Bürgermeister Uhlig fährt Rad

Baden-Baden (BNN) – Die Stadtverwaltung Baden-Baden will mehr Bürger zum Umsteigen aufs Fahrrad bewegen. Der Erste Bürgermeister Alexander Uhlig geht mit gutem Beispiel voran.

Startklar: Bürgermeister Alexander Uhlig steht mit seinem Mountainbike vor dem Rathaus in Baden-Baden. Zum nächsten Termin fährt er mit dem Rad. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

Startklar: Bürgermeister Alexander Uhlig steht mit seinem Mountainbike vor dem Rathaus in Baden-Baden. Zum nächsten Termin fährt er mit dem Rad. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

Seit dem Sommer 2020 radelt Uhlig täglich ins Büro im Rathaus der Bäderstadt und zu Terminen – bei Wind und Wetter. Wegen der topografischen Lage im Oostal ist das Rad in Baden-Baden für viele Zeitgenossen keine Alternative zum Auto. Für den Ersten Bürgermeister und Bau-Dezernenten der Bäderstadt aber schon. „Dieser Teil der Mobilität ist unterrepräsentiert“, sagt Alexander Uhlig (parteilos). Der Jurist geht mit gutem Beispiel voran. Inzwischen fährt Uhlig schon seit über eineinhalb Jahren mit dem Mountainbike ins Büro oder zu Terminen in der Stadt – auch im Winter.

Im Hitzesommer 2020 erfolgte der Umstieg aufs Rad

„Ich bin seit jeher gerne mit dem Rad gefahren, aber über Jahre hinweg nur in der Freizeit“, berichtet der gebürtige Regensburger. Der Hitzesommer 2020 wurde zum Auslöser für den Wandel. Damals, an einem heißen Juli-Tag, hatte Uhlig die Idee, mit dem Rad die sechs Kilometer von seinem Wohnort, dem Ortsteil Balg, bis zum Rathaus zurückzulegen.

Tags darauf nutzte er erneut das Mountainbike. Am dritten Tag fragte seine Frau nach, ob er wieder in den Sattel steigen wolle. Uhlig wollte. Und: „Dann ist es irgendwie selbstverständlich geworden.“

Repräsentationstermine sind für den Radfahrer kein Hindernis

Inzwischen radelt der Bürgermeister täglich zur Arbeit. In den über 20 Monaten ließ er den Drahtesel nur einmal daheim stehen: „Da musste ich im Anzug zum Termin.“ Repräsentationstermine sind aber ansonsten eigentlich kein Hindernis für den Radfahrer Uhlig.

Mit regendichter Jacke und Hose ist er auch für Schlechtwetter gerüstet. In seinem Büro im Rathaus hängen Ersatzklamotten. Zudem stehen Schuhe für den Tausch gegen die Radschuhe mit dem Klicksystem für die Pedale bereit.

Als radelnder Bürgermeister profitiert Uhlig von der Entwicklung, dass die Kleiderordnung im Beruf längst nicht mehr so streng ist wie früher. Jeans sowie Hemd ohne Krawatte sind salonfähig. Sonst wäre es deutlich komplexer, Radeln und Repräsentieren unter einen Hut zu bekommen, findet der Stellvertreter von Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU).

Uhlig fährt ein Rad ohne Elektro-Antrieb

Die Rahmenbedingungen der täglichen Fahrradstrecke sind nicht schlecht: morgens geht`s von Balg runter, nach Feierabend muss dann aber hochgestrampelt werden. Wobei an jeder Steigung für Uhlig grundsätzlich strampeln angesagt ist. Sein Mountainbike hat schon 26 Jahre auf dem Buckel, das Ersatzrad zehn. „Da stellt sich die Frage nach dem Elektro-Antrieb nicht“, sagt Uhlig. Das soll so bleiben.

Ein Problem ist das für Uhlig nicht. „Es ist zwar manchmal anstrengend, den Berg hochzufahren aber auch schön, wenn man sagen kann, das habe ich geschafft!“ Sein Vorbild fürs Radfahren ist nicht etwa ein Radsportler, sondern ebenfalls im Rathaus tätig: Siegfried Schmich ist schon seit Jahrzehnten leidenschaftlicher Radbenutzer. Der Leiter des städtischen Gebäudemanagements wohnt im Rebland.

Tour de Baden-Baden am Wahl-Sonntag

Besonders eindrucksvoll findet es der Bürgermeister, im Winter im frisch gefallenen Schnee die erste Spur zu ziehen. Mit gedrosselter Geschwindigkeit und gebotener Vorsicht stellt sich Uhlig auf solche Witterungsverhältnisse ein. Am vergangenen Wochenende brach Uhlig mit seiner Frau zur Tour de Baden-Baden auf.

