Cité: Drittes Mehrgenerationenprojekt angepeilt

Baden-Baden (hol) – Auch im 20. Jahr seit Beginn der Umwandlung rollen in der Baden-Badener Cité die Bagger. Dort wird bereits das dritte Mehrgenerationenprojekt angepeilt.

Baustelle in der Ufgaustraße: Daneben steht das neue Mehrgenerationenhaus „Bretonen“ (links, oben). Foto: Harald Holzmann

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Baustelle in der Ufgaustraße: Daneben steht das neue Mehrgenerationenhaus „Bretonen“ (links, oben). Foto: Harald Holzmann

Es ist ein Mammutwerk: Die Umwandlung des ehedem vom französischen Militär genutzten und und von seinen Angehörigen bewohnten Gebietes der Cité in einen lebendigen Stadtteil im Westen der Kurstadt geht ins 20. Jahr. Doch die Baumaschinen rollen immer noch. Vor allem Wohnhäuser wachsen in die Höhe.
Beispielsweise in der Ufgaustraße: Entlang einem Seitenast der Straße, der hinauf führt bis an den Rand des Jagdhäuser Waldes, entstehen elf Gebäude – sieben Wohnblocks mit jeweils bis zu sechs Wohnungen und vier Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnungen. Es ist eines der letzten großen Baufelder im Bestand der Entwicklungsgesellschaft (EG) Cité gewesen, wie deren Geschäftsführer Markus Börsig sagt. Jetzt wird die Fläche von unterschiedlichen Bauherren bebaut – bis auf zwei kleine Bereiche: Rückzugsgebiete für die Zauneidechsen, die auf dem Areal entdeckt wurden.

Ein Grundstück weiter westlich ist ein neues Mehrgenerationenhaus entstanden. Die ersten „Bretonen“, so nennt sich die Gruppe, die das Projekt geplant und realisiert hat, werden im September einziehen. Insgesamt 26 Wohneinheiten samt Gemeinschaftsraum gehören zu dem Projekt. Die Handwerker sind gerade dabei, letzte Hand anzulegen.

Auf der Zielgerade befinden sich auch zwei Wohnblocks an der Einmündung Ufgaustraße, Straßburger Straße. Sie sind exakt baugleich, wie Annette Sauer von der EG Cité betont – um Kosten zu sparen. Einer wird von der Stadtbaugesellschaft GSE errichtet, der andere von der Baugenossenschaft Familienheim – mit einer gemeinsamen Zufahrt zu den Tiefgaragen. Insgesamt entstehen 28 Mietwohnungen. Die Energie für beide Gebäude wird mit Blockheizkraftwerken gewonnen. „Dadurch können wir von der GSE unsere Mieter selbst mit Strom versorgen“, sagt Börsig. Das ist neu für Baden-Baden. Neu ebenfalls: Die GSE hat vom Land für den gesamten Neubau Fördergeld für sozialen Wohnungsbau bekommen. Die Sozialwohnungen werden aber nicht vor Ort in der Cité realisiert, sondern in einem anderen Wohnblock der GSE in der Briegelackerstraße. Dort sinken die Mieten nun in mehr als 14 Wohnungen.

Annette Sauer und Markus Börsig vor den beiden Wohnhäusern der GSE und der Genossenschaft Familienheim. Foto: Harald Holzmann

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Annette Sauer und Markus Börsig vor den beiden Wohnhäusern der GSE und der Genossenschaft Familienheim. Foto: Harald Holzmann

Sind all diese Projekte realisiert, dann ist für Wohnungsbau in der Cité nicht mehr viel Platz frei. Die noch leeren Filetgrundstücke entlang der Allee Cité warten jeweils auf spezielle Nutzer, die sowohl architektonisch als auch auf dem Baden-Badener Arbeitsmarkt hervorstechen müssen. „Es gibt ständig Anfragen“, sagt Börsig. Aber da stelle man schon Ansprüche. Erfüllt wurden diese zuletzt durch den Ansiedlungswunsch des TV-Senders Arte. Der Neubau soll bekanntlich gegenüber dem Haus der Chemieverbände entstehen. „Im Prinzip ist alles klar. Wir warten nur darauf, dass Arte loslegt“, sagt Sauer.

Baumschutzsatzung greift nicht

Leer ist auch das große Areal unterhalb der Akademiebühne. Drei riesige, alte Bäume wachsen dort. Ihr Bestand ist nicht durch die kurstädtische Baumschutzsatzung geschützt. Falls dort also gebaut würde, müssten sie weichen. Konkrete Pläne für ein Bauprojekt – auch dort wäre ein Wohnblock möglich, mit einem Parkhaus in der Nachbarschaft – gibt es aber keine, wie Börsig erläutert.

Im Visier hat der Chef der EG Cité eine andere Fläche am Menton-Ring neben dem Vincentiushaus. Dort könnte ein drittes Mehrgenerationenhaus in der Cité entstehen. Anders als beim seit mehr als zwölf Jahren bestehenden „In Via“ im Pariser Ring und bei den „Bretonen“ sollen aber bei dem dritten gemeinschaftlichen Wohnprojekt nicht Wohnungseigentümer die Gemeinschaft bilden, sondern Mieter. Bauherr des zweiflügeligen Gebäudes soll die GSE werden, sagt Börsig. Er ist gespannt, ob aus dem Vorhaben, das eine Baden-Badenerin betreibt, etwas wird. Sie will die potenziellen Mieter zusammenbekommen, mit denen gemeinsam die GSE das Projekt realisieren soll.

Für echte Menschen

BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert: „Sie wird immer voller und lebendiger – die Cité. Doch das Ende der Fahnenstange ist schon in Sicht: Der freie Raum im Westen der Stadt ist endlich. Die Zeiten, in denen die Besiedlung dort vor allem mit relativ großzügigen Einfamilienhäusern stattfand, sind schon längst vorbei. Der Flächenverbrauch ist zu groß, die Kosten für Bauherren sind zu hoch. Die Zeichen stehen deshalb auf Verdichtung. Es wird in die Höhe gebaut – und es geht stellenweise ziemlich eng zu im Bereich zwischen Allee Cité und dem Spielplatz Bretagne. Doch das Konversionsprojekt Cité ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Das zeigt sich Jahr für Jahr im Sommer, wenn die Entwicklungsgesellschaft bei einem Rundgang aufzeigt, was sich in den zurückliegenden zwölf Monaten getan hat. Derzeit entstehen viele Wohnhäuser dort – und zwar keine Objekte für höchst solvente Menschen in aller Welt, die ihr Geld gerne in Baden-Badener Beton-Leerstand parken wollen (wie so oft in der Kurstadt). Nein, es wächst da echter Lebensraum für echte Menschen in die Höhe. Viele Mietwohnungen sind darunter, die für Normalverdiener bezahlbar sind. Das ist dringend nötig in dieser Stadt und gut so. Und man möchte sich gar nicht vorstellen, wie katastrophal die Situation auf dem Baden-Badener Wohnungsmarkt wäre, wenn es die Cité nicht gäbe.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
18. August 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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