Corona: Land plant schärfere Regeln ab Mittwoch

Berlin/Baden-Baden/Rastatt (dpa/BT) - Baden-Württemberg will die Corona-Maßnahmen ab Mittwoch nochmals verschärfen. Am Montag stieg die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz auf 386,5 an.

Baden-Württemberg plant eine weitere Verschärfung der Corona-Regeln ab Mittwoch. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

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Baden-Württemberg plant eine weitere Verschärfung der Corona-Regeln ab Mittwoch. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

In Baden-Württemberg dürften schon von diesem Mittwoch an noch schärfere Corona-Beschränkungen gelten. Geplant ist in manchen Bereichen die 2G-plus-Regel, wonach nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt haben, die zusätzlich einen negativen Test vorweisen können. Außerdem soll es in Hotspots für Ungeimpfte nächtliche Ausgangsbeschränkungen geben, wenn in ihrem Kreis die Sieben-Tage-Inzidenz über 500 liegt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen in Stuttgart.

Die neue Corona-Verordnung mit der neuen Alarmstufe II solle schon an diesem Dienstag verkündet werden und ab Mittwoch gelten, teilte das Sozialministerium mit. Das Land will mit den zusätzlichen Maßnahmen den starken Anstieg der Corona-Zahlen abbremsen. In der Alarmstufe II soll 2G plus bei Veranstaltungen mit Gesang oder Blasmusik, auf Weihnachtsmärkten, in Bars und Clubs sowie bei körpernahen Dienstleistungen gelten - allerdings werden Friseure hier voraussichtlich ausgenommen sein.

Anders als zunächst geplant sollen die Einschränkungen für ungeimpfte 12- bis 17-Jährige doch nicht so scharf sein. Allerdings gilt künftig in Bars und Clubs auch für sie 2G plus ohne Ausnahme. Ursprünglich wollte das Land die Maßnahmen deutlich erweitern, um zu erreichen, dass sich viel mehr Jugendliche impfen lassen.

Die neue Alarmstufe soll dem Vernehmen nach greifen, wenn die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen auf über 450 steigt oder die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz bei 6 liegt. Die Zahl der Covid-19-Fälle auf Intensivstationen liegt schon über 450. Das heißt, dass voraussichtlich schon von Mittwoch an die neuen Regeln gelten werden. Die Hospitalisierungsinzidenz liegt knapp unter dem Grenzwert von 6. Sie gibt die Zahl jener Menschen an, die pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche mit einer Corona-Infektion in eine Klinik kommen.

Die Ausgangsbeschränkungen für nicht Geimpfte in Hotspots sollen von 21 bis 5 Uhr gelten. Zuletzt lagen etwa 20 von 44 Stadt- und Landkreisen über der Inzidenz von 500. Ursprünglich wollte die Landesregierung die Corona-Verordnung erst am Mittwoch verkünden und am Donnerstag in Kraft treten lassen. Doch wegen der neuen Bestimmungen im Bund können die Länder nur noch Ausgangsbeschränkungen verfügen, wenn sie spätestens am Dienstag als Teil der neuen Corona-Verordnung verkündet werden, hieß es.

Wie angekündigt will das Land auch die Gästezahl bei größeren Veranstaltungen begrenzen. Künftig soll es in den Alarmstufen wieder eine Obergrenze von 25.000 Besucherinnen und Besuchern geben. Zudem soll die Kapazität beschränkt werden, das heißt zum Beispiel, dass ein Stadion nur zur Hälfte gefüllt sein darf. Noch umstritten ist, ob in der Alarmstufe II sogar nur ein Viertel der Kapazität genutzt werden darf.

Schon seit diesem Montag gelten wegen eines explodierten Anstiegs an Corona-Infektionen im Schwarzwald-Baar-Kreis, Ostalbkreis und Kreis Biberach Ausgangsbeschränkungen. Zwischen 21 und 5 Uhr dürfen Ungeimpfte nur noch aus triftigem Grund ihre Wohnungen verlassen. Ausnahmen gelten etwa für medizinische Notfälle und aus Arbeitsgründen.

Lage in Deutschland

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut auf einen Höchststand gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab die Zahl am Montagmorgen mit 386,5 an.Zum Vergleich: Am Vortag hatte die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden pro 100.000 Einwohner bei 372,7 gelegen, vor einer Woche bei 303,0 (Vormonat: 95,1). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 30.643 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.08 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 23.607 Ansteckungen gewesen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 62 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 43 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.385.585 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,34 an (Donnerstag: 5,30). Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.649.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 99.124.

