Chef der Baden-Badener Einzelhändler-Vereinigung tritt zurück

Baden-Baden (BNN) – Matthias Vickermann legt das Amt als Vorsitzender der Initiative Baden-Baden Innenstadt (BBI) nieder. Dabei übt er Kritik am Verhalten vieler Geschäftsinhaber der Kurstadt.

Nach achteinhalb Jahren an der BBI-Spitze zieht sich Matthias Vickermann zurück. Foto: Bernd Kamleitner

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Nach achteinhalb Jahren an der BBI-Spitze zieht sich Matthias Vickermann zurück. Foto: Bernd Kamleitner

Die Corona-Pandemie hat viele Einzelhändler in eine tiefe Krise gestürzt. Auch in Baden-Baden sind Unternehmen vom Ausbleiben der Kundschaft und der zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel betroffen. Ausgerechnet in dieser schweren Zeit muss sich die Initiative Baden-Baden Innenstadt (BBI) nach einem neuen Vorsitzenden oder einer neuen Vorsitzenden umschauen. Der amtierende erste Mann des Vereins, Matthias Vickermann, hat sein Amt niedergelegt.

Für Insider kommt der Schritt nicht überraschend. Bereits im Herbst wollte der gebürtige Dortmunder sein BBI-Amt zur Verfügung stellen. Doch im Verein zur Stärkung der Innenstadt und Vertretung der Interessen der Geschäftsleute fand sich niemand, der die Verantwortung übernehmen wollte. Vickermann machte weiter.

Jetzt ist das Fass aber doch übergelaufen. „Der Frust hat sich in Jahren aufgestaut“, gibt der enttäuschte BBI-Mann einen Einblick in seine Gefühlswelt und erläutert damit auch eine wesentliche Ursache für seine Entscheidung. „Nach einer gewissen Zeit muss es neue Impulse geben“, begründet er seinen Schritt gegenüber dieser Redaktion. Das sei auch in Abstimmung mit seiner Familie geschehen, erklärt der zweifache Familienvater.

Einsatz nicht bereut

Am Montag hat Matthias Vickermann zunächst seine Vorstandsmitglieder per E-Mail über seinen Rückzug informiert. Ein zweites elektronisch verschicktes Schreiben wurde an Oberbürgermeisterin Margret Mergen, den für den Einzelhandel zuständigen Bürgermeister Roland Kaiser und an den städtischen Wirtschaftsförderer Martin Lautenschläger adressiert.

Achteinhalb Jahre stand der auf Maßschuhe spezialisierte Schuhmachermeister und Wahl-Baden-Badener an der BBI-Spitze. Formal ist er das auch noch, bis ein Nachfolger im Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen ist. In der BBI sind Gespräche über mögliche Bewerber unterdessen bereits angelaufen, berichtet der scheidende Vorsitzende. Doch mit der Besetzung der ehrenamtlichen Vereinsspitze tun sich viele Vereine schwer. Vickermann gibt sich aber optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass wir kurzfristig jemanden finden.“

Seinen Einsatz für Baden-Baden als Vorsitzender des Einzelhändler-Zusammenschlusses bereut er trotz Enttäuschungen keineswegs. „Baden-Baden hat so viele tolle Facetten und viele tolle Akteure. Ein Zahnrad ist Shopping“, betont Vickermann. Daran mitzuwirken und das Geschehen mitzugestalten, das war sein Antrieb.

Dass in der Stadt, die mit dem guten Leben an der Oos international um Gäste wirbt, unter den Einzelhändlern nicht alles so glänzt wie manche Auslage in den bunten Schaufenstern, verschweigt Vickermann aber nicht. „Baden-Baden könnte viel leistungsfähiger sein, wenn viele nicht einzeln handeln würden, sondern sich mit anderen engagieren.“

Beschwerden auch aus den eigenen Reihen

Zum Beispiel bei verkaufsoffenen Sonntagen. An solchen mit großem Aufwand beworbenen BBI-Aktionen hätten auch viele Einzelhändler ihre Geschäfte geöffnet, die nicht dem Verein angehören. Vickermann ist das aufgestoßen: „Das gehört sich nicht! Ich kann nicht von einem System abgreifen, in das ich nicht selbst einspeise“, kritisiert er. Doch damit nicht genug. Vielfach habe er zudem kritische Stimmen vernommen – von Händlern außerhalb der BBI. Vickermann kritisiert, dass sie zudem keine Bereitschaft zur Mitarbeit für die gemeinsame Sache erkennen ließen.

Beschwerden gab es zuletzt auch aus den Reihen des Einzelhandels hinsichtlich der kurzfristig in Baden-Baden eingeführten Bändchen-Aktion. Dabei steckte dahinter ein enormer Aufwand für die Umsetzung, betont Vickermann. Die sei innerhalb von nur zwei Tagen erfolgt. Mit dem zentral an einem Stand am Leopoldsplatz und in der Wagener Galerie ausgegebenen 2-G-Bändchen können Geimpfte und Genesene Geschäfte betreten, ohne jedes Mal ihren Impf- oder Genesenen-Ausweis vorzeigen zu müssen. Die Papierbändchen werden um das Handgelenk angelegt und gelten jeweils einen Tag.

Der städtische Wirtschaftsförderer Lautenschläger sprach jüngst von aktuell 30 Leerständen unter den rund 300 Geschäften in der Bäderstadt. Organisiert im Verein BBI ist nur ein Bruchteil. Laut Vickermann sind aktuell etwa 45 Mitglieder registriert, darunter aber nicht nur Einzelhändler, sondern auch Einrichtungen wie etwa das Casino.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
28. Dezember 2021, 18:30 Uhr
Lesedauer:
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