City-Kaufhaus: „Alle wollen weitermachen“

Gaggenau (tom) – Das Unternehmen sieht sich im Insolvenzverfahren in Eigenregie auf einem guten Weg.

Das Sortiment steht in unveränderter Form zur Verfügung. Eine Reduzierung bei den derzeit 65 Mitarbeitern ist nicht vorgesehen. Fotos: Senger

© tom

Das Sortiment steht in unveränderter Form zur Verfügung. Eine Reduzierung bei den derzeit 65 Mitarbeitern ist nicht vorgesehen. Fotos: Senger

Wie läuft es beim City-Kaufhaus? Das Unternehmen hatte zum 13. Mai vor dem Amtsgericht Baden-Baden ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht hat den Antrag bewilligt.

Service und Beratung sollen weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt 65 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. Und es gab und es gebe keine Gespräche darüber, die Arbeitszeiten zu senken, betont Janine Wilpert auf BT-Anfrage. Sie arbeitet bei der Kanzlei Nickert in Offenburg. Diese ist mit dem Verfahren betraut und auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In Absprache mit den Kaufhaus-Geschäftsführern Michael Meurers und Harry Schneider hat sie die BT-Fragen beantwortet.

Derzeit werden die Mitarbeiter mit dem sogenannten Insolvenzgeld der Arbeitsagentur bezahlt. Dieses entspricht dem jeweils letzten Nettoentgelt. Nach drei Monaten müssen Gehälter und Löhne wieder vom Betrieb ausgezahlt werden. Das ist ab August der Fall. Das ist immer so bei der Sanierung eines Unternehmens.

Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei derzeit nicht geplant. Ebenso werde es auch keine Einschränkungen oder Veränderungen im Sortiment geben. „Wir gehen aktuell davon aus, dass es nicht noch einmal zu solch einem Corona-Shutdown und zur coronabedingten Schließung des City- Kaufhauses kommen wird“, zeigt sich Wilpert zuversichtlich.

Gespräche „konstruktiv und zielführend“

Auch Gespräche mit Lieferanten, Einkaufsverbänden und dem Vermieter der Immobilie liefen „sehr konstruktiv und zielführend“, so die Juristin: „Alle wollen mit dem City Kaufhaus weiterarbeiten und weitermachen. Insofern sind die Ergebnisse schon einmal positiv. Aufgrund urlaubsbedingter Abwesenheiten jetzt in den Ferien werden die finalen Vereinbarungen jedoch erst frühestens in der 25. Kalenderwoche abgeschlossen werden können.“ Bedanken wolle sich das Haus ausdrücklich bei seinen Mitarbeitern für die Unterstützung in der Corona-Zeit, „für die weiterhin positive Stimmung und das gezeigte Engagement und vor allem auch bei den Kunden für das Vertrauen in das Unternehmen“.

Wilpert räumt ein, dass im Kaufhaus derzeit keine Geschenkgutscheine mehr eingelöst werden. Dies betrifft aber nicht die Murgtalgutscheine der Bonuscard. „Leider handelt es sich bei einem Gutschein aus der Zeit vor dem 13. Mai insolvenzrechtlich grundsätzlich um eine Insolvenzforderung in Höhe des Gutscheinwertes. Die Einlösung von alten Geschenkgutscheinen ist dem Unternehmen vom vorläufigen Sachwalter untersagt worden“, heißt es in der Begründung. „Es ist daher keine böse Absicht vom Unternehmen. Das Unternehmen versucht weiterhin, eine andere Lösung zu finden, damit die Kunden ihre Gutscheine doch noch einlösen können.“

Die Interessen der Gläubiger in dem Verfahren vertritt Dr. Dirk Pehl von der Kanzlei Schultze & Braun in Achern. Er ist vom Amtsgericht als vorläufiger Sachwalter bestellt worden. Auch er zeigt sich optimistisch: „Die Eigenverwaltung funktioniert sehr sauber und transparent. Ich kann meiner Kontrollfunktion sehr gut nachkommen“, versicherte er gestern im BT-Gespräch. Nachteile für die Gläubiger könne er nicht erkennen.

„Es sieht gut aus“, sagte Pehl mit Blick auf Vereinbarungen, die mit Lieferanten und den Vermietern der Immobilie getroffen werden sollen. Er sehe „gute Aussichten, das Haus zu sanieren“. Ein Unsicherheitsfaktor sei allerdings die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und insbesondere die Frage, ob es da eine zweite Welle geben werde.

Auch Pehl bedauert, dass Gutscheine aus der Zeit vor der Beantragung des Insolvenzverfahrens derzeit nicht eingelöst werden könnten. „Das ist ein rechtliches Thema, an dem man nicht vorbeikommt. Da kann man die Kunden nicht besserstellen als die Lieferanten“, gibt er zu bedenken.

Stichwort

Die City Kaufhaus GmbH & Co. KG am Gaggenauer Marktplatz verfügt über 4 000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf drei Etagen. Eröffnet wurde der damalige Neubau am 9. Oktober 1980 als „Kaufring Gaggenau“. Ein Jahr später wurde es zum Kaufhaus Wagener. Zum Februar 2001 erfolgte ein weiterer Inhaberwechsel: Michael Meurers und Harry Schneider übernahmen die Führung des Hauses. (tom)

Die Tiefgarage Murgufer gestern Vormittag. Die neue Regelung, dass die ersten zwei Stunden kostenlos sind, scheint zu einer höheren Frequenz zu führen.

© tom

Die Tiefgarage Murgufer gestern Vormittag. Die neue Regelung, dass die ersten zwei Stunden kostenlos sind, scheint zu einer höheren Frequenz zu führen.


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