Corona: Grenzwert für Alarmstufe im Land nicht erreicht

Stuttgart/Berlin (dpa/BT) – Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen im Südwesten ist leicht gesunken und bleibt somit unter dem Grenzwert von 390, der für die Alarmstufe relevant ist.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Intensivpatienten leicht gesunken, sodass der Grenzwert für die Alarmstufe zunächst nicht erreicht wurde. Symbolfoto: Bodo Schackow/dpa

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In Baden-Württemberg ist die Zahl der Intensivpatienten leicht gesunken, sodass der Grenzwert für die Alarmstufe zunächst nicht erreicht wurde. Symbolfoto: Bodo Schackow/dpa

Das Landesgesundheitsamt berichtete am Samstag, dass 372 Covid-19-Erkrankte in Baden-Württemberg intensivmedizinisch behandelt würden. Das waren acht weniger als am Vortag.

Wird die Alarmstufen-Marke von 390 an zwei aufeinanderfolgenden Werktagen erreicht oder überschritten, treten automatisch schärfere Maßnahmen in Kraft wie 2G-Regeln (genesen oder geimpft). Im Moment gilt in Baden-Württemberg die sogenannte Corona-Warnstufe, die schon für viele Ungeimpfte Beschränkungen mit sich bringt.

Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz lag am Samstag (Stand 16 Uhr) bei 4,81 nach 5,0 am Vortag. Sie gibt die Zahl jener Menschen an, die pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche mit Corona-Symptomen in eine Klinik kommen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen betrug landesweit 370,3 und ist damit im Vergleich zum Vortag (352,6) gestiegen. Der Wert gibt an, wie viele neue Infektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche den Behörden gemeldet wurden. Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie stieg um 6.145 auf 703.599. Im Zusammenhang mit dem Virus sind 11.252 Menschen im Südwesten gestorben – das sind zehn mehr als am Vortag. Für den Landkreis Rastatt registrierte das LGA 153 Neuinfektionen, sodass die Gesamtzahl der bislang Infizierten auf 14.231 wuchs. Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde für den Landkreis mit 384,3 angegeben. Im Stadtkreis Baden-Baden kamen 31 Neuinfektionen hinzu, sodass die Gesamtzahl der Infizierten auf 3.215 stieg. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 317,4. Sowohl im Stadt- als auch im Landkreis waren keine weiteren Todesopfer zu beklagen.

Im Landkreis Biberach gilt seit Samstag die sogenannte Alarmstufe wegen hoher Corona-Zahlen. Hier wurde mit Stand Samstag, 16 Uhr, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 678,9 erreicht. Damit gelten dort nun deutlich verschärfte Auflagen.

Land bereitet Verlegungen in andere Bundesländer vor

Um der angespannten Lage auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg Herr zu werden, müssen manche Patienten womöglich in andere Bundesländer verlegt werden. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sagte „der Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag), dass dazu schon Gespräche liefen. „Gerade in Norddeutschland ist die Lage noch entspannter – auch deshalb, weil dort die Impfquote höher ist“, erklärte er. Im Südwesten könnten nicht mehr so viele Patienten verlegt werden, wie eigentlich nötig wäre. Zig Kliniken stünden unter Druck. „Es ist ein fatales Signal, dass wir andere Bundesländer um Hilfe bitten müssen, weil sich bei uns zu wenige impfen lassen.“

Schulen sollen auch in Alarmstufe offen bleiben

Auch falls in den nächsten Tagen in Baden-Württemberg die Alarmstufe ausgerufen werden sollte, will die Landesregierung die Schulen offen lassen.

Schulschließungen sollten keine Option mehr sein, sagte ein Sprecher von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag). Oberstes Ziel sei es, so viel Präsenzunterricht anzubieten wie möglich. Der Gesundheitsschutz an den Schulen werde dabei an das Infektionsgeschehen angepasst.

Wenn die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen in baden-württembergischen Krankenhäusern an zwei Werktagen in Folge die Marke von 390 erreicht oder überschreitet, gelten landesweit schärfere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Das Ausrufen der sogenannten Alarmstufe wird für kommende Woche erwartet.

Erst vor wenigen Tagen hatte Schopper die Abschaffung der Maskenpflicht in den Schulklassen verteidigt und ungeimpfte Erwachsene scharf kritisiert.

Bundesweite Inzidenz auf neuem Höchststand

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist derweil erneut auf einen Höchstwert gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert am Samstagmorgen mit 277,4 an.

Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 263,7 gelegen, vor einer Woche bei 183,7 (Vormonat: 65,4). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 45.081 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.21 Uhr wiedergeben. Am Donnerstag hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 50.196 einen Rekordwert seit Beginn der Pandemie erreicht. Vor genau einer Woche hatte der Wert bei 34.002 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 228 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 142 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.987.971 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 4,70 an (Donnerstag: 4,65).

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.466.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 97.617.

Nachbarländer jetzt Hochrisikogebiete

Fast ganz Österreich, Tschechien und Ungarn gelten ab Sonntag als Hochrisikogebiete. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss bei der Rückkehr aus diesen Ländern nach Deutschland in Quarantäne. Die häusliche Isolation kann erst nach fünf Tagen durch einen Test beendet werden. Die USA dagegen gelten ab Sonntag nicht mehr als Hochrisikogebiet.

Die Bundesregierung hatte Österreich – mit Ausnahme von zwei Gemeinden und dem Rißtal am Achensee – sowie Tschechien und Ungarn am Freitag wegen der hohen Corona-Neuinfektionen neu als Hochrisikogebiete eingestuft. In Österreich wurden am Samstag mehr als 13.000 Neuinfektionen verzeichnet, ein neuer Höchststand. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner stieg auf 814,6. Österreich wie auch Tschechien liegen bei der Impfrate zugleich unter dem EU-Durchschnitt.

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Erstellt:
13. November 2021, 08:21 Uhr
Aktualisiert:
13. November 2021, 19:38 Uhr
Lesedauer:
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