Burster seit 60 Jahren in Gernsbach

Gernsbach (stj) – Der Standort der Firma Burster Präzisionstechnik liegt etwas versteckt, fast schon idyllisch, an der Talstraße in Scheuern. Das Unternehmen besteht seit 60 Jahren.

Sensoren, Mess- und Auswertegeräte „Made in Gernsbach“ produziert die Firma Burster an ihrem Standort in Scheuern. Foto: Klaus Lorenz

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Sensoren, Mess- und Auswertegeräte „Made in Gernsbach“ produziert die Firma Burster an ihrem Standort in Scheuern. Foto: Klaus Lorenz

Wer an den Industriestandort Murgtal denkt, dem kommen vor allem die Automobilbranche und die Papierfabriken in den Sinn. Neben den Fahrzeugen mit dem Stern und seiner Zulieferer sowie den Papiermühlen entlang der Murg gibt es ein Unternehmen, das weitgehend unbeobachtet mehr als 8.000 Kunden weltweit beliefert: Burster Präzisionsmesstechnik. Der Standort liegt etwas versteckt, fast schon idyllisch an der Talstraße in Scheuern.

Irmgard und Hubert Burster starteten am 1. Oktober 1961 ihre Erfolgsgeschichte, die mit einem Auto und einer Schreibmaschine als Startkapital in einer Privatwohnung begann. Seit 1964 firmiert das Familienunternehmen, das aktuell 150 Mitarbeiter in Deutschland und 30 im Ausland zählt, in Gernsbach und wird in zweiter Generation von Matthias Burster geführt.

Messtechnische Sensorkomponenten

Auf mehr als 5.000 Quadratmetern werden in Scheuern messtechnische Sensorkomponenten und Geräte zur Messung elektrischer und mechanischer Größen gefertigt und vertrieben. Die Anwendungsbereiche der Produkte aus der Innovationsschmiede Burster sind sehr breit gefächert, sagen Marketing-Leiter Matthias Bodemer und Michael Kast.

Letzterer ist Produkt- und Vertriebsingenieur für Drehmomentsensoren und weiß von spannenden Applikationen zu berichten: Etwa von der Trägerrakete Ariane der Europäischen Weltraumorganisation, für die man einen vakuumtauglichen Drehmomentsensor entwickelt habe. „Dieser muss auch hitzebeständig sein, um die automatische Ausrichtung der Solarpaneelen an die Sonneneinstrahlung in den schwierigen Bedingungen des Weltraums zu überwachen“, erklärt Kast.

Andere Produkte aus dem Hause Burster kommen etwa bei der Herstellung von Insulinpumpen, Windrädern, Ladesteckdosen oder E-Bike-Antrieben zur Anwendung. „Das ist aber nur ein ganz kleiner Ausschnitt. Unsere Produkte kommen in nahezu allen Industriebereichen zum Einsatz. Der Hauptanteil unserer Kundschaft kommt aber aus dem Automotive-Bereich samt Zulieferindustrie“, betont Bodemer. Generell könne man sagen: „Überall, wo Kräfte gemessen werden, wo etwas gepresst wird oder wo sich etwas dreht, werden Burster Sensoren verwendet“, präzisiert Kast. So hatte das Unternehmen etwa bei der Vermessung des Fußballs für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika seine Finger im Spiel, als es daran mitwirkte, dass der Ball so rund ist, wie er sein soll.

Firmenzentrale 1964 eröffnet

Als Meilensteine der nunmehr 60-jährigen Firmengeschichte gelten die Eröffnung der Firmenzentrale 1964 in Gernsbach, der Beginn der Sensorfertigung 1979, die Akkreditierung des Labors beim Deutschen Kalibrierdienst (DKD) 1980, die Entwicklung des ersten busfähigen Drucksensors 1985, die Fertigung des ersten Drehmomentsensors 2010 sowie die Weiterentwicklung vielseitiger Auswerte- und Anzeigegeräte der Digiforce-Reihe 2015. Heute reicht das Spektrum von Sensoren über Messverstärker, Anzeige- und Kalibriergeräte bis hin zur Widerstandsmesstechnik. Auch im Dienstleistungs- und Servicebereich sei man gut aufgestellt. In Zukunft werde das Unternehmen, das seit 40 Jahren am Standort Gernsbach junge Menschen in den Bereichen Elektronik, Industriekaufmann und Fachinformatik für Systemintegration ausbildet, verstärkt dem Wandel im Automobilbereich Rechnung tragen, kündigt Matthias Bodemer an.

Auf mehr als 5.000 Quadratmetern wird in Gernsbach unter höchsten Qualitätsanforderungen produziert. Foto: Klaus Lorenz

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Auf mehr als 5.000 Quadratmetern wird in Gernsbach unter höchsten Qualitätsanforderungen produziert. Foto: Klaus Lorenz

Rückblickend auf die schwere Corona-Zeit könne der Marketing-Leiter feststellen, dass man bei Burster gut auf die Probleme am Markt reagiert habe. Innerhalb kürzester Zeit habe man sich auf die veränderten Arbeitsbedingungen eingestellt und flexibel gehandelt. Im Betrieb selbst gebe es Regeln, die einen weitgehend kontaktarmen Geschäftsalltag sicherstellten. Zudem habe man in die Ausstattung der Kollegen, die daheim arbeiten, investiert – etwa im Bereich IT oder Büroausstattung. „Das war schon eine große Leistung“, betont Bodemer und verweist auf die guten Zahlen, die man trotz der Krise vorweisen könne: So habe Burster sein Halbjahresumsatzziel 2021 bereits vor dem 30. Juni erreicht.

Das kommt nicht nur dem Unternehmen selbst, sondern auch der Stadt Gernsbach (Gewerbesteuer) und dem Murgtal (sichere Arbeitsplätze, Ausbildungsstandort vor Ort) entgegen. Zum Stichwort Fachkräftemangel sagt Michael Kast, dass dies natürlich auch in der Präzisionsmesstechnik eine Herausforderung darstelle, zumal der Bereich „Sensorik schon sehr speziell ist“.

Aber Burster tue viel dafür, um junge Leute und Bewerber für sich zu begeistern, betont Bodemer und verweist auf Aktivitäten an Schulen und Hochschulen sowie für Vereine oder Teilnahmen an Ausbildungsmessen in der Region: „Man muss immer mehr investieren, um gute Leute zu gewinnen. Gut ausgebildete Fachkräfte finden bei uns interessante Jobs in einem zukunftssicheren Unternehmen.“

150 Mitarbeiter beschäftigt

Die am 1. Oktober 1961 gegründete Firma Burster Präzisionsmesstechnik ist Spezialist für Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Mess- und Prüfgeräten, Sensoren und Messsystemen sowie Kalibrierdienstleistungen. Der Hauptsitz befindet sich im Gernsbacher Stadtteil Scheuern. Dort sind 150 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen 30 im Ausland, wo es eigene Niederlassungen in Italien, Indien, China und den USA gibt. In 55 Industrienationen auf allen Kontinenten ist das Unternehmen eigenen Angaben zufolge vertreten, entweder mit Niederlassungen oder Vertretungen. Der Exportanteil der Produkte beträgt 50 Prozent. Von Gernsbach aus werden mehr als 8.000 Kunden weltweit in Industrie, Forschung und Entwicklung bedient.

www.burster.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
30. September 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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