Corona-Alarm: Welche Regeln gelten jetzt?

Baden-Baden (BNN) – Die Intensivstationen sind so voll, dass in Baden-Württemberg ab Mittwoch die Corona-Alarmstufe gelten soll. Sie trifft vor allem Ungeimpfte – aber nicht nur. Ein Überblick.

Im Unterricht gilt nun wieder die Maskenpflicht für alle. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa

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Im Unterricht gilt nun wieder die Maskenpflicht für alle. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa

Was ändert sich für Schüler und Sportler im Alltag? Was gilt beim Einkaufen? Worauf müssen Besucher in Pflegeheimen oder Krankenhäusern achten? Die Redaktion der BNN gibt einen Überblick.

Maskenpflicht im Klassenzimmer

Erst am 18. Oktober lockerte Baden-Württemberg die Maskenpflicht an den Schulen: Solange sie im Klassenzimmer an ihrem Platz saßen, durften Kinder und Jugendliche seither frei durchschnaufen und sprechen. Mit der Alarmstufe endet diese Freiheit nun schon wieder. Es tritt die Faustregel in Kraft: Alle müssen auch im Unterricht eine medizinische Maske oder FFP-2-Maske über Mund und Nase tragen. Ausnahmen gibt es nur in Essenspausen, beim Sportunterricht und beim Musizieren.

Sport- und Musikunterricht

In der Sporthalle dürfen die Schüler weiterhin ungehindert atmen. Das führte schon in früheren Corona-Wellen zu Kritik. Der Sprecher von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) verweist jedoch darauf, dass Kinder und Jugendliche deutlich weniger durch Corona gefährdet seien als Erwachsene. Wird ein Schüler positiv auf Covid-19 getestet, muss der Sportunterricht der betroffenen Klasse allerdings ins Freie verlegt werden – und die Gruppe muss unter sich bleiben. Außerdem ist dann nur „kontaktarmer“ Sport erlaubt. Für den Musikunterricht gilt: Beim Singen und Blasinstrumente-Spielen müssen die Schüler mindestens zwei Meter Abstand zueinander halten. Gibt es einen Covid-Fall in der Gruppe, sind Singen und Blasinstrumente tabu. Die Klassen erkrankter Schüler müssen außerdem fünf Tage in Folge täglich zum Corona-Test.

Tests an Schulen und Kitas

Regelmäßige Corona-Tests in Schulen und Kitas will das Land nun mindestens bis Ende Februar finanzieren – zweimal pro Woche bei PCR-Tests, ansonsten dreimal wöchentlich. Ausgenommen von der Testpflicht an Schulen sind weiterhin Schüler, die nachweislich geimpft oder genesen sind. Ob hier Verschärfungen drohen? „Aktuell ist nichts Anderes geplant“, erklärt Schoppers Sprecher Benedikt Reinhard. Für Knirpse in den Kitas gibt es weiterhin keine harte Testpflicht. Kinder unter sechs Jahren sind davon in der Corona-Verordnung des Landes ausgenommen. Allerdings können die Kita-Träger schon seit Längerem regelmäßige Tests verlangen – und vielerorts machen sie davon auch Gebrauch. Für nicht geimpfte Erzieherinnen und Erzieher gilt: Täglich testen.

Museum? Nicht für ungeimpfte Lehrer

Lehrkräfte müssten bei Schulausflügen aufpassen: „In Einrichtungen wie Museen gilt ja die 2G-Regel. Der ungeimpfte Lehrer kommt da nicht mehr rein.“ Schüler allerdings dürfen weiterhin Ausstellungen besuchen, sofern sie ihren Schülerausweis vorlegen. Für sie greift auch hier weiterhin die 3G-Regel. Bei volljährigen Schülern allerdings endet diese Sonderbehandlung zum Jahresende. Begründung: Sie hätten schon mehr Zeit gehabt, sich impfen zu lassen als die Jüngeren. „Warum steht nicht vor jeder Beruflichen Schule ein Impfmobil?“ – diese Frage wirft Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), auf. „Ich weiß aus Klassen an Berufsschulen, in denen erst die Hälfte der Schüler und Schülerinnen geimpft ist.“ Der Berufsschullehrerverband (BLV) fordert jetzt eine Ausweitung der Testpflicht: Auch geimpfte Schüler sollten regelmäßig einen Antigen-Schnelltest machen.

