Bürgersaal weiterhin nicht barrierefrei

Kuppenheim (ar) – Das erzbischöfliche Ordinariat Freiburg verweigert die Zustimmung zum geplanten Aufzug zwischen altem Rathaus und St. Sebastianhaus Kuppenheim. Nun muss eine neue Lösung her.

Ein Aufzug hätte das Alte Rathaus (Mitte) und das St. Sebastianhaus (links) verbunden und den Zugang zu den Veranstaltungsräumen im Obergeschoss erleichtert. Foto: Anne-Rose Gangl

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Ein Aufzug hätte das Alte Rathaus (Mitte) und das St. Sebastianhaus (links) verbunden und den Zugang zu den Veranstaltungsräumen im Obergeschoss erleichtert. Foto: Anne-Rose Gangl

Menschen mit Behinderungen sowie alle, die schlecht zu Fuß sind, hatten sich schon gefreut. Der im Obergeschoss liegende historische Bürgersaal im Alten Rathaus in der Kuppenheimer Ortsmitte sollte barrierefrei über einen Aufzug zugänglich werden. Auch die Pläne für eine Anbindung an das katholische St. Sebastianhaus lagen schon auf dem Tisch. Nun kam jedoch die ernüchternde Antwort aus dem Erzbischöflichen Ordinariat aus Freiburg, das die Zustimmung verweigerte.

Seit 2016 bereits wurde nach Möglichkeiten gesucht, um das historische und unter Denkmalschutz stehende Alte Rathaus, dessen Bürgersaal nur über eine geschwungene, enge Treppe erreichbar ist, über einen Aufzug zu erschließen. Wer bisher die vielfältigen kulturellen Veranstaltungen in diesem Ambiente besuchen wollte und zum Beispiel im Rollstuhl saß, musste sich mühevoll in das Obergeschoss tragen lassen. Eingebunden in die Überlegungen wurde die katholische Kirchengemeinde, denn auch der große Saal im benachbarten St. Sebastianhaus kann nur beschwerlich über einen kleinen, eigentlich als Lastenaufzug gedachten Lift, weit ab vom eigentlichen Eingang, sowie über eine Treppe erreicht werden. Die Synergieeffekte durch eine Anbindung an den Aufzug zum Alten Rathaus lagen auf der Hand.

Mußler zeigt sich „irritiert“

Vor zwei Jahren wurde ein Rastatter Architekturbüro mit der Planung eines im hinteren Teil des Alten Rathauses vorgesetzten Glasaufzugs und Ausarbeitung verschiedener Varianten beauftragt, die stets in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt ausgeführt werden mussten. Schließlich hatte er die Idee eines sogenannten „Casa Invisible“, eine verspiegelte Fassade, in der sich das historische Gebäude mit all seinen architektonischen Besonderheiten wie Sprossenfenster, Gewänder und Torbögen gespiegelt und somit die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt hätte. Es hätte sich um ein Quaderbauwerk mit einem Betonkern gehandelt, das eine vorgehängte, acht Millimeter starke Spiegelfassade erhalten hätte. Sogar die Durchfahrtsbreite zwischen Altem Rathaus, Kirche und St. Sebastianhaus wurde in der Planung berücksichtigt. Die Kosten waren auf rund 300.000 Euro geschätzt, welche die Stadt Kuppenheim alleine getragen hätte, einschließlich der Anbindung an das St. Sebastianhaus.

Doch während die Seelsorgeeinheit Vorderes Murgtal Zustimmung signalisiert hatte, zeigte man sich im Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg mit der Baumaßnahme nicht einverstanden. Bereits Ende Januar 2020 ging die Antwort aus der Hauptabteilung Immobilien und Baumanagement der Erzdiözese Freiburg an die katholische Verrechnungsstelle in Rastatt und zur Kenntnis an den damaligen Pfarrer Markus Honé. Begründet wurde die Ablehnung mit der Befürchtung negativer Auswirkungen für die Kirchengemeinde, unter anderem die Reduzierung der Durchfahrtsbreite zum Parkplatz, die Einhaltung der Versammlungsstättenverordnung, rechtliche Einschränkungen wie die Erklärung einer Baulast.

„Trotz mehrfachen Nachfragens im Laufe des Jahres hatten wir keine Antwort erhalten“, zeigte sich Bürgermeister Karsten Mußler in der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Montagabend über die bereits seit einem Jahr vorliegende, ablehnende Entscheidung aus Freiburg irritiert. Man müsse die Antwort akzeptieren, habe aber bisher schon viel Geld für die Planung ausgegeben, kommentierte Mußler. Damit sei der Bau eines Aufzugs an dieser Stelle ausgeschlossen. Die Verwaltung werde in den kommenden Monaten prüfen, welche alternativen Möglichkeiten zur barrierefreien Erschließung des Alten Rathauses vorhanden seien, sagte der Rathauschef.

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Erstellt:
18. Februar 2021, 14:00 Uhr
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