CDU und Grüne verlieren Stimmen in Bühl

Bühl (sre) – Nicht nur die CDU muss in Bühl Federn lassen: Auch die Grünen verlieren in der Zwetschgenstadt im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren einige Wähler.

Wahltag in Corona-Zeiten: Im Bürgerhaus werden alle acht Briefwahlbezirke der Stadt ausgezählt. Foto: Sarah Reith

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Wahltag in Corona-Zeiten: Im Bürgerhaus werden alle acht Briefwahlbezirke der Stadt ausgezählt. Foto: Sarah Reith

Trotz neuer Software, Corona-Bedingungen und einem Rekord bei den Briefwählern ist kurz vor 20 Uhr in Bühl alles erledigt: Die Wahlhelfer können Feierabend machen, die Ergebnisse aus den 25 Wahllokalen und den acht Briefwahlbezirken stehen fest. Letztere wurden allesamt im Bürgerhaus Neuer Markt ausgezählt, das so zu einer besonderen „Wahlzentrale“ mutierte. Denn fast die Hälfte der Stimmen, die insgesamt in Bühl abgegeben wurden, landeten dort auf den mit großem Abstand aufgestellten Tischen der Wahlhelfer: Stolze 48,5 Prozent der abgegebenen Stimmen waren per Briefwahl eingegangen. Zum Vergleich: 2016 waren es nur 19,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gewesen.

Mit Abstand stärkste Kraft auch in Bühl sind die Grünen geworden: Sie haben 33,7 Prozent der Stimmen erreicht. Dennoch ist das ein leichtes Minus im Vergleich zu 2016: Damals waren in der Gesamtstadt sogar 34,9 Prozent der Stimmen an die Grünen gegangen. Deutlich stärker ist allerdings das Minus bei der CDU: Sie rutscht von 32 Prozent auf nun 28,4 Prozent ab. Verbessern können sich dagegen die SPD von 8,7 auf nun immerhin 11,5 Prozent und die FDP, die von 7,2 auf 8,3 Prozent klettert. Ein klares Minus hat die AfD zu verbuchen – sie rutscht in Bühl von zwölf auf nur noch 7,5 Prozent.

Auffallend beim Abstimmungsverhalten sind die Abweichungen zwischen den Briefwählern und den Wählern in den Wahllokalen. So liegt die AfD bei den Briefwählern nur bei 4,6 Prozent, während zum Beispiel Grüne und CDU bei den Briefwahlbezirken besser abschnitten als im Gesamtergebnis. Ein Blick in die Außenstadtteile ist in Anbetracht der hohen Briefwahlanteile dagegen nicht ganz so aussagekräftig wie normalerweise – schließlich muss stets bedacht werden, dass die Briefwähler nicht dem Stadtteil zugeordnet werden können, in dem sie leben.

Viele Bühler machen ein Kreuzchen: Die Wahlbeteiligung liegt bei 65 Prozent. Foto: Bernhard Margull

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Viele Bühler machen ein Kreuzchen: Die Wahlbeteiligung liegt bei 65 Prozent. Foto: Bernhard Margull

„Das Ergebnis entspricht dem Landestrend“, urteilte Oberbürgermeister Hubert Schnurr am Abend. Erfreulich sei die erneut relativ hohe Wahlbeteiligung in Bühl. Diese lag bei 65 Prozent. Der Tag sei reibungslos und ohne Zwischenfälle abgelaufen. Er selbst habe am Nachmittag alle Wahllokale besucht. Die Wähler seien sehr diszipliniert gewesen. GAL-Fraktionschef Walter Seifermann zeigte sich mit dem Ergebnis der Grünen sehr zufrieden. „Das zeigt, dass die Grünen auch in schwierigen Zeiten regieren können“, meinte er mit Blick auf die Corona-Pandemie. Die Partei sei nun in der komfortablen Situation, dass es zum Beispiel für Grün-Schwarz oder für eine Ampel-Koalition reichen würde. Wichtig sei auch, „dass die AfD langsam auf Normalmaß gestutzt wird“. Dass Landtagsabgeordneter Hans-Peter Behrens (Grüne) als Bühler in der Zwetschgenstadt ein gutes Ergebnis eingefahren habe, sei zu erwarten gewesen, sagte er mit Blick auf das Ergebnis vor Ort.

„Ich hätte mir für Tobias Wald mehr Stimmen gewünscht“, sagte dagegen Margret Burget-Behm, stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende. „Er macht seine Arbeit aus meiner Sicht gut.“ Auch für Susanne Eisenmann sei es schwierig gewesen, gegen einen langjährigen Landesvater anzutreten. Trotzdem verdiene sie Respekt, „sie hat sich getraut“. „Die Talfahrt der SPD zu stoppen, ist leider nicht gelungen“, kommentierte SPD-Fraktionschef Peter Hirn. Das schlechte Ergebnis seiner Partei werde „der engagierten Arbeit der Landtagsfraktion nicht gerecht“. Dass die Grünen erneut stärkste Partei in Baden-Württemberg geworden seien, könne er nicht verstehen: „Außer Kretschmann war ja da nicht viel.“ Sein Fazit in Bezug auf die SPD: „Wunden lecken reicht nicht.“

„Wir sind sehr froh, dass wir zugelegt haben und dass die AfD verloren hat“, zeigte sich Norbert Zeller, stellvertretender FDP-Fraktionschef, zufrieden mit dem Ergebnis in Bühl und landesweit. Mit dem deutlichen Plus habe man nicht gerechnet.

In 25 Wahllokalen geben Bühler Bürger bei der Landtagswahl ihre Stimme ab. Foto: Bernhard Margull

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In 25 Wahllokalen geben Bühler Bürger bei der Landtagswahl ihre Stimme ab. Foto: Bernhard Margull

Karl Ehinger, Fraktionschef der Freien Wähler, beglückwünschte Hans-Peter Behrens zu seinem guten Ergebnis. Es sei zu hoffen, dass auch Tobias Wald (CDU) es in den Landtag schaffe, „damit wir gut im Landtag vertreten sind.“ Nun sei es spannend, „wie es in Stuttgart weitergeht“. Es gebe viele Aufgaben: von der Unterstützung der von Corona gebeutelten Wirtschaft über die Digitalisierung bis hin zum Thema Klimawandel. „Aber als Erstes ist die Pandemie zu bewältigen.“

AfD-Stadtrat Peter Schmidt, der am Abend bei der Kundgebung in Ottersweier gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert und auch eine Rede gehalten hatte, nahm das Ergebnis seiner Partei gelassen auf. „Wir hätten uns ein bisschen mehr gewünscht, aber wir sind stabil dabei und das freut uns“, sagte er. Dass die AfD in Bühl nur 7,5 Prozent der Stimmen erreicht habe, sei schade. Aber man werde weiterarbeiten und versuchen, die Menschen über die geleistete Arbeit zu überzeugen.

Theo Kaufmann vom Organisationsteam von Fridays for Future in Bühl zeigte sich mit dem Wahlergebnis zufrieden. „Diese Wahl ist zukunftsweisend für den Klimaschutz“, machte er klar. Die Fridays-for-Future-Aktivisten hätten die Hoffnung, dass die erstarkten Grünen ihre Ziele in Bezug auf den Klimaschutz in den Koalitionsverhandlungen umsetzen könnten. Schließlich seien die Ziele bei Wind- und Solarkraft bisher verfehlt worden.

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Erstellt:
14. März 2021, 23:35 Uhr
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