Clubs fehlen Hilfen und Perspektiven

Rastatt (as) – Nur neun Wochen dauerte die Party im Rastatter „Freiraum“. Dann musste der Club coronabedingt erneut schließen. Geschäftsführer Thomas Schenkel klagt, es fehlen Hilfen und Perspektiven.

Neun Wochen dauerte die Partystimmung im Rastatter „Freiraum“. Jetzt ist wieder Zwangspause. Foto: Thomas Schenkel/Archiv

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Neun Wochen dauerte die Partystimmung im Rastatter „Freiraum“. Jetzt ist wieder Zwangspause. Foto: Thomas Schenkel/Archiv

Das Wort „Corona“ kann Thomas Schenkel langsam nicht mehr hören. Der Geschäftsführer des Rastatter Clubs „Freiraum“ ist genervt: Nach fast elf Monaten coronabedingter Zwangspause lief der Betrieb gerade mal neun Wochen, dann ordnete die Landesregierung die erneute Schließung von Clubs an. Perspektive? Ungewiss, und die angekündigte Überbrückungshilfe sei lediglich ein Fixkostenausgleich. „Von Wirtschaftshilfen ist bisher keine Rede“, zeigt sich Schenkel enttäuscht, dass die Politik nach zwei Jahren Pandemie keine besseren Lösungen anbietet.

„Wir sind kein Infektionstreiber“

„Es scheint wirklich so, als hätten die Politiker nichts dazugelernt“, kritisiert er. Und dass immer so getan werde, „als wären wir die Infektionstreiber“, ärgert ihn maßlos, denn es gebe keine wissenschaftliche Grundlage, die belege, „dass es in Clubs riskanter ist als in Stadien oder Theatern“. Schließlich habe man im frisch umgebauten und mit neuester Lüftungstechnik ausgestatteten „Freiraum“ sämtliche Vorgaben erfüllt, um sicheres Feiern unter Pandemiebedingungen zu ermöglichen: Ein Testangebot inklusive Party-PCR-Tests für Ungeimpfte vor der Tür installiert, mit dem Ordnungsamt das Hygienekonzept abgestimmt, die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung verwendet, Impfzertifikate digital überprüft. „Wir hatten so gehofft, mit 2G-plus durch den Winter zu kommen“, sagt Schenkel: „Geimpft oder genesen und tagesaktuell getestet, da erscheint mir der Risikofaktor gering.“ Zumal er bei den überwiegend jüngeren Clubgästen beobachte, dass die Akzeptanz fürs Impfen sinke, weil einige nicht einsehen, dass sie nun trotzdem die versprochenen Freiheiten damit nicht zurückbekommen.

Vier Mal musste das Team in den neun Wochen der Club-Öffnung neue Vorgaben umsetzen: Von 3G über 2G-plus- Test, dann mit teilweiser Maskenpflicht in der Corona-Warnstufe (beim Anstehen am Einlass) und schließlich mit erweiterter Maskenpflicht auf der Tanzfläche (Alarmstufe). Die Party-PCR-Tests, die immerhin 20 Euro kosten, seien sehr gut angenommen worden. „Unsere Klientel hat wirklich alles getan“, findet Schenkel. Aber: „Anfangs waren wir supergut besucht, zum Schluss immer schlechter“– die Maskenpflicht am Eingang hätten viele Besucher nachvollziehen können, doch Maske auf der Tanzfläche habe den meisten den Spaß verdorben. Das November-Geschäft sei dadurch bereits so erschwert worden, dass der Betreiber des einzigen Clubs im Landkreis Rastatt sich wie viele Kollegen überlegt hat, freiwillig zu schließen. Doch der Winter sei traditionell die umsatzstärkste Zeit für Clubs und Diskotheken – und die Frage nach Ausfallhilfen hatte die Politik zu dem Zeitpunkt noch nicht beantwortet, schildert er das Dilemma.

Kurzarbeit und Entlassungen

Er beklagt, dass es nicht damit getan sei, den Club abzuschließen. „Wir hatten gerade wieder alle benötigten 450-Euro-Jobs besetzt, das Lager gefüllt, eine neue Betriebsleiterin eingestellt.“ Nun ist wieder Kurzarbeit für die fest Angestellten angesagt, und die Minijobber müssten schauen, wo sie bleiben. „Die machen das ja nicht aus Spaß, sondern brauchen das Geld“, sieht er auch hier eine Verantwortung bei der Politik. „Und ich beschäftige mich mit Anträgen, Terminen beim Steuerberater und muss erneut mit dem Vermieter verhandeln“, beschreibt er eine Art Deja-vu.

Das erlebt er gerade auch in anderer Hinsicht: Wie schon beim Lockdown vor einem Jahr wäre es ihm erlaubt, seine Räumlichkeiten für private Feiern zu vermieten – mit 2G-Regel, aber „die brauchen weder ein Hygienekonzept noch müssen sie Impfzertifikate kontrollieren oder haben eine Maskenpflicht“, kann er das nicht verstehen. Trösten kann ihn auch nicht die Aussicht, ab einer Inzidenz von 350 im Landkreis Rastatt wieder öffnen zu dürfen (aktuell liegt sie wieder bei unter 500). „Und wenn die Zahlen beispielsweise samstags wieder die Grenze überspringen, dann müssen wir wieder zumachen – wie soll man da betriebswirtschaftlich überleben?“, fragt er sich und findet: „Das kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein!“ Er hätte einen vierwöchigen Lockdown für Clubs sinnvoller gefunden – mit entsprechenden Finanzhilfen.

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Partyspaß ohne Maske will gut organisiert sein

Ihr Autor

BT-Readkteurin Anja Groß

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Erstellt:
13. Dezember 2021, 14:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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