Bürgermeisterin Kerstin Cee seit 100 Tagen im Amt

Hügelsheim (sawe) – Seit 100 Tagen arbeitet sich die neue Hügelsheimer Bürgermeisterin Kerstin Cee in Themen, Projekte und Probleme der Gemeinde ein. Wichtig sei ihr, nah am Bürger zu sein.

Fühlt sich sehr wohl in Hügelsheim und in ihrem Amt: Bürgermeisterin Kerstin Cee. Nur eine passende Bleibe im Ort fehlt noch zum Glück.  Foto: Sabine Wenzke

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Fühlt sich sehr wohl in Hügelsheim und in ihrem Amt: Bürgermeisterin Kerstin Cee. Nur eine passende Bleibe im Ort fehlt noch zum Glück. Foto: Sabine Wenzke

Den Schreibtisch ziert eine weiße Orchidee, an der Wand hängt ein neues Bild, das Schüler gestaltet haben als Dankeschön für die neue Bürgermeisterin Kerstin Cee, weil sie ihnen zum Schuljahresende ein Eis spendiert hat. Es ist ein pfiffiger Farbtupfer in der Amtsstube, in der sich ansonsten nichts verändert hat. Das komme noch, es habe Wichtigeres gegeben, meint die 49-Jährige schmunzelnd, die heute seit 100 Tagen im Amt ist und selbst darüber staunt, wie schnell diese „spannende Zeit“ vergangen ist.
Kerstin Cee fühlt sich sichtlich wohl auf dem Chefsessel und in Hügelsheim. Sie wirkt locker, erzählt gut gelaunt und voller Elan von den vergangenen Monaten, die geprägt waren von der Einarbeitung in die vielschichtigen Themen sowie den zahlreichen Besprechungsterminen auch außerhalb des Rathauses. Aber jetzt seien die Antrittsbesuche geschafft.

Wie viele Stunden ihre Arbeitswoche hat, könne sie gar nicht sagen. Zeitweise sitze sie auch am Sonntag im Rathaus, um sich ungestört dem Aktenstudium zu widmen. „Sonst ist ja hier immer viel Umtrieb.“ Als Beamtin liege die Wochenarbeitszeit bei 40 Stunden, doch diese Zahl stehe nur auf dem Papier. „Bürgermeister ist man an sieben Tagen die Woche, eigentlich rund um die Uhr.“

„Ehrlicher Austausch ist wichtig“

Die Arbeit als Verwaltungschefin habe sie sich größtenteils auch so vorgestellt, bekräftigt Cee: „Mir war bewusst, das man bei einer Größe von Hügelsheim in alle Themen, die den Ort beschäftigen, eingebunden ist.“ Sie wolle auch nah am Bürger sein, das sei ihr wichtig. Eine größere Gemeinde, in der es zwangsläufig anonymer zugeht, wäre für sie nicht infrage gekommen.

Ein klares und überzeugtes „Ja“ kommt aus ihrem Mund bei der Frage, ob sie sich schon angekommen fühlt im Spargeldorf. Sie habe viele Menschen kennen- und schätzen gelernt im Ort und sei bereits „breit gefächert unterwegs bei den Dutzenden Aufgaben und Problemen in der Gemeinde“. Einziges Manko bisher sei, das sie noch keine passende Bleibe gefunden habe und daher weiterhin nach Pfinztal, ihrem Noch-Wohnort, pendeln muss. Sie suche kein Übergangsdomizil für einige Monate, sondern eine langfristige Lösung. Cee: „Ich möchte nur einmal umziehen.“

Kerstin Cee beschreibt sich selbst als ehrgeizig, kritikfähig, und ihren Führungsstil als offen. In Diensten der Gemeinde Hügelsheim stehen insgesamt 83 Mitarbeiter, darunter 25 im Rathaus, 27 im Kindergarten und sieben im Bauhof. Jeden Montag habe sie einen „Jour fixe“ mit den Amtsleitern, mit denen sie sich regelmäßig abstimme. „Ein ehrlicher Austausch ist mir wichtig“, betont die 49-Jährige, die auch schon mit den Einzelgesprächen der Mitarbeiter begonnen hat.

