„Champagnerzeiten sind vorbei“

Baden-Baden (sre) – Nachdem die Weihnachtsmarkt-Buden in der Innenstadt für Aufregung gesorgt haben, wirbt Christkindelsmarkt-Organisator Jörg Grütz weiterhin für die Hütten im Zentrum.

Sorgen seit Wochen für Aufregung: Die Weihnachtsmarkt-Buden, die noch immer in der Innenstadt stehen. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Sorgen seit Wochen für Aufregung: Die Weihnachtsmarkt-Buden, die noch immer in der Innenstadt stehen. Foto: Monika Zeindler-Efler

„Klar, es war ein Schnellschuss“: Mit diesen Worten reagiert Jörg Grütz, seit 19 Jahren Leiter des Baden-Badener Christkindelsmarkts, auf die Kritik an den Weihnachtsbuden in der Innenstadt. Man habe das Angebot in wenigen Tagen auf die Beine gestellt, deshalb sei nicht alles ideal gelaufen. Grundsätzlich hält er das Konzept aber für zukunftsfähig. Es sei eine Möglichkeit, dem darbenden Einzelhandel zu helfen.

Viel Planung und wenig Zeit

Man könne kein perfektes Angebot erwarten, „wenn man sich montags entscheidet, dass samstags Buden stehen sollen“, wirbt Grütz für Verständnis. Als die Verwaltung auf Druck aus dem Gemeinderat reagierte und beschloss, doch noch ein dezentrales Weihnachtsmarkt-Angebot umzusetzen, wendete man sich an Grütz. Er stellte die Hütten zur Verfügung, organisierte Händler und übernahm die Logistik. Schließlich sei vieles zu bedenken, sagt der Geschäftsführer der City-Marketing und Event GmbH – Aufgaben, die man in „zwei Nachtschichten“ erledigt habe: Die Händler bräuchten Strom, müssten irgendwoher Wasser bekommen, eine Toilette benutzen können, benötigten eine Parkmöglichkeit. Zudem sei es nicht einfach gewesen, so kurzfristig überhaupt Händler zu finden: Viele hätten im Januar 2020 den letzten Umsatz gemacht, seien in schwierigen Situationen und hätten teils keine Ware organisieren können. Die Liste an Kandidaten sei „sehr schnell sehr klein geworden“.

Jörg Grütz organisiert den Christkindelsmarkt. Foto: Sarah Reith

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Jörg Grütz organisiert den Christkindelsmarkt. Foto: Sarah Reith

Schließlich habe man sich entschieden, neben Kunsthandwerk auch Waren des täglichen Bedarfs als „Frequenzbringer“ anzubieten. Dass zum Beispiel der Schokoladenstand so nahe bei Lindt platziert worden sei, sei natürlich nicht gut, aber anders sei es nicht gegangen: Dort habe nur eine kleine Hütte Platz gefunden, wegen der Feuerwehrzufahrt – dafür sei nur die Schokolade in Frage gekommen.

Trotz der Kritik, weil die Hütten weiterhin stehen bleiben sollen, hält Grütz diesen Weg für richtig. Die Stadt biete damit eine Plattform, die man nur bespielen müsse. Er verweist auf die dramatische Situation der Baden-Badener Einzelhändler. Vielen stünde das Wasser bis zum Hals – und das nicht erst seit Corona. „Die Champagnerzeiten sind vorbei“, ist er überzeugt. „Baden-Baden hat den Anschluss verpasst.“ Man habe im Einzelhandel viel zu lang auf reiche russische Touristen gesetzt, sagt Grütz, der gemeinsam mit seiner Frau auch die Boutique „Jolie de Laine“ betreibt. Man müsse sich interessanter machen für die lokalen Einkäufer. Und man könne nicht warten, bis irgendwann vielleicht wieder so viele Touristen kämen wie 2019. „Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist zwölf.“

Christkindelsmarkt in der Innenstadt

Den Christkindelsmarkt auf die Innenstadt auszudehnen, sei eine von vielen Möglichkeiten, diese zu beleben. Ein entsprechendes Konzept habe er schon vor Jahren gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe aus dem Vorstand der Einzelhändlerinitiative Baden-Baden Innenstadt (BBI) ausgearbeitet. Leider sei das damals im Sande verlaufen. Dabei habe der Markt 500.000 Besucher im Jahr – diese Menschen müsse man nur in die Stadt lenken.

Natürlich müsse die Idee weiterentwickelt werden. So könnten die Hütten kleiner sein und eine ansprechendere Farbe haben. Dann könne man auch leicht doppelt so viele verteilen – allein auf der freien Fläche gegenüber von Böckeler hätten drei Platz.

Und auch für andere Events im Lauf des Jahres kämen die Buden infrage, meint Grütz. Zum Beispiel könnten dort Baden-Badener Winzer ihre Weine präsentieren – was gleich auch einen Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag böte. Deshalb wolle er die jetzigen Buden am Samstag in einer Woche auch noch frühlingshaft umdekorieren, „einfach um zu zeigen, dass es geht“.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
5. Februar 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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