Lage im Land und in Mittelbaden

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Baden-Württemberg erhöhte sich von Samstag auf Sonntag (Stand: 16 Uhr) laut Landesgesundheitsamt um 4.375 auf insgesamt 758.996. Die Zahl der an oder mit Covid-19 gestorbenen Patienten stieg um 5 auf 11.456. Im Landkreis Rastatt wurden 61 Neuinfektionen registriert, im Stadtkreis Baden-Baden 10. In Mittelbaden gab es keine weiteren Todesfälle. Laut Divi-Intensivregister werden 457 Covid-19-Patienten auf baden-württembergischen Intensivstationen behandelt, 15 mehr als am Vortag. In sieben Tagen kamen pro 100.000 Einwohner 5,31 Patienten wegen einer Corona-Infektion in ein Krankenhaus (Hospitalisierungsinzidenz).

Stadt- und Landkreis über dem Landesschnitt

Die Sieben-Tage-Inzidenz hat sich in Baden-Baden in den vergangenen zwei Wochen mehr als verdoppelt. Am Sonntag lag der Wert für die Bäderstadt auf einem Höchststand von 485,1. Im Landkreis Rastatt betrug der Wert 481,3. Stadt- und Landkreis lagen damit über dem Landesdurchschnitt von 454,1.

Allein am Samstag wurden in der Bäderstadt 81 neue Erkrankungen registriert, am Freitag waren es 34, am Sonntag zehn. Ein besonderer Infektionsherd wurde am Wochenende allerdings nicht bekannt. In einer Stellungnahme vom Freitag gegenüber der Stadtverwaltung hatte das zuständige Gesundheitsamt in Rastatt noch von einer „diffusen Lage“ gesprochen. Betroffen von den Neuinfektionen seien Bürger in der Kernstadt und in den Stadtteilen, berichtet der städtische Pressesprecher Roland Seiter auf Anfrage.

Am 6. November lag die Sieben-Tage-Inzidenz an der Oos noch bei 202, sank dann am 9. November sogar auf 193. Die 200er-Marke wurde mit 234,4 am 10. November genommen, die 300er-Marke am 14. November mit 317,4. Am vergangenen Freitag kletterte der Wert auf 376,9.

Weitere Impftermine in Baden-Baden

In Baden-Baden sollen an diesem Montag auf dem Portal www.baden-baden.de/impftermine weitere Impftermine für Dienstag freigeschaltet werden. Die Impfungen erfolgen dann von 14.15 bis 18 Uhr in Räumen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes am Klinikum im Stadtteil Balg. Ab dem 6. Dezember soll es zudem ein Impfangebot an sechs Tagen in der Woche am Impfstützpunkt im Einkaufszentrum Shopping Cité geben. Außerdem sind ab 4. Dezember an Wochenenden Impfangebote an den Corona-Schwerpunktpraxen in der Bäderstadt geplant. Am Mittwoch will sich die Stadtverwaltung erneut zu Impfangeboten und zur Lage am Klinikum äußeren.

Dringlicher Impf-Appell von OB Mergen

Unterdessen schloss sich die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen einem Corona-Aufruf des baden-württembergischen Städtetags an. Sie appellierte mit diesem Aufruf an die Bürger, das eigene Verhalten zu überdenken und Kontakte zu reduzieren. Weiter rät sie dringlich zur Impfung und zu Vernunft und Wachsamkeit beim eigenen Verhalten, was auch für Geimpfte gelte.

Impfstoff für Kinder ab Dezember

In Deutschland sollen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Dezember 2,4 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren zur Verfügung stehen. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA werde wahrscheinlich Ende dieser Woche erfolgen, sagte Spahn am Montag in Berlin. Die gesamte Europäische Union erhalte die erste Lieferung am 20. Dezember. Deutschland erhalte „auf einen Schlag“ 2,4 Millionen Dosen für die Fünf- bis Elf-Jährigen, so Spahn. Angesichts von 4,5 Millionen Kindern dieser Altersgruppe werde wohl ein großer Teil der anfänglichen Nachfrage bedient werden können. Weitere Lieferungen seien in den ersten Monaten des neuen Jahres zu erwarten. Da Kinder eine andere Dosierung benötigten, seien auch eine andere Abfüllung und ein anderer Vorlauf für den Kinderimpfstoff nötig, erläuterte der geschäftsführende Gesundheitsminister.

Biontech prüft Erhöhung der Liefermenge

Das Unternehmen Biontech prüft derweil, ob es mehr Impfstoff gegen das Coronavirus liefern kann als bisher vereinbart. Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Biontech-Impfstoff angekündigt. Dafür soll das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommen. Zur Begründung wurde auch darauf verwiesen, dass andernfalls ab Mitte des 1. Quartals 2022 eingelagerte Moderna-Dosen zu verfallen drohten. Aktuell mache der Impfstoff von Biontech über 90 Prozent der Bestellungen aus.


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