Bürgermeister will RWE zum Gespräch einladen

Elchesheim-Illingen (as) – Seit mehr als einem Jahr herrscht Funkstille zwischen Gemeindeverwaltung und Rot-Weiß Elchesheim wegen der Sportstättenfrage. Nachdem öffentliche Aufforderungen an den Verein zu Gesprächen nicht fruchteten, will Bürgermeister Rolf Spiegelhalder den Vorstand nun zu einem Gesprächstermin einladen, wie er auf BT-Anfrage erklärt.

Das soll laut Ratsbeschluss die künftige einzige Sportstätte im Ort sein: Blick auf den Sportplatz samt Clubhaus in Illingen. Foto: Vetter

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Das soll laut Ratsbeschluss die künftige einzige Sportstätte im Ort sein: Blick auf den Sportplatz samt Clubhaus in Illingen. Foto: Vetter

Einen neuen Anstoß will die Gemeindeverwaltung Elchesheim-Illingen nun doch in Sachen Sportstättenverlegung wagen. Nach langer Funkstille zwischen Verwaltung und Rot-Weiß-Vorsitzendem Dieter Link sowie dem Austausch von Argumenten zuletzt über den Gemeindeanzeiger (das BT berichtete) kündigte Bürgermeister Rolf Spiegelhalder (Foto: av) auf Anfrage von BT-Redakteurin Anja Groß gestern Morgen an, „die Vorstandschaft des Vereins schriftlich zu einem Gesprächstermin über das weitere Miteinander und das weitere Vorgehen in der Sache ins Rathaus einzuladen“. Die Fragen wurden per E-Mail gestellt und beantwortet.

BT: Herr Spiegelhalder, Sie werfen dem RWE vor, die wiederholte Aufforderung in Gemeinderatssitzungen und in der Öffentlichkeit, wieder in Gespräche einzutreten, nicht erwidert zu haben und fordern erneut zu Gesprächen auf. Wäre es der Sache nicht dienlicher, statt dieser plakativen Aufforderungen einfach zu einem konkreten Gesprächstermin einzuladen?

Rolf Spiegelhalder: Wir sind ja nun nicht seit einigen Monaten mit dem Thema unterwegs, sondern konkret seit dem Jahr 2013. Die Gemeinde bedauert das Vorgehen des Vereins, sich über den Gemeindeanzeiger zu äußern, anstatt die zahlreichen Gesprächsangebote der Verwaltung/Gemeinderat zu nutzen. Wir nehmen dies zum Anlass, die Vorstandschaft des Vereins schriftlich zu einem Gesprächstermin über das weitere Miteinander und das weitere Vorgehen in der Sache ins Rathaus einzuladen. Eine weitere Diskussion über den GAZ hält die Verwaltung jedoch für wenig zielführend.

BT: Sie sagen, der Verein hätte eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen müssen, um die Mitglieder über die zwischenzeitlichen Ergebnisse zu informieren. Was ist damit gemeint?

Spiegelhalder: Der Verein hat im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, sich gegen eine Sportflächenverlegung auf das Gelände des ehemaligen FC Illingen zu wehren. Wie dargelegt, wurden diese Beschwerden in der Gesamtheit alle widerlegt und somit der Beschluss des Gemeinderats für verfahrensrechtlich und gesetzmäßig bestätigt. Insofern erscheint es dann auch geboten, dass die Mitglieder in einer weiteren Mitgliederversammlung über die Ergebnisse der eingereichten Beschwerden informiert werden.

Zukunftsfähige Sportanlage errichten

BT: Der RWE fordert eine Machbarkeitsstudie bezüglich der Sportstättenverlegung. Wäre das bei einem Projekt dieser Dimension nicht sinnvoll?

