im Bereich Alte Schule, Rathaus, Bahnhof, auch auf dem Tellplatz. Es gibt noch einige weiße Flecken, die wir beseitigen wollen. Aber Corona hat gezeigt, dass wir digitale Dienstleistungsangebote im Rathaus breiter gestalten müssen. Es gibt bereits viele Module auf dem Markt, wir müssen sie aber passgenau auswählen und dürfen die nicht vergessen, die digital nicht so bewandert sind. Auch in puncto interkommunale Zusammenarbeit eröffnet das neue Möglichkeiten, denn Digitalisierung bedeutet, der Mitarbeiter muss nicht immer im Rathaus vor Ort sein.

BT: Die Ötigheimer Gewerbegebiete sind ausgebucht, weiteres Wachstum wird da schwierig. Dennoch planen Sie einen Gewerbe- und Handwerkerpark. Wie muss man sich das vorstellen?

Kiefer: Kurz vor den Toren Muggensturms haben wir eine Fläche, die sogenannte Luhr. Da ist man in der Vergangenheit nie rangegangen, weil eine Erschließung für den nur einen Hektar großen Bereich zu teuer erschien. Aber es ist eine interessante Lage, fußläufig drei Minuten zum Stadtbahnhalt Muggensturm, schnell angebunden an B3/B36. Da sind wir jetzt im Umlegungsverfahren, denn wir haben viele Nachfragen für kleinere Grundstücke oder Start-ups. Wir wollen da selbst nicht baulich tätig werden, sondern suchen nach einem Investor.

Innenverdichtung statt neuer Baugebiete

BT: Nach wie vor groß ist auch die Nachfrage nach Bauplätzen. Was kann Ötigheim da anbieten?

Kiefer: Seit das Baugebiet Hagenäcker II fertiggestellt ist, arbeiten wir an den schwierigen Flächen im Ort.

BT: Das heißt, Sie setzen auf Innenverdichtung statt am Hagenäcker III zu arbeiten?

Kiefer: Ressourcenschonender Umgang mit Flächen ist mir sehr wichtig. Und man muss schauen, dass die Gemeinde nicht zu schnell wächst, denn die bestehende Infrastruktur mit Kindergärten und Grundschule muss auch passen. Deshalb haben wir das Quartierskonzept Goethe-Areal entwickelt, fördern auf großen Grundstücken die Hinterliegerbebauung oder ermöglichen Abriss und Neubau wie auf dem Hirsch-Areal. Auf diese Weise haben wir im Ort verteilt quasi das Angebot eines eigenen Baugebiets schaffen können. Derzeit arbeiten wir an einem innovativen Konzept für das Baugebiet Mühlstraße.

BT: In einer alternden Gesellschaft sind gute Seniorenangebote auch Standortfaktoren. Wenn Sie Kurzzeitpflegeplätze und „echtes“ betreutes Wohnen als Ziele nennen, dann gibt es da in Ötigheim offenbar noch Lücken?

Kiefer: Wir sollten im Ort ein Angebot machen von der Geburt bis zu den letzten schönen Jahren, das ist mir ein Herzensanliegen. Wir wissen, dass es für Kurzzeitpflege und ein professionell betreutes Wohnen im Ort einen riesigen Bedarf gibt und arbeiten mit Curatio, dem Betreiber des Seniorenzentrums, an einer Lösung. Das gemeindeeigene Grundstück neben der Metzgerei beim neuen Penny-Markt wäre geeignet.

BT: Und das wird dann ein Haus für Kurzzeitpflege und betreutes Wohnen?

Kiefer: Das wäre eine Möglichkeit. Wenn wir daran gehen, möchten wir aber mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

BT: Welche noch?

Kiefer: Ich möchte zum Beispiel nie erleben, dass wir keinen Arzt mehr haben in Ötigheim. Vorstellbar wären auch barrierefreie Räume für Rentenberatung oder die ehrenamtliche Seniorenarbeit. Das Projekt im Ortseingangsbereich sollte auch architektonisch eine Visitenkarte werden. Der Gemeinderat wird ganz sicher auch weitere Ideen einbringen.

