CDU Gernsbach vor 75 Jahren gegründet

Gernsbach (BT) – Die CDU Gernsbach feiert 75-jähriges Bestehen: Am 27. April 1946 wurde der Ortsverband der Badischen Christlichen Sozialen Volkspartei aus der Taufe gehoben.

CDU-Vorsitzender Dirk Preis stöbert im Ordner mit historischen Unterlagen aus 75 Jahren Parteiengeschichte. Foto: CDU

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CDU-Vorsitzender Dirk Preis stöbert im Ordner mit historischen Unterlagen aus 75 Jahren Parteiengeschichte. Foto: CDU

Unter den Gründungsmitgliedern war laut Mitteilung des Stadtverbands der katholische Stadtpfarrer Bernauer, und die erste Mitgliederliste umfasst 25 Gernsbacher Namen: Zimmerer Karl Kugel, der Kaufmann Karl Seiberling, Johannes Karcher, Viktor Zirlewagen, Ratsschreiber Heinrich Fortenbacher, Metzgermeister Karl Gleisle oder der Großvater des heutigen Gemeinderats Stefan Eisenbarth, der Schneidermeister Anton Krieg und viele weitere Bürger.

Dirk Preis, aktueller Vorsitzender der Gernsbacher CDU, blättert in einem Ordner mit Zeitungsausschnitten und alten Protokollen. „Das ist ein Ordner voller Politikgeschichte“, sagt Preis und stöbert in 75 Jahren deutscher Nachkriegsgeschichte. Sitzungsprotokolle, Wahlprospekte oder Adenauers historischer Brief an die „lieben Landsleute“.

„Die CDU war geprägt von den Erfahrungen der Nazidiktatur, orientiert an Freiheit und christlicher Verantwortung für den Nächsten und für die Schöpfung“, so der Vorsitzende. Auch ein Stück Kommunalgeschichte spiegelt sich in dem Ordner mit alten Unterlagen wider. „Das Ringen um die richtigen Antworten und Lösungen prägt die Jahrzehnte des politischen Engagements Gernsbacher Bürger, die in der CDU eine politische Heimat gefunden haben“.

Dirk Preis zeigt auch auf die vielen kommunalpolitischen Themen. „Man meint, dass schon vor Jahrzehnten die Themen Ortsumgehung und Tunnel, Belebung der Altstadt, Brückenmühle und Schwimmbadfragen die beherrschenden Themen waren.“ Das sei bemerkenswert und für die heute Verantwortlichen ein gewisser Trost, dass manche Themen eben einen großen historischen Bogen benötigten. In den 90er-Jahren habe die Gernsbacher CDU mit „Umwelttagen“ Akzente gesetzt. So war der erste baden-württembergische Umweltminister Erwin Vetter zu Gast in der Stadthalle.

Rosel Erbacher erste Vorsitzende

Die Parteigründung war 1946 von der französischen Besatzungsmacht genehmigt worden und erfolgte, um „in der Südwestecke Deutschlands das Musterländle wieder auferstehen zu lassen“. Der langjährige Gernsbacher Stadtrat Hubert Heppeler hatte die Quellen aufbereitet, aus denen sich die Motive für die Gründung einer christlich-sozialen Partei ergaben. „Heute hat im Vordergrund das Einigende zu stehen“, Ziel war ein christlicher Sozialismus mit dem Recht auf Arbeit und gerechten Lohn. Die christlichen Wertvorstellungen spielten für die Gründer, Mitglieder und Wähler der Partei eine entscheidende Rolle. Leidenschaftlicher Verfechter war der Landesvorsitzende Leo Wohleb, früherer Direktor des Gymnasiums Hohenbaden in Baden-Baden, bis zur Gründung des Landes Baden-Württemberg Staatspräsident von Südbaden.

Bei den ersten Kommunalwahlen im September 1946 erhielt die christlich-soziale Partei 44 Prozent der Stimmen. Die „Rastatter Nachrichten“ berichteten von einem „gedeihlichen Zusammenwirken zur Bewältigung der schwierigen Aufgaben“. Später ging dann die Badische Christliche Soziale Volkspartei in die CDU auf, deren Bezeichnung „Union“ die Zusammenschlüsse regionaler christlicher Parteien dokumentiert. Im Jahr 1978 wurde nach den Eingemeindungen der CDU-Stadtverband Gernsbach gegründet und mit Rosel Erbacher eine Frau zur ersten Vorsitzenden gewählt. Die damals selbstständigen Ortsverbände Reichental und Obertsrot-Hilpertsau gingen später im Stadtverband Gernsbach auf.

Die Gernsbacher CDU-Mitglieder wollen sich pandemiebedingt diese Woche in einer Online-Veranstaltung treffen und an die Gründung erinnern. „Wieder sind es besondere Umstände für eine Versammlung“, stellt der heutige Vorsitzende Dirk Preis fest. Geplant ist eine Bilderschau mit eingescannten Unterlagen aus dem historischen Ordner und Grußworten der beiden CDU-Abgeordneten Kai Whittaker (Bundestag) und Dr. Alexander Becker (Landtag). „Das wird sicherlich eine besondere virtuelle Zeitreise“, meint Preis, eine echte Feier in Präsenz sei „derzeit leider nicht möglich“.


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