Chronologie der ersten Welle der Corona-Pandemie

Stuttgart (bjhw) – Ein halbes Jahr liegt der erste Coronafall im Land zurück: Eine Chronologie der ersten Welle der Pandemie in Baden-Württemberg.

Ende April werden nach und nach die Grenzübergänge – hier die Wintersdorfer Brücke – wieder geöffnet. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Ende April werden nach und nach die Grenzübergänge – hier die Wintersdorfer Brücke – wieder geöffnet. Foto: Frank Vetter/Archiv

Vor einem halben Jahr erreichte Covid-19 Baden-Württemberg. Ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Göppingen hatte sich in Italien angesteckt und seinerseits das Virus an seine Freundin und deren Vater weitergegeben. Seither sind im Land mehr als 40000 Infizierte bekannt geworden, etwa 36000 sind wieder genesen, fast 1900 gestorben. Ein Rückblick auf die erste Welle.

25. Februar, später Abend

Ein Italien-Reisender aus dem Kreis Göppingen ist der erste bekannte Infizierte. Alle 13 Kontaktpersonen des Italien-Reisenden werden ausgeforscht. Seine Freundin und ihr Vater sind ebenfalls erkrankt.

3. März

Französische Gesundheitsbehörden haben im Grenzgebiet zu Deutschland mehrere Fälle des neuartigen Coronavirus bestätigt.

11. März

Elsass und Lothringen werden als Corona-Risiko-Gebiete eingestuft. Großveranstaltungen im Südwesten mit mehr als 1000 Besuchern verboten.

12. März

Der 67-jährige Ehemann einer Frankreich-Rückkehrerin wird als erster Corona-Toter im Land eingestuft. Die Zahl der bisher positiv Getesteten steigt auf 569. KSC und VfB beschließen Liga-Spiele ohne Zuschauer.

13. März

OB Fritz Kuhn (Grüne) gibt für die Landeshauptstadt im bundesweiten Vergleich drastische Maßnahmen bekannt: Alle Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Sport und Freizeit sowie Besuche in Alten- und Pflegeheimen werden untersagt, ebenso der Betrieb von Clubs, Bars, Museen, Kinos, Bädern und Bordellen.

16. März

An den Grenzen zu Frankreich und zur Schweiz gehen die Schlagbäume herunter. Alle Schulen haben von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) noch einen Tag zugestanden bekommen, um sich auf die Schließung vorzubereiten.

19. März

Der Landtag entscheidet, die Schuldenbremse auszusetzen und einen fünf Milliarden Euro schweren Corona-Rettungsschirm aufzuspannen.

22. März

Für vorerst zwei Wochen verschärft die Landesregierung alle Einschränkungen im öffentlichen Leben: Es dürfen nur noch bis zu zwei Menschen zusammen draußen unterwegs sein. Ausnahmen gibt es allein für Familien. Der Mindestabstand muss mindestens 1,5 Meter betragen. Die Zahl der bisher Infizierten ist auf 4300 gestiegen, die der Toten auf 27. Viele Fälle gehen weiterhin auf Skifahrer zurück, inzwischen vor allem aus dem österreichischen Ischgl. Die Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Ulm nehmen schwerkranke Patienten aus dem Elsass auf.

31. März

Mehr als 70000 Firmen haben Kurzarbeit angemeldet. Hilfen in Höhe von 14 Millionen Euro sind ausbezahlt. Solo-Selbstständige und Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden, können einmalig bis zu 9000 Euro erhalten, die sie nicht zurückzahlen müssen. Für Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten gibt es maximal 15000 Euro, für Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten gibt es allerhöchstens 30000 Euro.

3. April

Seit Ausbruch der Pandemie haben sich mehr als 600 Ärzte und Pfleger infiziert. Schutzausrüstung ist knapp geworden, das Land versucht, sie auch selbst zu besorgen. Auf dem Weltmarkt sei aber „Wildwest“ ausgebrochen, beklagt der Sozialminister. Im Zusammenhang mit einem Evangelikalen-Treffen in Mulhouse ist erstmals von einem Corona-Cluster die Rede.

6. April

Die Zahl der bekannten Infizierten im Land ist auf 20029 gestiegen und um 742 an nur einem Tag, die Zahl der Todesfälle auf 427. Mehr als 5000 Medizinstudierende haben sich gemeldet, um freiwillig zu helfen. Der erste Flug mit rumänischen Erntehelfern, der am Baden-Airpark landen wird, ist angekündigt.

17. April

In einem Schlachtbetrieb im Enzkreis sind 90 von 250 Beschäftigen mit dem Virus infiziert. Unter Auflagen wird dennoch weitergearbeitet. Nach vier Wochen Stillstand in großen Teilen der Produktion kündigt Daimler an, seine Werke wieder hochzufahren.

21. April

Die Landesregierung verändert ihre Haltung zum Tragen von Masken. Eine Tragepflicht beim Einkaufen und im Nahverkehr wird beschlossen. Außerdem wird eine Studie über die Anfälligkeit von Kindern in Auftrag gegeben.

25. April

In Stuttgart findet die erste Anti-Corona-Demo statt. Die Zahl der bekannten Infizierten ist auf 30739 gestiegen, die der Toten auf 1237. Mehr als 20000 Menschen sind wieder genesen. Krankenhaus-Ärzte geben eine erste vorsichtige Entwarnung, weil es bisher zu keinen Kapazitätsengpässen gekommen ist. Eine Lockerung der Besuchsverbote für Alten- und Pflegeheime wird angekündigt.

6. Mai

Die Koalition beschließt, Grundschulen und Kita schrittweise wieder zu öffnen. Ein Ampel-System wird erarbeitet: Nach Gottesdiensten, Zoos und Friseuren sollen in den kommenden Wochen in vielen weiteren Bereichen des Alltags Lockerungen möglich werden, darunter in der Gastronomie, in Fitnessstudios oder Fahrschulen. Weiterhin auf jeden Fall untersagt bleiben Großveranstaltungen.

18. Mai

Grenzkontrollen zu Franken und der Schweiz werden gelockert. Die Zahl der seit Februar bekannten Infizierten liegt bei 34006, die Reproduktionszahl aber unter eins. Das heißt, dass jeder der aktuell rund 4000 Erkrankten inzwischen weniger als einer Person ansteckt. Es gehe aufwärts, „wir haben viel erreicht“, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Das Virus sei aber weiter „unter uns“.


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