Corona: Erste Fälle mit Omikron-Variante in Deutschland

Berlin/Baden-Baden (dpa/BT) – Zwei Fälle der neuen aus Südafrika stammenden Omikron-Virusvariante sind in München entdeckt worden. Zwei weitere Verdachtsfälle gibt es in Hessen.

Das Coronavirus hat weiter mutiert und die neue Omikron-Variante verursacht große Sorgen. Symbolfoto: NIAID/NIH/AP/dpa

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Das Coronavirus hat weiter mutiert und die neue Omikron-Variante verursacht große Sorgen. Symbolfoto: NIAID/NIH/AP/dpa

Bei einem am Freitagabend in München angekommenen Flug aus Kapstadt wurden laut bayerischem Gesundheitsministerium zwei Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. Am Samstagabend gaben die Behörden bekannt, dass es sich in beiden Fällen um die sogenannte Omikron-Variante handelt. Die Betroffenen hätten selbst vorausschauend eine Untersuchung veranlasst, nachdem sie aus den Medien von der Gefahr erfahren hätten. Das Frankfurter Gesundheitsamt erwartet nach eigenen Angaben am Montag genaue Ergebnisse zu einem Verdachtsfall in Hessen. Die Virologin Sandra Ciesek habe in dem Fall des Reiserückkehrers aus Südafrika mehrere typische Merkmale der Virusvariante ermittelt, teilte die Behörde am Samstag mit. Nun stünden noch die Resultate der vollständigen Sequenzierung aus. Das Gesundheitsamt stehe in direktem Kontakt zu der Person, die sich in Isolation befinde. Es seien vor Ort alle nötigen Maßnahmen getroffen worden, um schnell zu klären, wer infiziert sei und wer in Quarantäne müsse.

Zwei Fälle der Omikron-Variante, die miteinander in Zusammenhang stehen, wurden zudem in Großbritannien entdeckt. Die Regierung will nun die Einreisebedingungen verschärfen. Alle Einreisenden müssten zwei Tage nach ihrer Ankunft in Großbritannien einen PCR-Test machen und sich bis zur Vorlage des Ergebnisses isolieren, sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Samstag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Wegen der Variante stuft unterdessen die Bundesregierung Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho ab Sonntag, 0 Uhr, als Virusvariantengebiete ein, wie das RKI mitteilte. Fluggesellschaften dürfen damit im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von dort nach Deutschland befördern. Für Einreisende gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht – auch für Geimpfte und Genesene.

Leopoldina fordert strikte Kontaktreduzierung

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina forderte eine rasche und deutliche Reduzierung der Kontakte – auch bei Genesenen und Geimpften.

Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen aus Sicht der führenden Wissenschaftler nicht aus, um die zugespitzte Corona-Lage unter Kontrolle zu bekommen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina forderte eine rasche und deutliche Reduzierung von Kontakten, auch bei Geimpften und Genesenen. Die Impfkampagne müsse massiv verstärkt und eine Impfpflicht stufenweise eingeführt werden, betont die Akademie in ihrer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme. Mit Blick auf Kinder und Jugendliche empfiehlt die Leopoldina vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Tests mindestens dreimal pro Woche. Während des gesamten Aufenthalts in den Schulen sollten Lehrer und Schüler aller Klassenstufen Masken tragen. Der voraussichtlich künftige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von „neuen dramatischen Herausforderungen“ und betonte, es gebe nichts, was nicht in Betracht genommen werde.

Zahlen für Baden-Württemberg und Mittelbaden

Das baden-württembergische Landesgesundheitsamt meldet am Samstag mit Stand 16 Uhr 7.806 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Somit stieg die Gesamtzahl der bislang infizierten Menschen im Land auf 815.174. Zudem wurden elf weitere Todesfälle registriert, sodass die Gesamtzahl der Sterbefälle durch oder mit Covid19 auf 11.683 anstieg. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag im Land bei 514,7 (Vortag: 505,9). Im Landkreis Rastatt wurden 280 Neuinfektionen registriert, im Stadtkreis Baden-Baden 44. Damit lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Rastatt bei 604,1, im Stadtkreis Baden-Baden bei 479,7. Die landesweite Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz wurde mit 5,93 angegeben (Vortag: 6,2). 603 Covid-Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt; das waren 31 mehr als am Vortag.

Lange Warteschlange in Bühl

Die niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg verabreichten bei einem landesweiten Corona-Impftag am Samstag viele Corona-Impfungen. Es habe einen großen Andrang gegeben, sagte ein KVBW-Sprecher. Der Impftag ist zugleich Abschluss einer Aktionswoche der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). In vielen Praxen im Land wurden bereits die ganze Woche über Sondersprechstunden angeboten und auch außerhalb der Praxen gab es eine Reihe von Aktionen vor Ort. Zuvor hatten die Kassenärzte von einem „enormen“ Andrang in den Praxen im Land berichtet. Mit der Aktionswoche und zusätzlichen Kapazitäten wollten die Ärzte so auch für Entlastung sorgen. Alle Haus-, Kinder- und Facharztpraxen im Land waren aufgerufen, sich am Impftag zu beteiligen.

In Bühl warteten Impfwillige am Samstag zwischen dreieinhalb und vier Stunden bei Niederschlag und Kälte im Freien auf ihre Spritze. Foto: Bernhard Margull

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In Bühl warteten Impfwillige am Samstag zwischen dreieinhalb und vier Stunden bei Niederschlag und Kälte im Freien auf ihre Spritze. Foto: Bernhard Margull

Eine Riesenschlange von Impfwilligen bildete sich am Samstagvormittag in Bühl von der Hauptstraße über die Oberweierer Straße in die Karl-Reinfried-Straße bis zur Impfstation im katholischen Gemeindehaus (früher Haus Alban Stolz). Die Impflinge harrten zwischen dreieinhalb bis vier Stunden bei strömendem Regen aus. Dort war von 10 bis 15 Uhr ein mobiles Impfteam im Einsatz.

Neuer Rekordwert bei Sieben-Tage-Inzidenz

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen und hat am Samstag mit 444,3 einen neuen Höchststand erreicht. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 438,2 gelegen, vor einer Woche bei 362,2 (Vormonat: 118,0). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 67.125 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Samstag hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.11 Uhr wiedergeben. Am Freitag hatte die Zahl der Ansteckungen bei 76.414 gelegen, vor genau einer Woche waren es 63.924 Ansteckungen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 303 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 248 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.717.295 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,97 an (Donnerstag: 5,79). Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Freitag mit 4.803.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 100.779.

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Erstellt:
27. November 2021, 07:50 Uhr
Aktualisiert:
27. November 2021, 19:25 Uhr
Lesedauer:
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