BT: Und was ist mit der Jugend?

Kiefer: Es gibt in Ötigheim ein tolles ehrenamtliches Angebot. Trotzdem sollten wir die Lücke schließen für alle, die da nichts finden. Bei Parkour-Anlage und Mini-Soccer können wir etwas entwickeln. Aber ich möchte im Rathaus auch einen festen Ansprechpartner haben für das Thema Kinder und Jugendliche.

Brauchen ein Familienbüro

BT: Also ein Familienbüro ähnlich wie in Bietigheim?

Kiefer: Ja, nur so können wir ein dauerhaftes, familienfreundliches, generationenübergreifendes Angebot erarbeiten.

BT: In Ihrem Wahlprospekt versprechen Sie ein Schottergärtenkonzept. Wie wollen Sie wegkommen von den „Steinwüsten“?

Kiefer: Ich setze auf ein motivierendes Konzept, Verbote bringen nichts. Wir sind dabei, Mitmacher zu gewinnen, beispielsweise unsere örtlichen Landschaftsgärtner, die eine Selbstverpflichtung eingehen, keine Schottergärten mehr anzulegen. In Kooperation mit unserem VUL, dem Obst- und Gartenbauverein und dem NABU setzen wir auf Aufklärung und wollen anhand positiver Beispiele oder eines Wettbewerbs Nachahmer gewinnen.

BT: Der PFC-Umweltskandal weitet sich aus, eine Grundwasserfahne soll auch Ötigheim erreichen. Wie reagiert die Gemeinde?

Kiefer: Die Fahne wird nach dem Berechnungsmodell der LUBW voraussichtlich 2022 in der Mühlstraße entlang dem Gestadebruch zu uns reinfließen. Wir werden umfassend informieren, denn wir wollen das Eigentum und die Gesundheit der Bürger schützen und kein Kontaminierungsproblem aufbauen. Auch die Gemeinde ist betroffen wegen der Beregnung der Sportanlagen aus Tiefbrunnen. Das wird wohl ein temporäres Problem sein, weil die Fahne weiterzieht Richtung Steinmauern, aber es wird eine teure und arbeitsreiche Herausforderung, das zu stemmen.

Zuversicht in puncto Volksschauspiele

BT: Ein Jahr Corona-Pandemie, und die Folgen sind überhaupt noch nicht absehbar. Wird Ötigheim überhaupt noch das Geld haben für alle angedachten Projekte, fragen sich manche.

Kiefer: Das fragen sich auch der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung. Deswegen gilt es wie in den vergangenen acht Jahren, die Projekte klar zu priorisieren und alle Zuschussmöglichkeiten auszuschöpfen. Unterm Strich muss man betrachten, welche Ertragskraft und welche finanziellen Mehrwerte wir von Projekten haben – dafür kann man eine gewisse Verschuldung in Kauf nehmen.

BT: Ein banger Blick geht auch in Richtung Volksschauspiele, deren zweiter Vorsitzender Sie kraft Amtes sind. Eine verlorene Saison gibt es bereits. Wie geht es weiter?

Kiefer: Die Nachfrage für unsere Corona-Saison stimmt uns positiv. Die Lust auf Theater scheint eher noch gewachsen zu sein. Wir arbeiten an Hygienekonzepten, denn Sicherheit geht uns über alles. Egal, wie 2021 ausgeht, spätestens 2022 werden wir richtig stark auf die Bühne zurückkehren. Der Nothilfeantrag beim Land läuft und die Volksschauspiele können zuversichtlich sein, dass ihnen mit Hilfe vom Landkreis und der Gemeinde Ötigheim die finanzielle Last genommen wird.

Das könnte Sie auch interessieren:

Speitelsbach kandidiert in Ötigheim

Kiefer kandidiert erneut in Ötigheim

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

Zum Artikel

Erstellt:
9. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 51sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.