Spiegelhalder: In Elchesheim-Illingen sind wir mit dem Einverständnis der damals noch beiden Fußballvereine den Weg einer neuen Sportstättenplanung durch Erstellung eines Standortgutachtens gegangen. Man war sich darüber einig, die beiden bestehenden Standorte zu beurteilen und dazu eine dritte Variante mit „Neuanlage“ ebenfalls zu untersuchen. Dabei spielte natürlich auch eine Rolle, wie man sich gegebenenfalls flächenmäßig weiter in die Zukunft entwickeln kann. Weitere Fragen waren die Verkehrserschließung und die Verfügbarkeit von eigenem Gelände. Bei einer Gemeinde unserer Größenordnung ist also diese, mit den Vereinen vereinbarte Vorgehensweise einer Sportstättenplanung, kein unübliches Verfahren. Nach mehreren Gesprächen mit den Vereinen mündete dies dann in einer Einwohnerversammlung (§20aGemeindeordnung). Der Beschluss der Gemeinde zum künftigen Standort der Sportanlagen wurde bekanntlich am 23. Juli 2018 einstimmig gefasst. Jetzt gilt es, diesen umzusetzen und an neuer Stelle eine zukunftsfähige Anlage für die Sporttreibenden in der Gemeinde zu errichten.

Wollen weitere Planung mit dem Verein besprechen

BT: Sie erklären , es sei „davon auszugehen, dass das Vereinsheim in Illingen neu erstellt wird. Bislang war immer von Umbau beziehungsweise Sanierung die Rede. Gibt es diesbezüglich neue Erkenntnisse?

Spiegelhalder: Nein, neue Erkenntnisse gibt es nicht. Der Gemeinderat hat sich im Rahmen einer Sportstättenplanung für den Standort Illingen entschieden. Alle weiteren Planungen wie Wintersportplatz, Clubhaus, Flutlichtanlage und anderes mehr sollen in einem Gespräch mit dem Verein besprochen werden. Die Gemeinde hat keine weiteren konkreten Pläne und keine Vorfestlegungen. Wie in diesen Fällen üblich, muss selbstverständlich hinsichtlich des Vereinsheims die vorhandene Bausubstanz ermittelt werden, damit eine Kostenermittlung und eine Abwägung über Sanierung und Neubau stattfinden kann. Hier spielen die Vorstellungen des Vereins zum Wirtschaftsbetrieb im Clubhaus und auch die Funktionsräume eine wichtige Rolle. Die Verwaltung hätte gerne Planungen und Untersuchungen in Abstimmung mit dem Verein vorangebracht, um gemeinsam eine zukunftsfähige Lösung zu entwickeln.

550000 Euro im Haushalt eingeplant

BT: Das Projekt Sportstättenverlegung dürfte die Millionengrenze an Investitionskosten überschreiten, das gesamte finanzielle Risiko würde beim RWE liegen, beklagt dieser, und fordert ein „einklagbares Recht“ auf in Aussicht gestellte Zuschüsse der Gemeinde. Wäre das vorstellbar?

Spiegelhalder: Im aktuellen Haushalt 2020 sind in Absprache und vorbehaltlich der Genehmigung durch den Gemeinderat bereits pauschal 550000 Euro für die neue Sportstättenplanung eingestellt. Konkret würde es in einem Gespräch mit dem Verein darum gehen, die Sportstätte in Illingen gemeinsam voranzubringen. Dabei würde die Verwaltung gerne die Themen Wintersportplatz, Flutlichtanlage entwickeln, um nicht am Verein vorbei zu entscheiden. Gleiches gilt für das Clubhaus, das sowohl den Sportbetrieb mit Funktionsgebäude als auch den für den Verein wichtigen Wirtschaftsbetrieb abdecken soll. Hier wäre eine Mitarbeit des Vereins unabdingbar, um eine Lösung zu finden, die letztlich dem Verein eine Zukunft bietet. Das Thema Finanzierung und Zuschüsse ist vielfältig und hängt letztlich von Eigentumsverhältnissen, Zuschussmöglichkeiten und Umsetzbarkeit ab. Hier wäre das Thema mit dem Verein zu erörtern. Ich habe einen möglichen Weg aufgezeigt, andere sind denkbar. Hier bedarf es selbstredend weiterer Gespräche mit dem Verein.

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Erstellt:
12. Februar 2020, 07:10 Uhr
Lesedauer:
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