Corona: Mittelbaden hat diffuses Infektionsgeschehen

Rastatt (fk) – In Mittelbaden stieg die Inzidenz in den vergangenen Wochen kontinuierlich. Das zuständige Rastatter Gesundheitsamt spricht von einem „diffusen Infektionsgeschehen“.

Die Behörden werben eindringlich für die Impfung: In den mittelbadischen Pflegeheimen verlaufe die Corona-Infektion milde oder breche nicht aus. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Die Behörden werben eindringlich für die Impfung: In den mittelbadischen Pflegeheimen verlaufe die Corona-Infektion milde oder breche nicht aus. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Signale für sich genommen, können durchaus beunruhigen wirken. Die Inzidenz in Mittelbaden schnellt in den zurückliegenden Wochen kontinuierlich nach oben, das Gesundheitsamt meldet eine erschwerte Nachverfolgung der Fälle und in zwei Pflegeheimen der Region gibt es trotz Impfung 13 Fälle. Das ergaben BT-Recherchen. Dennoch mahnen die Behörden zur Ruhe, werben eindringlich für das Impfen.

Erkrankungen trotz Impfung


Denn: „Ja, es ist richtig, dass es in zwei Pflegeheimen Corona-Erkrankungen trotz Impfung gab. Aber es gab dabei trotz diverser, zum Teil schwerer Vorerkrankungen keinen schweren Verlauf. Das zeigt, dass die Impfung vor schweren Verläufen definitiv schützt“, sagt Jürgen Ernst, stellvertretender Sozialdezernent des Landkreises Rastatt. Seinem Dezernat ist das für Mittelbaden zuständige Gesundheitsamt zugeordnet. Die Behörden erklären sich die Infektionen unter den geimpften Senioren auch damit, dass deren Impfungen schon weit zurückliegen und der Impfschutz womöglich nachgelassen habe. „Deswegen ist die Debatte über die dritte Impfung durchaus sinnvoll“, sagt Ernst, der zugleich betont, dass einige der Infizierten gar nicht erkrankt seien. Dennoch tauchten diese Personen natürlich in der Statistik auf.

Zahl der Infizierten steigt früher als erwartet

Ähnlich sieht es dem Gesundheitsamt zufolge außerhalb der Heime aus. „Ja, wir haben ein diffuses Infektionsgeschehen“, verdeutlicht Ernst. Aber der Schwerpunkt liege eindeutig unter den Ungeimpften. Dass die Zahl der Infizierten schon jetzt, im Sommer, nach oben schnellt, erklärt er sich mit der mittlerweile vorherrschenden Delta-Variante, die deutlich ansteckender sei und sich schneller verbreite. Außerdem seien unter den Erkrankten durchaus Urlaubsrückkehrer als ein Schwerpunkt auszumachen. Hoffnung auf ein baldiges Abflachen der Welle hat er daher wenig. „Wir gehen nicht davon aus, dass das jetzt mit Schulbeginn besser wird.“

Neue Einschränkungen drohen deshalb aber erst mal nicht. Die Inzidenz spielt in der aktuell geltenden Landesverordnung nämlich keine Rolle mehr. Neue Regelungen erwartet das Landratsamt in der kommenden Woche. Ernst geht davon aus, dass sich etwaige Beschränkungen dann nicht an der Inzidenz, sondern an der Hospitalisierungsrate – sprich der Auslastung der Krankenhäuser und Intensivstationen – ausrichten werden. „Außerdem sieht es im Moment so aus, als würde die 2-G-Regel eine große Rolle spielen“, sagt Ernst. Konkret würde das wohl bedeuten, dass Einschränkungen vor allem Ungeimpfte treffen.

Probleme bei Kontaktverfolgung

Die Probleme bei der Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt hängen indes auch mit der Einführung eines neuen, eigentlich vereinfachenden Systems zusammen. Alle Daten sollen in Zukunft digitalisiert erfasst werden, so können sie leichter weiterversandt werden. „Aber wie bei jeder Neuerung müssen sich die Mitarbeiter erst mit dem Programm vertraut machen. Wir dachten, dass das jetzt im September noch besser möglich ist, als später, wenn die Zahlen noch weiter steigen. Wir sind dabei allerdings nicht davon ausgegangen, dass die Inzidenzzahlen jetzt schon wieder diese Höhen erreichen würden, wie sie es jetzt tun“, erklärt Ernst.

Ihr Autor

BT-Redakteur Florian Krekel

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Erstellt:
9. September 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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