Als Vorsitzender des Ausschusses zur Oberbürgermeisterwahl steuerten die Uhligs alle 28 Standorte mit Wahllokalen im Stadtkreis an. Am Ende wurden es knapp 65 Kilometer. Dabei waren mit den Steigungen nach Ebersteinburg und im Rebland rund 800 Höhenmeter zu überwinden.

Zur Stichwahl am Sonntag könnte es zu einer Neu-Auflage der Baden-Baden-Rundfahrt der Uhligs kommen. Der Bürgermeister will die Entscheidung aber vom Wetter abhängig machen. Ihm und seiner Frau habe die Tour jedoch großen Spaß bereitet. Zudem habe er den Wahlhelfern mit seinem Besuch seine Anerkennung für ihre Arbeit signalisieren wollen.

Einen Nebeneffekt brachte das für die Damen und Herren in den Wahllokalen auch: „Ich war wie ein Bote, der berichtete, wie es bei den anderen läuft“, erzählt Uhlig.

Ehepaar Uhlig ist sportlich

Sportliche Betätigung wird bei den Uhligs großgeschrieben. Seine Frau, sagt der Bürgermeister, habe ihm zu Laufen gebracht. Das Paar wandert zudem gerne. „Dafür haben wir hier die herrlichste Gegend“, schwärmt Uhlig.

Eine Leidenschaft des Bürgermeisters ist das Bergsteigen. Ein Wetterumschwung während einer Tour an Ostern vor zwölf Jahren hätte ihn fast das Leben gekostet. „Das vergisst man nicht“, erinnert er sich noch ganz genau an die drei Tage, an denen er und seine drei Begleiter am Großvenediger, einem 3.657 Meter hohen Berg in Österreich, als verschollen galten. Das Drama, das am Ende doch noch gut ausging, fand auch in den Medien großen Widerhall.

Quartett überlebt in einer Schneehöhle

Uhlig, damals noch Bürgermeister in Pforzheim, und die drei anderen Männer gruben eine Höhle in den Schnee und harrten darin zweieinhalb Tage und drei Nächte aus bei Kälte aus, bis das Wetter wieder besser wurde. Den Durst konnten sie nur mit dem Kondenswasser stillen, das sich auf den Biwakplanen bildete.

Als das Schneegestöber aufhörte und die Wolken über dem Gletscher aufrissen, wurde das Quartett von der Besatzung eines Polizeihubschraubers entdeckt. Die Rettung schreibt Uhlig vor allem dem Können des österreichischen Bergrettungsdienstes zu. „Den Bergrettern verdanken wir unser Leben!“ Für den Bürgermeister war klar, dass er der Organisation verbunden bleiben würde: „Seitdem bin ich Fördermitglied.“

Das vergangene Jahr 2021 war das erste Jahr seit langem, in dem Uhlig keine Hochtour an einem 4000er in den Alpen unternommen hat. Sein Lieblingsberg ist der Grand Paradiso in Italien. Der bringt es auf 4.061 Meter und gilt als der höchste Berg, der mit seiner Basis vollständig auf italienischem Boden steht. In diesem Jahr zieht es ihn aber wieder auf einen Gipfel. Was ihn daran so reizt? „Es ist die Unmittelbarkeit mit der Natur und den Bergen und die Antwort auf die Frage: Was schaffe ich?“

Zum Thema:

Job mit vielen Facetten: So charakterisiert der Bau-Bürgermeister Alexander Uhlig (parteilos) seine Tätigkeit im Rathaus in Baden-Baden. Wenn er - wie Sozialdezernent Roland Kaiser (Grüne) - ebenfalls für die Oberbürgermeister-Wahl kandidiert hätte, wäre das aber nicht überraschend gewesen. Sein Name wurde immer wieder gehandelt.

Keine Ambitionen auf Chefsessel: Das frühere CDU-Mitglied Uhlig hatte aber allen Spekulationen frühzeitig ein Ende bereitet. Schon Anfang Oktober erklärte er, nicht für die OB-Wahl zu kandidieren. Bereut hat er seine nach eigenen Angaben „bewusst getroffene Entscheidung“ mit Blick auf die aktuelle Entwicklung und der am 27. März anstehenden Stichwahl bis heute nicht. „Ich fühle mich in meiner Rolle und mit meinem Team sehr wohl.“

Von Pforzheim nach Baden-Baden: Inzwischen ist Uhlig seit 22 Jahren als Bau-Dezernent in der Kommunalverwaltung tätig. 16 Jahre hatte er sein Büro im Rathaus in Pforzheim, seit dem 1. Oktober 2016 ist sein Arbeitsplatz im Rathaus der Bäderstadt. Die Amtszeit des 57-Jährigen geht noch bis zum 30. September 2024.

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Vorschriftsmäßig: In der Fußgängerzone in Baden-Baden schiebt Bürgermeister Alexander Uhlig sein Rad. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

Vorschriftsmäßig: In der Fußgängerzone in Baden-Baden schiebt Bürgermeister Alexander Uhlig sein Rad. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
23. März 2022, 13:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 38sec

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