Strengere Regeln für Musikschulen

Strengere Regeln gelten nun an reinen Musik- und Kunstschulen. Ungeimpfte haben dort keinen Zutritt mehr, solange die Corona-Alarmstufe ausgerufen ist: Die 2G-Regel.

Ungeimpfte im Pflegeheim

Auch für die Alten- und Pflegeheime ergeben sich mit der Alarmstufe neue Regelungen. „Künftig müssen in unseren Häusern FFP-2-Masken getragen werden“, sagt Dieter Weiß, der stellvertretende Geschäftsführer der Diakonie im Landkreis Karlsruhe. Aber ungeimpfte Besucher dürfen auch weiterhin ihre Angehörigen besuchen. Sie müssen sich – wie bisher auch – vor Ort einem Schnelltest unterziehen. Geimpfte Heimbewohner – das ist neu – dürfen mit in Kraft treten der Alarmstufe nur noch einen Ungeimpften pro Tag empfangen. Umgekehrt gilt für ungeimpfte Heimbewohner, dass auch sie nur noch einen Besucher pro Tag empfangen können.

FFP-2-Maskenpflicht im Krankenhaus

Für Besucher und Patienten im Krankenhaus gilt die Corona-Verordnung nicht, denn Ungeimpften darf der Zugang nicht verwehrt werden. Auch getesteten Besuchern muss der Eintritt erlaubt bleiben. Es wird allerdings damit gerechnet, dass im Lauf der Woche noch eine Pflicht zum Tragen einer FFP-2-Maske kommt.

Sorgen im Amateursport

Bei den Hobby-Sportlern herrscht Endzeitstimmung. Wieder einmal. Bereits im März und Oktober des vergangenen Jahres stoppten die Verbände den Trainings- und Wettkampfbetrieb. Zwei Spielzeiten fielen der Corona-Pandemie zum Opfer, nun droht der dritte Abbruch. Groß sind die Sorgen vor allem bei den Hallensportarten. Am Dienstag unterbrach der Handball-Verband Sachsen wegen der dramatischen Corona-Lage den Spielbetrieb auf unbestimmte Zeit. „Ich hoffe, dass dies bei uns nicht nötig sein wird und wir den Spielbetrieb aufrechterhalten können“, sagt Alexander Klinkner aus Ettlingen. Der Präsident des Südbadischen Handball-Verbands denkt bei der 2G-Regel, wonach nur noch Geimpfte und Genesene in die Halle dürfen, neben den Spielern auch an Schiedsrichter, Zeitnehmer und Trainer. Die Impfquote schätzt Klinkner bei den Handballern ähnlich ein wie in der gesamten Gesellschaft. Bei einem Kader von 14 Spielern würden demnach zwei bis drei Akteure wegen der Corona-Auflagen ausfallen.

Freiluft-Training mit PCR-Test

Dieses Problem haben Freiluftsporten theoretisch nicht, hier dürfen Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene auch in der Alarmstufe mitwirken, allerdings nur bei Vorlage eines kostenpflichtigen PCR-Tests. „Ich kann von einem Spieler, der 300 Euro bekommt, nicht erwarten, dass er fünf oder sechs PCR-Tests im Monat vorlegt“, sagt Thomas Leberer, Trainer des Fußball-Oberligisten SV Linx, der wegen einiger Corona-Fälle im Spätsommer in den vergangenen Wochen zahlreiche Nachholspiele absolvieren musste. Leberer spricht von einer Handvoll ungeimpfter Spieler in seinem ohnehin stark belasteten Aufgebot. Wenn die noch wegfielen, „dann sind wir nicht mehr konkurrenzfähig“.

Konzerte mit Maske

Im Veranstaltungsbereich ändert sich durch die Alarmstufe kaum etwas. Denn auch vorher galt für die meisten Bühnen der Region und kulturelle Veranstaltungen die 2G-Regelung. Ein paar kleinere Änderungen wird es dennoch geben. „Wir werden zum Beispiel keinen Verzehr mehr im Saal zulassen und unseren Gastronomiebereich eher nach draußen verlegen“, so Johannes Frisch vom Karlsruher Tollhaus. „Außerdem werden wir die 2G-Regel schärfer kontrollieren als bisher und darauf achten, dass die Identität der Person auch wirklich mit ihrem Impfnachweis übereinstimmt.“

Geschäfte, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten, sind weiterhin ohne Einschränkungen – bis auf die Pflicht zum Tragen einer Maske – zugänglich. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa

