C&A lässt Licht in Mittelbaden an

Bühl/Baden-Baden/Rastatt (uc) – Bekannt ist, dass Modegigant C&A seit Jahren in einer Krise steckt. Nun gibt C&A auf Nachfrage bekannt, dass aber keine Filialschließungen in Mittelbaden geplant sind.

Die Lichter brennen noch: Die mittelbadischen Standorte in Bühl (Foto) Achern, Baden-Baden und Rastatt sind von Sparmaßnahmen bei C&A nicht betroffen. Foto: Ulrich Coenen

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Die Lichter brennen noch: Die mittelbadischen Standorte in Bühl (Foto) Achern, Baden-Baden und Rastatt sind von Sparmaßnahmen bei C&A nicht betroffen. Foto: Ulrich Coenen

Angeblich will Modegigant C&A, der seit Jahren tief in der Krise steckt, in Deutschland 100 seiner 450 Filialen schließen. Die gute Nachricht: Die vier mittelbadischen Geschäfte in Achern, Bühl, Baden-Baden und Rastatt sind nicht betroffen. Dies erklärte Betty Kieß, Pressesprecherin des Unternehmens, auf Anfrage.

„Die Standorte zählen nicht dazu und befinden sich 2022 weiterhin in unserem Portfolio“, teilt Kieß per E-Mail mit. „Für das Jahr 2022 sind in Deutschland 13 Filialschließungen an unterschiedlichen Standorten geplant.“

C&A hatte am 10. November eine Pressemitteilung veröffentlicht, die für Spekulationen über die Zukunft der deutschen Standorte gesorgt hatte. Die angekündigten Modernisierungsprozesse stünden aber nicht im Zusammenhang mit der „Weiterentwicklung unseres Filialnetzes“, stellt Kieß gegenüber dieser Zeitung fest. „Die in diesem Zusammenhang aufgekommenen Fehlinterpretationen in einzelnen Medien wurden in den vergangenen Tagen richtiggestellt.“ Dass das Filialnetz des Bekleidungsunternehmens weiter schrumpft, ist allerdings unstrittig. In Baden-Württemberg ist zumindest im nächsten Jahr allerdings kein Standort betroffen.

Ziel: Geld sparen in ganz Europa

Dass die Situation für C&A schwierig ist, geht aus der Pressemitteilung vom 10. November, in der auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Einzelhandel verwiesen wird, deutlich hervor. Der Konzern will mit der „richtigen Kombination eines digitalen und stationären Ansatzes“ reagieren und damit in ganz Europa Geld sparen. Mit anderen Worten: Das Onlinegeschäft soll gestärkt werden. Dies könne sich, so die Pressemitteilung, auf Arbeitsplätze in Europa auswirken.

Die Frage, ob davon in den nächsten Jahren die vier Standorte in Mittelbaden betroffen sein könnten, wurde von der Pressesprecherin nicht beantwortet. „Die Entscheidung über die Zukunft einzelner Filialen erfolgt grundsätzlich im Rahmen unseres Portfoliomanagements“, konstatiert Kieß. „Dabei werden unsere Standorte regelmäßig im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit überprüft. Einflüsse wie das Marktumfeld aber auch die Stadt- und Handelsentwicklung spielen eine wichtige Rolle.“

C&A wollte auf Nachfrage keine Auskunft zur Mitarbeiterzahl in den vier mittelbadischen Filialen geben, auch nicht zum Umsatz und zur Laufzeit der jeweiligen Mietverträge. Die Frage, ob die Arbeitsplätze in Mittelbaden dauerhaft sicher sind, blieb ebenfalls unbeantwortet. Im Bühler Rathaus macht man sich deshalb Sorgen um die Zukunft der Filiale in der Hauptstraße. Der Bau des sogenannten „Nordtors“ an der Ecke Hauptstraße/Rheinstraße, in der sich die C&A-Filiale befindet, verzögerte sich nach dem bereits 2005 entschiedenen städtebaulichen Ideenwettbewerb. Es gab keinen Investor. Die Vorgängerbauten standen viele Jahre leer.

C&A und Depot wichtige Anbieter

Auf dem 1.500 Quadratmeter großen Grundstück am Eingang zur Innenstadt errichtete der Stuttgarter Investor SEPA gemeinsam mit der Activ-Group aus Schlemmerhofen schließlich ein 2014 eröffnetes Geschäftshaus mit 1.800 Quadratmetern Mietfläche für Handel und 900 Quadratmetern für Büros und Praxen. Ohne den Ankermieter C&A hätte sich das Vorhaben nicht verwirklichen lassen. Für das Ladenlokal über zwei Geschosse dürfte sich so schnell kein alternativer Mieter finden.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr hat seine Wirtschaftsförderin Corina Bergmaier bei C&A anrufen lassen, um sich nach der Zukunft der Bühler Filiale zu erkundigen. Auch die Stadt erhielt keine erschöpfende Auskunft. „Aus meiner Sicht ist C&A im Nordtor gut frequentiert“, meint Schnurr. „Das gilt auch für den zweiten dortigen Filialisten Depot.“

Nach Ansicht des Oberbürgermeisters sind beide Ketten wichtige Anbieter, die das Einzelhandelsangebot in Bühl abrunden. Darüber hinaus sei C&A ein wichtiger Frequenzbringer, den die Stadt nicht verlieren wolle. „Uns fehlt vielmehr noch ein H&M“, meint Schnurr.

In sechster Generation

Das Modeunternehmen C&A wurde 1841 von Clemens und August Brenninkmeijer im niederländischen Sneek gegründet. Es ist bis heute über die COFRA Holding AG im Familienbesitz. Die Holding, die im Bereich Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, Immobilienverwaltung und erneuerbare Energien aktiv ist, wird inzwischen in sechster Generation von Familienmitgliedern geleitet. C&A hat heute rund 1.400 Geschäfte in 18 Ländern Europas. Die internationale Expansion begann 1911. Damals wurde ein Geschäft in Berlin eröffnet. Das C und A im Namen stehen für Clemens und August Brenninkmeijer.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
1. Dezember 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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