Offene Tür und offene Ohren

Ihre Bürotür sei den ganzen Tag geöffnet. „Das ist nicht nur ein Zeichen meinerseits, sondern wurde auch schon oft für einen spontanen Informationsaustausch genutzt.“ Nach der Sommerpause will sie noch eine Bürgersprechstunde anbieten – einmal im Monat donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

Sämtliche Post geht erst einmal über ihren Schreibtisch, „da weiß man, was passiert im Ort“. Diesen Tipp ihres Vorgängers Reiner Dehmelt hat sie beherzigt, der Bürgermeister a.D. sei auch immer ansprechbar, wenn sie Fragen hat, ist sie dankbar. Gleichwohl will sie eigene Akzente setzen.

Besonders gefreut habe sie, dass sie so herzlich aufgenommen und geduldig in die laufenden Projekte eingeführt wurde. Geärgert habe sie, dass Corona „unser Vereinsleben stark ausbremst“ und viele Veranstaltungen und Jahreshauptversammlungen nicht stattfinden können. Es wäre für sie eine gute Gelegenheit gewesen, die Vereine und ihre Aktiven näher kennenzulernen. Das gelte auch für die Senioren, die sie bisher bei Jubiläen nicht besuchen konnte. Allerdings plant sie in nächster Zeit einen Senioren-Ausflug zum Erdbeercafé nach Iffezheim.

Das Spargelfest wurde dieses Jahr abgesagt und wird auch nächstes Jahr nicht stattfinden, sondern erst 2023, um wieder in den regulären zweijährigen Turnus einzutauchen. Dies habe man bei der Vereinsvertreterversammlung beschlossen.

Viele Projekte seien bereits von ihrem Vorgänger angekurbelt worden und werden weiter verfolgt. „Daneben wollen wir das neue Spielplatzkonzept angehen“. Ihr Herzensprojekt ist freilich die Verkehrsentlastung Hügelsheims, hier wäre sie gerne einen kleinen Schritt weiter. Allerdings habe das Land die Abstimmungen in den Herbst hinein verlegt, sie habe die Zeit jedoch genutzt, um mit dem Regierungspräsidium und den Interessengruppen ins Gespräch zu kommen. Cee: „Hier stehen wir in regelmäßigem Kontakt.“

Lösung für „Heizzentrale“ im Blick

Vorangehen soll es mit dem Neubaugebiet „Ehemalige Heizzentrale“. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) im Boden haben das Areal mit seinen 19 Grundstücken zu einem kommunalen Sorgenkind gemacht. Seit Jahren müssen sich potenzielle Häuslebauer in Geduld üben, weil die Gemeinde nur saubere Grundstücke verkaufen will, die teuren Entsorgungsmöglichkeiten aber ein großes Problem darstellen. Cees Aussage lässt nun aufhorchen und hoffen: „Wir sind jetzt an einer für alle Seiten guten Lösung. Wir brauchen Wohnraum und halten an dem Baugebiet fest.“

Beim Ferienprogramm der Gemeinde wirkt die Bürgermeisterin an zwei Terminen mit. Bereits am Mittwoch lud sie Grundschüler ins Rathaus ein und am 24. August heißt es dann „Jugend meets Bürgermeisterin“. Cee will von den Jugendlichen erfahren, was sie vermissen im Ort und welche Ideen sie haben. Der Austausch soll künftig regelmäßig stattfinden.

Dass frischer Wind im Rathaus weht, zeigt sich auch an der Kommunikation. So bedient sich die fleißige Bürgermeisterin zuweilen, wenngleich wohldosiert, der Social Media, postet Treffen und Termine, weil sie als moderne Verwaltungschefin darin ein Mittel zu mehr Transparenz sieht. Damit erreiche sie auch jüngere Bürger. Sie habe schon positive Rückmeldungen erhalten, wie etwa: „Wir wussten gar nicht, was so alles zum Job einer Bürgermeisterin gehört.“

Nach dem anstrengenden Wahlkampf und den ersten Monaten im Amt plant die Rathauschefin nun ihren ersten Urlaub: Eine Woche ausspannen, Spaziergänge unternehmen, vielleicht ein bisschen baden. Aller Voraussicht nach auf Fehmarn.

Und vielleicht denkt sie dann auch über die künftige Einrichtung ihres Büros nach, die auf jeden Fall weniger Schrankwände und eine Besucherecke haben wird und ganz in Weiß sein soll – wie die schöne Orchidee auf ihrem Schreibtisch.


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