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Geschäfte, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten, sind weiterhin ohne Einschränkungen – bis auf die Pflicht zum Tragen einer Maske – zugänglich. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa

Grundversorgung bleibt für alle offen

Für alle Geschäfte, die Waren des täglichen Bedarfs und der Grundversorgung anbieten, ändert sich auch mit der Einführung der Alarmstufe nichts. Der Zugang zu Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien, Drogeriemärkten, Getränkemärkten und anderen Abhol- oder Lieferangeboten ist unverändert für alle offen, auch für Ungeimpfte gibt es keinerlei Einschränkungen außer der grundsätzlichen Pflicht, eine Gesichtsmaske zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten. Zu den Geschäften der Grundversorgung gehören nach Angaben des Sozialministeriums auch Hofläden, Apotheken, Reformhäuser, Sanitätshäuser, Orthopädieschuhtechniker, Hörgeräteakustiker, Optiker, Babyfachmärkte sowie der Zeitschriften- und Zeitungsverkauf, des weiteren Tankstellen, Poststellen und Paketdienste, Banken und Sparkassen, Reinigungen und Waschsalons sowie Verkaufsstätten für Tierbedarf und Futtermittel. Auch Gärtnereien, Baumschulen und Gartenmärkte sowie Bau- und Raiffeisenmärkte ohne Sortimentsbeschränkung gehören zur Grundversorgung, ebenso der gesamte Großhandel. Keine Einschränkungen gibt es auch für Wochenmärkte, Flohmärkte oder andere Märkte im Freien.

Stichproben in Modehäusern und Schuhgeschäften

Für alle anderen Einzelhandelsgeschäfte gilt ab diesem Mittwoch wieder die 3G-Regel. Ungeimpfte müssen beim Betreten das Ergebnis eines aktuellen Schnelltests vorlegen. Eigentlich wären die Betreiber der Geschäfte wie Modehäuser, Schuhgeschäfte oder Elektronikmärkte verpflichtet, Einlasskontrollen durchzuführen. Der Handelsverband Baden-Württemberg und das Sozialministerium haben sich allerdings in einer Vereinbarung darauf geeinigt, dass es reicht, stichprobenartige Kontrollen am Eingang, an der Kasse oder bei der Aufnahme eines Verkaufsgesprächs durchzuführen. „Der Einzelhandel war durch die hervorragenden Hygienekonzepte in den vergangenen eineinhalb Jahren zu keinem Zeitpunkt Treiber der Pandemie“, sagt Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg, unserer Redaktion. So habe eine Auswertung der Luca-App ergeben, dass lediglich ein Prozent aller Warnmeldungen von Besuchen in Einzelhandel stammen würden.

Was sonst noch gilt:

Private Treffen: Es dürfen nur noch ein Haushalt und eine weitere Person zusammenkommen. Paare, die nicht zusammenleben, zählen dabei als ein Haushalt. Nicht mitgezählt werden Geimpfte und Genesene, Personen bis 17 Jahre und Menschen, die sich aus medizinischen gründen nicht impfen lassen können.
Veranstaltungen: Für öffentliche Veranstaltungen gilt die 2G-Regel, Zutritt haben also nur Geimpfte und Genesene.
Gastronomie: In Restaurants, Kneipen, Imbissen oder Spielhallen gilt in geschlossenen Räumen 2G, im Freien 3G, allerdings nur mit einem PCR-Test.
Körpernahe Dienstleistungen: Für körpernahe Dienstleistungen wie zum Beispiel Massagepraxen und Tattoostudios, Kosmetikstudios oder Sonnenstudios gilt grundsätzlich die 3G-Regel. Ungeimpfte benötigen einen negativen PCR-Test. Von der Regel ausgenommen sind medizinische Angebote wie Fußpflege oder Physiotherapie.
Freizeit: In Freizeitparks, Sportstätten, Bädern und Saunen gilt ausnahmslos die 2G-Regel. Ebenso in Diskotheken oder Prostitutionsstätten.
Kultur: Auch in Museen oder Galerien gilt 2G. Ausgenommen sind die Landesbibliotheken und Archive, Ungeimpfte haben hier mit negativem PCR-Test Zutritt.
Hotels und Herbergen: Für die Beherbergung gilt weiterhin die 3G-Regel. Allerdings ist ein PCR-Test notwendig, der alle drei Tage erneuert werden muss.

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