Bundesmittel: Kislau geht leer aus

Bad Schönborn (kli) – Auf dem Gelände des ehemaligen badischen Konzentrationslagers in Kislau möchte ein Verein einen Lernort errichten. Beantragte Bundesmittel dafür fließen vorerst nicht.

Das ehemalige KZ Kislau, im nördlichen Landkreis Karlsruhe, heute eine Außenstelle der JVA Bruchsal.    Foto: Dieter Klink/Archiv

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Das ehemalige KZ Kislau, im nördlichen Landkreis Karlsruhe, heute eine Außenstelle der JVA Bruchsal. Foto: Dieter Klink/Archiv

Der Verein „Lernort Zivilcourage und Widerstand“ (LZW) bemüht sich seit Jahren, auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Kislau (Bad Schönborn, Landkreis Karlsruhe) einen Lernort zu errichten. Landeszuschüsse und Zuwendungen von kommunalen Gebietskörperschaften fließen bereits. Im Herbst hat der Verein einen Antrag auf Bundesförderung eingereicht. Dieser wurde nun nicht bewilligt.Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gibt in diesen Minuten bekannt, welche Projekte im Rahmen der Gedenkstättenkonzeption des Bundes gefördert werden. Kislau gehört nicht dazu.

Stattdessen werden vier Projekte mit insgesamt rund 4,5 Millionen Euro aus dem Kulturetat gefördert. Es handelt sich um vier neue Vorhaben zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus: Die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände (Projektträger: Museen der Stadt Nürnberg), die Sonder- und Wanderausstellung „Täter/innen und Tatbeteiligte im Kontext des Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers Bergen-Belsen (Projektträger: Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), die Sonderausstellung „Die Gestapo vor Gericht“ (Projektträger: Haus der Geschichte Baden-Württemberg) sowie die Ausstellung „Politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 - 1945“ (Projektträger: Menschenrechtszentrum Cottbus).

Vier von neun Projekten erhalten Zuschüsse

Der LZW hatte den Antrag auf Förderung fristgerecht eingereicht und hatte sich erhofft, den Zuschlag zu erhalten. Grundlage der Entscheidung war die Sitzung eines Beratergremiums am 22. Oktober. Insgesamt, so die Pressestelle der Kulturstaatsministerin auf Anfrage gegenüber dem BT, seien neun Anträge im Bereich Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft eingereicht worden. Davon wurden nun vier ausgewählt, die bezuschusst werden. Das Expertengremium sprach gegenüber Grütters Empfehlungen aus und orientierte sich an einem in der Gedenkstättenkonzeption des Bundes festgelegten Kriterienkatalog. Als Kriterien für die Förderung durch den Bund gelten unter anderem die Authentizität des Ortes, die Qualität des Projektkonzepts sowie die Kooperation von Einrichtungen.

Das Land Baden-Württemberg finanziert das Projekt seit 2015, zunächst als Anschubprojekt. 2018 wurde das Projekt in die institutionelle Landesförderung übernommen. Im November 2019 entschied der Landtag, das Projekt mit maximal 750.000 Euro zu bezuschussen, falls exakt dieselbe Summe durch Dritte eingetrieben wird. „Erst dann werden die Landesmittel fließen“, hieß es damals. Mit Fördergeldern beteiligt sind auch der Landkreis Karlsruhe, die Stadt Karlsruhe, der Rhein-Neckar-Kreis, sowie die Städte Bretten, Bruchsal und Waghäusel.

Der Verein LZW war optimistisch, mit seinem Antrag auf Bundesförderung zum Zug zu kommen. Für den Fall der Bewilligung des Bundeszuschusses hatte man weitere Schritte zur Realisierung des Projekts vorgesehen. Einen Plan B gab es nach Angaben aus dem Verein nicht. Für den Fall einer Ablehnung, wie jetzt eingetreten, überlegte man beim LZW, den Antrag eventuell nachzubessern und im kommenden Jahr erneut einzureichen. Die Mittel im Landeshaushalt über 750.000 Euro, die nur fließen, wenn dieselbe Summe von Dritten beigesteuert wird, würden dann nicht verfallen, hieß es. Man stehe nicht unter Zeitdruck. Allerdings würde sich das Projekt weiter verzögern.

Verein speckte Variante ab

In dem ehemaligen Schloss in Kislau war von 1933 bis 1939 das einzige badische Konzentrationslager. Von dort aus wurden viele Gefangenen in die Todeslager gebracht. Heute ist in Kislau eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal untergebracht. Der Verein LZW hatte ursprünglich einen Lernort-Neubau für drei Millionen Euro konzipiert, anschließend eine abgespeckte Variante für 1,5 Millionen Euro ins Spiel gebracht.

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Erstellt:
7. Dezember 2020, 11:30 Uhr
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