Corona-Krise sorgt für mehr Arbeitslose

Baden-Baden (ml/dpa) – Die Corona-Krise ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Im Bezirk der Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt stieg die Arbeitslosenquote von März auf April um 0,7 auf 4,1 Prozent.

Die Corona-Krise sorgt für einen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt. Foto: Sebastian Gollnow

Die Corona-Krise sorgt für einen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt. Foto: Sebastian Gollnow

„Wir haben mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet. Der Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Krise unter Druck geraten, weshalb sich die Frühjahrsbelebung nicht fortsetzt“, wird Ingo Zenkner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt am Donnerstag in einer Mitteilung zitiert. „Es gibt zwar auch weiterhin eine gewisse Dynamik, allerdings ist diese aus dem Gleichgewicht geraten“, so Zenkner. Die Zahl der Menschen, die sich im April arbeitslos melden mussten, ist im Vergleich zu den vergangenen Monaten gestiegen. Zudem agierten die Unternehmen weitaus vorsichtiger und stellten im April deutlich weniger neues Personal ein als zu dieser Jahreszeit üblich. Die Firmen in der Region meldeten dem Arbeitgeberservice im April 566 vakante Arbeitsstellen – das sind 71,6 Prozent weniger neue offene Stellen als im Vorjahresmonat. Aktuell gibt es 7.136 offene Arbeitsstellen. Die sonst übliche Belebung im Frühjahr blieb nicht nur aus, die Lage verschärfte sich erheblich.

Die Zahlen für Mittelbaden

Im Bereich Mittelbaden registrierte die Agentur im April 6.600 Arbeitssuchende, das bedeutet eine Arbeitslosenquote von 4,0 Prozent. Sie liegt um einen Prozentpunkt über dem Wert von April 2019. Zum Monatsende gab es 1,767 offene Stellen, das sind 731 weniger als im April des Vorjahres. In Baden-Baden wurden 1.600 Menschen ohne Arbeit registriert, das entspricht einer Quote von 5,5 Prozent (1,1 Prozent als im Vorjahresmonat). Die Zahl der offenen Stellen sank im gleichen Zeitraum um 283 auf 448. In Bühl gab es 1.167 Jobsuchende, die Quote stieg dort um 0,7 auf 2,9 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen nahm um 216 auf 336 ab. Die Agentur in Gaggenau vermeldete 1.149 Arbeitslose, damit stieg die Quote um 1,1 auf 3,6 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen verringerte sich im Murgtal um 79 auf 275. In Rastatt wurden 2.684 Jobsuchende registriert, die Quote erhöhte sich dort um 1,0 auf 4,2 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen ging dort um 153 auf 708 zurück.

Einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Arbeitsmarkts spielt die konjunkturelle Kurzarbeit. Ohne dieses Instrument wäre die Arbeitslosigkeit noch deutlich massiver angestiegen. Seit dem Beginn der Krise vor gut einem Monat haben 9.066 Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt auf diese Möglichkeit zurückgegriffen. Wie viele Menschen tatsächlich und in welchem Umfang in Kurzarbeit sind, wird sich jedoch erst zeigen, sobald die Betriebe die Abrechnungsanträge vorgelegt haben und diese bearbeitet sind.

In Baden-Württemberg lag die Zahl der Menschen ohne Job bei 250.275, das entspricht knapp 17 Prozent mehr als im Vormonat und sogar 32,7 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vorjahr (3,1 Prozent) auf 4 Prozent.

Vom jetzigen starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen seien alle Personengruppen im Südwesten betroffen, hieß es bei der Arbeitsagentur. Bei den Branchen trifft es vor allem die Zeitarbeit sowie Handel, Kfz-Gewerbe und das Gastgewerbe. Allerdings habe es bereits vor Ausbruch der Corona-Krise eine gebremste Konjunkturentwicklung gegeben.

Besonders die Kurzarbeitszahlen zeigen die Auswirkung von Corona auf die Wirtschaft im Südwesten. Seit März 2020 haben nach Angaben der Arbeitsagentur 101.086 Betriebe Kurzarbeit angemeldet - im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 305 Betriebe. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten beläuft sich auf fast 1,7 Millionen. Noch vor einem Jahr waren nur rund 7.000 Menschen in Kurzarbeit.

Mehr als zehn Millionen in Kurzarbeit

Deutschlandweit haben die Unternehmen bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Damit wurden alle Prognosen von Volkswirten bei Weitem übertroffen. Die Schätzungen der Experten hatten zwischen drei und sieben Millionen Menschen gelegen. Im April waren 308.000 Menschen mehr arbeitslos als noch im März und 415.000 mehr als im April 2019, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Gesamtzahl stieg damit auf 2,644 Millionen. Dies entspricht einer Quote von 5,8 Prozent. Sie stieg im Vergleich zum März um 0,7 Punkte und im Vergleich zum April des Vorjahres um 0,9 Punkte.

„Die Corona-Krise dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele.


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