Clown Calvero entdeckt die Mundart

Durmersheim (manu) – Als Clown Calvero ist er weithin bekannt. In der Corona-Zeit hat der Durmersheimer Markus Stößer etwas Neues gewagt: Mundart-Texte. mit denen er ein neues Programm plant.

Markus Stößer ist für „Dschau, Dschau“ beim Mundartwettbewerb „De gnitze Griffel“ gelobt worden. Foto: Manuela Behrendt

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Markus Stößer ist für „Dschau, Dschau“ beim Mundartwettbewerb „De gnitze Griffel“ gelobt worden. Foto: Manuela Behrendt

Als Clown Calvero ist Markus Stößer weithin bekannt. Mit vielsagender Mimik stumm zu sprechen, beherrscht der preisgekrönte Durmersheimer in Vollendung. Bald bricht er sein Bühnenschweigen. In Arbeit hat Stößer eine „glaunische Lääsung midd Hund“. Sie trägt den Titel „Moarjäfrih isch d’Naachd rumm!“

Der Schriftstellerei in seinem Heimatdialekt wandte sich Stößer in der kulturellen Stille der Pandemie zu. „Geschichten von früher“ sind „Erinnerungen, die meine Eltern über die Jahre wiederholt erzählten“. Für sich und seinen Sohn Émile erhält er in schriftlicher Form die Lebenshistörchen der verstorbenen Vorfahren, „damit etwas von ihnen zurückbleibt“.

Eigene Storys bringt Stößer ebenfalls ein. Es hat sich einiges angesammelt, denn: „Ich bin ja auch nicht mehr jung, aber noch nicht ganz alt“, sagt der Mittfünfziger mit schelmischem Grinsen. Dabei blitzt seine Kultfigur Calvero durch. „Ganz klar betone ich, dass Calvero keine clownische Lesung veranstaltet; Calvero bleibt stumm, er spricht nicht.“ Dennoch: „Die Texte meiner Lesung sind wie meine bisherigen Stücke: humorvoll, subtil, hintergründig, ernst, traurig, melancholisch, poetisch und schräg.“

Auftritte in Vorbereitung

In Durmerscher Mundart akzentuiert er die Eigenheiten des gesprochenen Dialekts mit „kurzen Sätzen und ganz anderem Satzbau“ als in Hochdeutsch. Dass ihm dies gelingt, zeigt die Episode „Dschau Dschau“. Damit heimste er jüngst beim Mundartwettbewerb „De gnitze Griffel“ in der Prosa-Sparte eine „lobende Erwähnung“ ein. Stößer beschreibt die Lokalität eines Gastspiels „in Rädschoodemilia (Reggio Emilia) ischs gwää“ im Nachtclub „Ciao-Ciao“. Im verruchten Umfeld wie aus einem Fellini-Film sah er sich als „ä Aard Kullduurfaigäbladd“. Er erzählt: „Schbäädnaachds, naach dda Schoo, ischs Dolldschä-Wiidaa nno weidagoangä, awwa moaischdänns hadd nnu ooai ooainziggs valloorns Päärlä Tanngo gäddoansd, ä schäbbs alds Huddslmännl midda ‚Lollobriddschiddaa‘, ärrä ffaierroodhoaarigä, drallä Famm-Faddaal.

Lanze für Dialekt brechen

Mit der Lesung „Moarjäfrih isch d’Naachd rumm!“ bricht Stößer eine Lanze für den Dialekt als „bewusster Gegenentwurf zu Comedians, die die Mundart benutzen, um sich über diese auf billige Art lustig zu machen oder in der Darstellung von Menschen, die Dialekt sprechen, möglichst doof rüberzukommen“. Hierfür sei gerade alles im Fluss. „Es entsteht eine neue Bühnenpersönlichkeit; ich bin gespannt, wie die Zuschauer reagieren, wenn sie meine Stimme hören.“

Dass er vor einem Tischchen sitzend seine Histörchen rezitiert, kann sich Stößer nicht vorstellen: „Alle Rädchen drehen sich in meinem Kopf, was man anstellen könnte.“ Eine Kombination aus Texten, Jonglage, Akrobatik, Artistik und Clownerie soll es werden. „Ich habe einen Pool von Ideen, die bisher zu nichts richtig passten; da lässt sich jetzt vieles nutzen.“ Stößer nennt das „rekapitulierende Kreativität“. Eine Puppenspielnummer soll eventuell dazukommen: „Das wollte ich schon immer mal machen.“

Das Auftrittsambiente will er schlicht halten, „damit ich das Programm problemlos auch in einer Bücherei aufführen kann“. Im Herbst probiert Stößer die Lesung vor Freunden zu Hause im Garten aus. Im Frühjahr 2022 präsentiert er das Endresultat dann in der Region vor großem Publikum.

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Erstellt:
19. September 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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