Bürgertest: LAV befürchtet Ausstieg von Apotheken

Stuttgart/Baden-Baden (for) – Der Apothekerverband sieht die geplanten schärferen Regeln für Corona-Testanbieter als zu bürokratisch und unattraktiv an.

Mit schärferen Kontrollen und Genehmigungsverfahren für Test-Anbieter will das Bundesgesundheitsministerium Betrügern den Garaus machen. Foto: Sebastian Willnow/dpa

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Mit schärferen Kontrollen und Genehmigungsverfahren für Test-Anbieter will das Bundesgesundheitsministerium Betrügern den Garaus machen. Foto: Sebastian Willnow/dpa

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am 4. Juni in einem Eckpunktepapier seine Planungen zu Neuregelungen für die sogenannten Bürgertestungen veröffentlicht. Damit will das BMG die schwarzen Schafe unter den Testanbietern ausfindig machen und Betrügern im besten Fall erst gar keine Tür mehr eröffnen. Aus Sicht des Apothekerverbands könnten die verschärften Regelungen aber vor allem auch jene treffen, die die Tests schon seit Monaten gewissenhaft durchführen.

Tür für Betrüger geöffnet

Der großflächige Einsatz von Corona-Tests gilt als wichtiger Bestandteil im Kampf gegen ein erneutes Aufflammen der Pandemie. Doch der schnelle Aufbau der Test-Stationen und die mangelnde Kontrolle hat in der Vergangenheit auch Betrüger eingeladen. Jüngst gab es vielerorts Hinweise auf Anbieter, die die Tests entweder unsachgemäß durchführten oder Tests abrechneten, die es in Wahrheit gar nicht gab. Dem will das BGM nun ein Ende setzen. In einem Eckpunktepapier werden deshalb Neuregelungen skizziert, die die Beauftragung von Leistungserbringern sowie die Vergütung und die Abrechnung erbrachter Leistungen kurzfristig neu fassen sollen.

Der Landesapothekenverband Baden-Württemberg (LAV) befürchtet nun aber, dass sich die geplanten Regelungen auf die testenden Apotheken negativ auswirken und damit für die Test-Landschaft kontraproduktiv sein könnten. „Wenn diese Regelungen so umgesetzt werden, steht zu befürchten, dass viele Apotheken diese Leistungen nicht mehr anbieten werden“, sagt Verbandspräsidentin Tatjana Zambo. In der Konsequenz führe dieses Szenario zu einer deutlichen Ausdünnung der in den Städten und Gemeinden angebotenen Teststrukturen.

Apotheken klagen über bürokratischen Akt

Es könne nicht im Sinne der Teststrategie sein, dass gerade Ärzte und Apotheker, die von Anfang an mit großem heilberuflichem Engagement die Testungen durchführen, jetzt wegbrechen. „Wir fordern deshalb den Verordnungsgeber auf, die in heilberuflicher Arbeit durch Ärzte und Apotheken erbrachten Testleistungen von den geplanten Regelungen ausdrücklich auszunehmen.“

Insbesondere kritisiert der Verband die geplanten Neuregelungen zur Beauftragung von Leistungserbringern. Derzeit hat die Landesregierung in einer Allgemeinverfügung die Apotheken des Landes ermächtigt, entsprechende Testangebote zur Bürgertestung zu machen. Daneben erlaubt die aktuelle Allgemeinverfügung aber auch anderen Anbietern, Corona-Tests durchzuführen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen wie etwa Hygienestandards erfüllen, erklärt Frank Eickmann, Presseverantwortlicher beim LAV. Bislang habe man dafür keinen gesonderten Antrag stellen müssen.

Die Planungen des BMG sehen nun aber vor, dass „eine Beauftragung (…) mittels Allgemeinverfügung der Länder zukünftig nicht mehr möglich“ sein soll, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. An diese Stelle soll eine Einzelbeauftragung rücken. „Das heißt ja, dass jede Apotheke, die bereits seit Wochen und Monaten testet, dann einen einzelnen Antrag stellen muss, um diese Leistung weiter zu erbringen“, erklärt Zambo. „Diesen bürokratischen Akt werden wohl die wenigsten Kolleginnen und Kollegen mitmachen.“

Apotheken verfügen über heilberufliche Kompetenz

Dass sich etwa Kneipenbesitzer oder Einzelhändler eine Sondergenehmigung einholen müssen, um Bürger zu testen, sei durchaus sinnvoll, fügt Eickmann hinzu. Apotheken und Arztpraxen müssten bei dieser Regelung aber ausgenommen werden. „Sie sind die Ersten gewesen, die Corona-Tests angeboten haben. Die Mitarbeiter dort kennen ihr Handwerk, da stimmt die Qualität und im Gegensatz zu fachfremden Anbietern verfügen sie bereits über eine heilberufliche Kompetenz“, sagt er.

Hinzukomme, dass das Eckpunktepapier auch eine Absenkung der Vergütung vorsieht. Die Sachkosten sollen dabei halbiert und der Vergütungsanteil um ein Drittel gesenkt werden. „Konkret bedeute das, dass die Apotheken für einen hochwertigen Test, der etwa sechs Euro kostet, nur noch drei Euro bekommen“, sagt Eickmann auf BT-Nachfrage. Außerdem gebe es statt zwölf Euro Vergütung dann nur noch acht Euro. Zambo kritisiert: „Heilberufliche Qualität kann es nicht zum Nulltarif geben.“ Die Apotheken liefern laut Zambo hochqualifizierte Arbeit ab, setzen Fachpersonal ein, haben immense Aufwände für die entsprechenden Hygienekonzepte und zum Teil sogar Räumlichkeiten angemietet. „Eine Absenkung des Honorars muss hier also unweigerlich zur Rentabilitätsfrage führen, die in vielen Fällen negativ beantwortet werden wird“, befürchtet sie.

LAV begrüßt Qualitätskontrollen

Die im Eckpunktepapier geplanten stärkeren Qualitätskontrollen hingegen begrüßt der Apothekerverband. Zambo sagt dazu: „Wir wissen um die gute Qualität der durch die Apotheken im Land abgelieferten Arbeit – das darf gerne zu jeder Zeit kontrolliert werden.“ Das eigentliche Problem liegt aus Sicht der Apothekerin in der Gesamtstruktur. „Die Testverordnung ist mit ihrer Öffnung für alle möglichen Anbieter über das Ziel hinausgeschossen.“

Nun werde versucht, den dadurch entstandenen Wildwuchs einzufangen. Es dürfe aber nicht sein, „dass diejenigen, die von Beginn an ordnungsgemäß gearbeitet haben, jetzt die Zeche für die Unredlichen bezahlen.“


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